Die Automobilbranche erlebt einen tiefgreifenden Wandel, der durch Elektromobilität, vernetzte Fahrzeuge sowie autonomes Fahren und neuen wirtschaftlichen Druck geprägt ist. Bei der Veranstaltung „ZDK-Summerbeats“ des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) und der Automobilwoche in Berlin diskutierten rund 90 Gäste über die aktuelle Lage des Kfz-Handels.
Christian Hirte, parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium, bezeichnete den Begriff Transformation in Bezug auf den Automobilstandort Deutschland als Euphemismus, also als beschönigende Bezeichnung. Der CDU-Politiker betonte, dass die Politik Rahmenbedingungen auf nationaler und europäischer Ebene anpacken müsse, um die Produktion, den Vertrieb und die Reparatur von Fahrzeugen bezahlbar zu halten.
ZDK-Präsident Thomas Peckruhn erklärte, dass Handel und Werkstätten aufgrund hoher Investitionen zunächst Respekt vor der Transformation zur Elektromobilität hatten. Es zeigten sich jedoch neben Herausforderungen auch zunehmend Chancen, wie der Zugang zu neuen Kundengruppen. Entscheidend für den Wandel ist aus Peckruhns Sicht Technologie-Offenheit, was auch in der Regierung angekommen sei.
Belinda Erkner, Geschäftsführerin der gleichnamigen VW-Autohausgruppe, stimmt zu: „Wir sind Unternehmer, wir wollen nach vorne gehen und das werden wir auch.“ Der Wandel präge die Branche schon seit Jahrzehnten. Entscheidend sei, Chancen zu erkennen und neue Geschäftsfelder zu entwickeln.
„Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten gut mit der Automobilindustrie gelebt. „Der Faktor, der uns Wohlstand gebracht hat, wird jetzt zum Klumpenrisiko“, so CDU-Politiker Hirte. „Wir können in der Politik nicht alles regeln, aber die Rahmenbedingungen in der Europäischen Union und auf nationaler Eben müssen wir anpacken.“
ZDK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Hasler kritisierte, dass Vorschriften aus Brüssel und Berlin zu steigenden Fahrzeugpreisen geführt hätten, was die Rentabilität von Kleinwagen beendete. Es haben aber auch die Hersteller die Preise nach der Corona-Phase und der Chipkrise massiv erhöht. Der durchschnittliche Preis für Neuwagen hat sich laut Hasler in den letzten 50 Jahren verachtfacht, während das Jahreseinkommen nur um das 4,5-Fache stieg. Früher reichten sechs Monatsgehälter aus, heute seien elf nötig.


Jensen meint
Die Haupthoffnung des ZDK beruht ja nicht auf Technologieoffenheit. Es geht darum, dass die verschiedenen Lobbygruppen mit Geleitschutz der Politik, möglichst lange dafür sorgen wollen, „irgendwas mit Verbrennermotor“ und den daraus folgenden Wartungsumsätzen weiter im Spiel zu halten.