Die Bedeutung von sogenannten Range-Extender-Systemen nimmt in der Automobilindustrie zu. Laut führenden Zulieferern wird diese Antriebstechnologie angesichts unterschiedlicher Entwicklungsgeschwindigkeiten bei der Elektromobilität immer wichtiger. Faktoren wie die Ladeinfrastruktur, Rohstoffkosten und die Akzeptanz durch die Kunden beeinflussten die Einführung von Elektrofahrzeugen auf den globalen Märkten.
Technisch unterscheiden sich elektrische Fahrzeuge mit Range Extender („Reichweitenverlängerer“) und Plug-in-Hybride primär in der Funktion des Verbrennungsmotors. Bei EREV-Modellen (Extended-Range Electric Vehicle) treibt ausschließlich ein Elektromotor die Räder an, während der Benzinmotor lediglich bei Bedarf als Stromgenerator dient. Im Gegensatz dazu können bei Plug-in-Hybriden sowohl der Verbrennungsmotor als auch der Elektromotor die Räder mechanisch antreiben.
Diba Ilunga, Präsident von Magna Powertrain, erklärte gegenüber Automotive News Europe, dass Reichweitenverlängerer an Relevanz gewinnen, da die Elektrifizierung in verschiedenen Regionen, Fahrzeugsegmenten und Nutzungsszenarien unterschiedlich schnell voranschreite. Für große Zulieferer entstehe dadurch ein Bedarf an flexiblen Technologien. Diese sollen Automobilhersteller durch eine längere Übergangsphase begleiten, in der rein batterieelektrische Fahrzeuge, Hybride und Range-Extender-Elektrofahrzeuge nebeneinander existieren.
Teilzeit-Stromer gegen „Reichweitenangst“
Die Nachfrage nach Technologien sowohl für Plug-in-Hybride mit großer Reichweite als auch für elektrische Fahrzeuge mit Range-Extender-Technik steigt laut dem Bericht schnell an. Als wesentlicher Antrieb dafür gilt das Bestreben, „Reichweitenangst“ mit Stromern zu mindern, die Batteriekosten zu senken und Lücken in der Ladeinfrastruktur auszugleichen.
Otmar Scharrer, Senior Vice President bei ZF Friedrichshafen, wies gegenüber Automotive News darauf hin, dass sich die Ladeinfrastruktur, die Sicherheit der Energieversorgung, die Kundenakzeptanz, die Rohstoffkosten sowie regulatorische Rahmenbedingungen zwischen den Märkten deutlich unterschieden. Dennoch betonte er, dass die Zukunft elektrisch sei und das Wachstum batterieelektrischer Fahrzeuge anhalte.
„Reichweitenverlängerer tragen dazu bei, die Lücke zwischen den heutigen Kundenerwartungen und einer vollständig elektrischen Zukunft zu schließen, indem sie die Reichweitenangst verringern, kleinere und kostengünstigere Batteriepacks ermöglichen und die Abhängigkeit von einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur reduzieren“, so Scharrer von ZF.
Für Zulieferer bieten Range-Extender-Systeme die Möglichkeit, lukrative Aufträge für bestehende und neue Verbrenner- sowie Elektro-Komponenten zu erhalten. Zudem bieten sie traditionellen Motoren- und Komponentenherstellern eine Perspektive für die Zukunft angesichts des weltweiten Wandels weg von herkömmlichen Verbrennerfahrzeugen.

Futureman meint
Da das Wachstum der Schnelllader rasanter voran schreitet als der Anteil der Käufer von Range Extender Fahrzeugen, wird sich das „Problem“ wohl bald erledigt haben. Halt ein letzter Versuch noch irgendwie einen Ölwechsel-Modell zu verkaufen.
cbzac meint
Statt Plug-In-Hybriden hätte die Autoindustrie und vor allem die (Förder-)Politik schon immer auf EREVs setzen sollen. Leider wurden Plug-Ins statt dessen zum Greenwashing der Verbrenner genutzt.
Ich hatte selbst 2 PHEVs, aber versucht diese so elektrisch wie möglich zu bewegen. Daher weiß ich, dass diese Fahrzeuge falsch ausgelegt sind, denn die nach außen kommunizierten Fahrwerte sind immer die mit Verbrennungsanteil und die Ladegeschwindigkeit wurde meist sträflich vernachlässigt.
Jetzt brauchen wir dagegen die EREVs nicht mehr, weil es für alle Szenarien geeignete BEVs gibt.
David meint
Es handelt sich um nichts anderes als ein Verbrennerfahrzeug im Tarnmantel. In China ist das besonders lukrativ, weil es dort je nach Region Zulassungsbeschränkungen gibt und so ein Fahrzeug wird einem BEV gleichgestellt. Bei uns in Europa ist das nicht der Fall. Ich kann nur empfehlen, sich als Zulieferer nicht immer einen neuen Verbrenner-Strohhalm zum anklammern zu suchen.