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Studie: Höhere CO2-Steuern können Produktivität der grünen Wirtschaft steigern

24.08.2026 in Studien & Umfragen von Thomas Langenbucher | Kommentieren

Audi-Q4-e-tron-Windraeder

Bild: Audi (Symbolbild)

Höhere CO2-Steuern können nicht nur Emissionen senken, sondern auch die klimaneutrale Wirtschaft fördern. Indem sie emissionsintensive Produktion verteuern, lenken sie Beschäftigung in klimafreundliche Bereiche. Dort sammeln Beschäftigte Erfahrung und bauen Wissen im Umgang mit grünen Technologien auf, wodurch deren Produktivität langfristig steigt. Trotz knapper öffentlicher Kassen kann es deshalb sinnvoll sein, den Staat stärker als bisher gedacht über CO2-Steuern und weniger über Einkommensteuern zu finanzieren.

Das geht aus einer Modellanalyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von US-Daten hervor. Der zugrunde liegende Mechanismus lässt sich laut den Studienautoren auf andere Volkswirtschaften wie Deutschland übertragen. Hier gebe es zwar keine klassische CO2-Steuer, der CO2-Preis entsteht stattdessen über den Emissionshandel, also eine Mengensteuerung. Für die Lenkungswirkung entscheidend sei aber nicht die konkrete Ausgestaltung, sondern dass Emissionen einen Preis haben.

„Die Sorge, dass höhere CO2-Preise die Wirtschaft vor allem belasten, greift zu kurz. Wer nur die kurzfristigen Kosten der Klimapolitik im Blick hat, übersieht die Lernprozesse, die sie anstößt – und damit ihr Potenzial, die Wirtschaft langfristig zu stärken“, sagt Sonja Dobkowitz, Wissenschaftlerin in der Abteilung Makroökonomie im DIW Berlin. „Ein höherer CO2-Preis ist deshalb auch eine Investition in die Produktivität der Zukunft.“

„Höherer CO2-Preis lenkt Arbeit in die grüne Wirtschaft“

Viele Staaten stehen vor einer großen Herausforderung: Die öffentlichen Mittel sind knapp, gleichzeitig müssen sie die Wirtschaft ankurbeln und das vorgegebene Klimaziel erreichen. Das klingt nach einem Dilemma, lässt sich aber lösen, wie die Studie zeigt.

Einnahmen kann der Staat sowohl aus Einkommen- als auch CO2-Steuern generieren. Beide senken aber den Nettolohn und verringern damit die Anreize zu arbeiten. Die CO2-Steuer gilt dabei als weniger effiziente Einnahmequelle: Sie untergräbt nicht nur ihre eigene Grundlage, sondern auch die der Einkommensteuer: Je stärker sie den fossilen Verbrauch zurückdrängt, desto weniger bleibt zu besteuern. Zugleich verschiebt sie Arbeit in den heute noch weniger produktiven grünen Sektor, was den Lohn und damit auch das Arbeitseinkommen als zweite Steuerbasis senkt.

DIW
(Zum Vergrößern anklicken) Bild: DIW

Die Modellergebnisse zeigen aber laut den Analysten, dass die Lenkungswirkung einer CO2-Steuer diese Nachteile mehr als aufwiegt: Ein höherer CO2-Preis verschiebe Arbeit in klimafreundliche Bereiche. Weil Beschäftigte dort Erfahrung mit grünen Technologien sammeln, steige langfristig deren Produktivität. Die Modellergebnisse sprächen deshalb dafür, den CO2-Preis höher anzusetzen, als es allein aufgrund der sozialen Kosten der Emissionen geboten wäre.

CO2-Einnahmen sollten für niedrigere Einkommensteuern genutzt werden

Die zusätzlichen Einnahmen aus der CO2-Besteuerung sollten der Studie zufolge genutzt werden, um die Einkommensteuer zu senken. Das würde den Nettolohn erhöhen und somit die Arbeitsanreize stärken. So kann dem hemmenden Effekt der CO2-Steuer entgegengewirkt und der Wirtschaft ein weiterer Impuls gegeben werden.

Da das Modell von einem durchschnittlichen Haushalt ausgeht, kann es keine Verteilungswirkungen abbilden. Weil höhere CO2-Preise Haushalte mit niedrigen Einkommen relativ stärker belasten, müssten solche Haushalte gezielt entlastet werden. Wie dies konkret ausgestaltet werden sollte, war aber nicht Gegenstand der Untersuchung. Das verwendete Modell berücksichtigt zudem nicht die denkbaren Folgen höherer CO2-Preise wie Produktionsverlagerungen energieintensiver Industrien ins Ausland. Langfristig spreche die Steigerung der Produktivität aber für einen Wettbewerbsvorteil, erklären die Studienautoren.

Der aufgezeigte Mechanismus bleibe in jedem Fall gültig: Höhere CO2-Steuern würden helfen, die grüne Transformation kostengünstiger zu gestalten. „Ein niedriger CO2-Preis mag mit Blick auf die kurzfristige wirtschaftliche Entwicklung zwar bequem erscheinen, ist aber nicht kostenlos“, so Studienautorin Dobkowitz. „Mit ihm wird auf einen Teil des Wissens und der Produktivität verzichtet, die eine klimaneutrale Wirtschaft künftig tragen.“

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Via: DIW
Tags: Emissionen, Kosten, Nachhaltigkeit

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

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