Der deutsche Batterie-Recycler Cylib hat in Wernberg-Köblitz in Bayern eine Anlage zur Entladung, Demontage und mechanischen Aufbereitung ausgedienter E-Fahrzeug-Batterien erworben. Die Jahreskapazität beträgt bis zu 10.000 Tonnen. Die Übernahme im Rahmen eines Insolvenzverfahrens umfasst die Verarbeitungslinie, das Gebäude und das Grundstück.
Der derzeit stillgelegte Standort soll nach den Standards von Cylib und in enger Abstimmung mit den bayerischen Behörden wieder in Betrieb genommen werden. Das ist für das vierte Quartal dieses Jahres vorgesehen. Die industrielle Annahme von Recyclingmaterial steht unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigung.
In der Anlage sollen ausgediente E-Fahrzeug-Batterien künftig zu Schwarzmasse aufbereitet werden. Diese wird anschließend in der hydrometallurgischen Cylib-Anlage weiterverarbeitet, die derzeit in Dormagen in Nordrhein-Westfalen entsteht. Dort sollen daraus Lithium, Graphit, Nickel, Kobalt und Mangan zurückgewonnen werden.
Cylib verbindet damit die Aufbereitung der Altbatterien in Bayern mit der Rohstoffrückgewinnung in Dormagen. Co-CEO und Mitgründerin Lilian Schwich erklärt: „Mit der Übernahme in Bayern schließen wir die Lücke davor: Hier gewinnen wir künftig diese Schwarzmasse aus Altbatterien – im Industriemaßstab.“ In der Pilotanlage in Aachen habe das Unternehmen bereits die gesamte Prozesskette abgebildet.
„Batterieströme direkt an der Quelle sichern“
Der Standort liegt im Zentrum des deutschen Automobilgürtels und bietet Zugang zu großen Produktionsstandorten von Autoherstellern sowie zu Batterielieferketten in Süddeutschland und Mitteleuropa. Er bildet den ersten Knotenpunkt im Erfassungs- und Aufbereitungsnetzwerk von Cylib. Zugleich soll er Materialströme für die entstehende Anlage in Dormagen sichern.
Mit den zusätzlichen Verarbeitungskapazitäten will Cylib sein Angebot für Automobilhersteller, Tier-1-Zulieferer und Batteriehersteller erweitern. Co-CEO Schwich bezeichnet die Übernahme als weiteren Schritt auf dem langfristigen Wachstumspfad. „Diesen Standort verantwortungsvoll wieder in Betrieb zu nehmen, ist eine Aufgabe, der sich unser Team mit vollem Einsatz widmet.“
Die Volumina ausgedienter E-Fahrzeug-Batterien in Europa werden sich nach Angaben des „Global EV Outlook 2026“ der Internationalen Energieagentur zwischen 2030 und 2035 mehr als verdreifachen, unterstreicht Cylib. Gleichzeitig wachse die Nachfrage nach verantwortungsvollem Batterierecycling im Industriemaßstab schneller als die dafür notwendige Infrastruktur.
Cylib nutzt für den Ausbau einen bereits bestehenden Industriestandort. Die Ertüchtigung vorhandener Infrastruktur soll sowohl den ökologischen Fußabdruck der Skalierung als auch die Zeit bis zur Inbetriebnahme reduzieren. Durch die Verbindung der Standorte in Bayern und Dormagen sollen kritische Rohstoffe aus europäischen Altbatterien in europäischen Lieferketten gehalten werden. Der Hochlauf soll gemeinsam mit Behörden, Anlagenherstellern und Kunden erfolgen. Die volle Kapazität will man bis Ende 2027 erreichen.

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