Mercedes-Benz rückt bei seinen Elektroautos optisch näher an die konventionell angetriebenen Baureihen heran. Während frühe Stromer wie EQS und EQE bewusst eigenständig gestaltet wurden, sollen künftige Elektro- und Verbrennermodelle deutlich ähnlicher auftreten. Hintergrund ist laut CEO Ola Källenius, dass die Elektromobilität zunehmend im Massenmarkt ankommt.
„Mit den ersten Elektrofahrzeugen, die auf den Markt kamen, haben wir neue Käufer für die Marke gewonnen. Vielleicht haben sie Mercedes erst später im Leben schätzen gelernt“, so der Vorstandsvorsitzende in einem Interview mit Autocar. „Die traditionellen Mercedes-Kunden steigen nun ebenfalls ein. Aber wenn sie weiterhin einen Hightech-Verbrennungsmotor wünschen, können wir das bieten. Das ist kein Problem. Die Kunden entscheiden selbst, wann sie umsteigen möchten.“
Die vollelektrischen EQS und EQE sowie ihre SUV-Ableger folgen weiterhin einer eigenständigen, stark aerodynamisch geprägten Designsprache und heben sich damit klar von den Verbrennern S- und E-Klasse sowie GLS und GLE ab. Mit den neuen Elektro-Versionen von GLC und C-Klasse (Artikelbild) leitet Mercedes jedoch einen Strategiewechsel ein: Künftig soll sich die Wahl stärker auf den Antrieb konzentrieren, während das Fahrzeugkonzept und die Optik weitgehend übereinstimmen.
Mercedes setzt auf Architekturstrategie
Technisch bleibt die Trennung bestehen. Die EQS– und EQE-Limousinen sowie -SUVs basieren auf der Electric Vehicle Architecture 2 (EVA2). Der neue CLA nimmt eine Übergangsrolle ein: Der Mittelklassewagen löst sich bereits von der eigenständigen „One-Bow“-Optik von EQE und EQS und nähert sich mit klassischeren Proportionen wieder stärker der übrigen Mercedes-Modellpalette an. Zugleich ist er das erste Modell auf der Mercedes Modular Architecture (MMA), die primär für kompakte und mittelgroße Elektrofahrzeuge entwickelt wurde, aber auch Mildhybridantriebe ermöglicht.
Die rein elektrischen Varianten von GLC und C-Klasse nutzen dagegen die Mercedes-Benz Electric Architecture (MB.EA), während die Verbrenner-Versionen auf anderen Plattformen aufbauen. Für besonders leistungsorientierte Elektroautos hat Mercedes-AMG mit der AMG.EA zudem eine eigenständige Elektroauto-Architektur entwickelt. Auf ihr entstehen die ersten von Grund auf als elektrische AMG-Modelle entwickelten Fahrzeuge.
„Der Schlüssel liegt in einer durchdachten Architekturstrategie“, sagte Konzernchef Källenius. „Wenn jede Schraube und jede Mutter an jedem einzelnen dieser Fahrzeuge neu wäre, wäre das niemals zu schaffen. Verfügt man jedoch über eine modulare Strategie und eine Strategie für die Betriebssystemplattform – also das gesamte Gehirn und das zentrale Nervensystem des Fahrzeugs –, muss man nicht jedes Mal von Grund auf etwas Neues entwickeln.“
Während Källenius der Ansicht ist, dass die Branche auf dem Weg zur Elektrifizierung „die Wende geschafft“ habe, räumte er ein, dass „der Verbraucher noch nicht ganz so weit ist“. Der Mercedes-Boss erklärte, sein Unternehmen sei von seinem Endziel, ausschließlich Elektrofahrzeuge anzubieten, „nicht abgewichen“, habe aber auch sein Bekenntnis zu „hochmodernen elektrifizierten Verbrennungsmotoren“ nicht aufgegeben.

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