Chinesische Hersteller drängen zunehmend erfolgreich mit Elektroautos und Plug-in-Hybriden in den Markt. Laut Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule, hat die Branche die aktuelle Entwicklung der Plug-in-Hybride von China-Marken vor zwei Jahren falsch eingeschätzt. Während Ende 2024 EU-Strafzölle für in der Volksrepublik gebaute E-Autos beschlossen wurden, blieben Teilzeitstromer mit Stecker von diesen Maßnahmen ausgenommen.
Dieses Schlupfloch entstand durch eine Unterschätzung dieser Technologie als bloße Brückentechnologie, sagte die Expertin im Interview mit dem Spiegel. Viele Verbraucher schätzten die Flexibilität, bei leerer Batterie auf den Verbrennungsmotor zurückgreifen zu können – besonders wenn keine Lademöglichkeiten zu Hause vorhanden seien. Chinesische Hersteller nutzten nun ihre massiven Überkapazitäten, um Fahrzeuge mit hoher Reichweite und günstigeren Preisen nach Europa und Deutschland zu exportieren.
Der aktuelle Marktanteilsgewinn von Marken der Volksrepublik wird maßgeblich durch einen Preiskampf ermöglicht, der von China nun auch nach Deutschland schwappt. So hat in der Sparte der Plug-in-Hybride der chinesische Hersteller BYD bereits den lange führenden VW Tiguan als meistverkauftes Modell abgelöst. Die deutsche Industrie sieht sich zudem mit einem verzerrten Wettbewerb konfrontiert, da China seine heimischen Unternehmen stark reguliert und subventioniert hat.
Zusätzlich zum Preisdruck besteht eine technologische Abhängigkeit von chinesischen Zulieferern, insbesondere im Bereich der Batterien. Um den langfristigen Rückgang der deutschen Automobilindustrie und den damit verbundenen Jobabbau aufzuhalten, könnten Wisbert zufolge neue Zölle auch für Plug-in-Hybride den „extremen Preiskampf“ begrenzen und die Marktanteilgewinne chinesischer Hersteller verlangsamen.
Der Branchenkennerin glaubt nicht, dass die Deutschen nach China nun auch in ihrem Heimatmarkt die Vormachtstellung verlieren. „Vieles spricht dafür, dass es sich teilweise um kurzfristige Effekte handelt“, meinte Wisbert. „Das zeigt sich etwa bei den deutschen Förderprogrammen, von denen ausgerechnet chinesische Hersteller überproportional profitieren. Wenn sich die Preise langfristig annähern, dürfte sich das Kräfteverhältnis wieder verschieben.“
Die wirtschaftliche Situation bleibt für die lange erfolgsverwöhnten deutschen Autohersteller angespannt, da die Gewinne aus dem lange für die Branche sehr lukrativen China-Geschäft massiv eingebrochen sind. Für die Industrie gilt laut Wisbert nun das Ziel, im weltgrößten Automarkt nicht noch mehr Boden zu verlieren. Sie glaubt: „Man muss realistisch bleiben. Es wird nie wieder so, wie es einmal war. Die Glanzzeiten sind vorbei.“

Futureman meint
Bei den steigenden Hybrid-Verkaufszahlen der Chinesen zeigt sich, wie schnell dort reagiert wird. Kaum gab es die Zölle auf E-Autos wurde das Modell sehr schnell auf die Hybrid-Autos ausgeweitet. Denn gerade in dem Bereich gehen die Verkaufszahlen in China zurück und die Hersteller freuen sich, in Europa ihre Resterampen los zu werden. Bei den Entwicklungszyklen in China sind Autos, wenn sie beim Kunden in Deutschland ankommen eigentlich schon wieder veraltet aber trotzdem meist moderner als die Modelle der deutschen Hersteller. Das Auto entwickelt sich halt immer mehr zu einem Elektronikprodukt.