Webasto hat im August am Standort Schierling in Bayern die Produktion des Hochleistungsbatteriesystems für den neuen vollelektrischen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé aufgenommen. Nach Angaben des Zulieferers umfasst der Auftrag sowohl die Modul- als auch die Packmontage. Damit übernimmt das Unternehmen einen wesentlichen Teil der Industrialisierung der von Mercedes-AMG entwickelten Hochvoltbatterie. Die Serienfertigung läuft auf hochautomatisierten Produktionslinien am deutschen Batteriestandort von Webasto.
Technisch ist das Batteriesystem auf hohe Lade- und Entladeleistungen ausgelegt. Mercedes-AMG setzt auf ein 800-Volt-System mit 2660 zylindrischen Zellen, die auf 18 Module verteilt sind. Die Akkus besitzen laut Hersteller eine NCMA-Kathode mit Nickel, Kobalt, Mangan und Aluminium sowie eine siliziumhaltige Anode. AMG nennt auf Zellebene eine gravimetrische Energiedichte von mehr als 298 Wh/kg. Das Batteriemanagementsystem ist nach Angaben der Mercedes-Sportwagentochter eine Eigenentwicklung.
Eine Besonderheit ist die direkte Zellkühlung: Ein elektrisch nichtleitendes Kühlmedium auf Ölbasis umströmt jede einzelne Rundzelle. Webasto muss dieses von Mercedes-AMG entwickelte Konzept in der Serienfertigung abbilden. Dafür werden unter anderem automatisierte Laser-Schweißverfahren und künstliche-Intelligenz-gestützte Prüfsysteme eingesetzt. Die direkte Temperierung soll insbesondere bei wiederholten hohen Leistungsanforderungen und beim Schnellladen eine gleichmäßige Zelltemperatur ermöglichen.
„Die hochautomatisierte Industrialisierung für das neue viertürige AMG GT Coupé ist ein bedeutender Schritt in unserer noch jungen Batteriegeschichte“, sagt Marco van der Weerd, global verantwortlich für das Batteriegeschäft bei Webasto. „Das Batteriesystem ist für Höchstleistung konzipiert, das komplexe Produktdesign stellt besonders hohe Anforderungen an Fertigungstechnologie und Qualität.“ Webasto nennt keine Produktionskapazität oder Stückzahl für den Auftrag.
Für die leistungsstärkeren Varianten GT 55 und GT 63 gibt Mercedes-AMG eine maximale Gleichstrom-Ladeleistung (DC) von mehr als 600 kW bei geeigneter Infrastruktur an. Unter den vom Hersteller definierten Bedingungen sollen dadurch in zehn Minuten mehr als 460 Kilometer WLTP-Reichweite nachgeladen werden können. Für den Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent nennt Mercedes-AMG elf Minuten. Die tatsächlich erreichbare Spitzenleistung hängt unter anderem von Ladepunkt, Batterietemperatur und Ladezustand ab. Entsprechend leistungsfähige öffentliche Ladepunkte sind bislang nicht flächendeckend verfügbar.
Der Auftrag verbindet zwei deutsche Produktionsstandorte für den elektrischen AMG-Antriebsstrang. Während Webasto die Batterie in Schierling fertigt, produziert Mercedes-Benz die Axial-Fluss-Motoren für den GT 4-Türer Coupé seit Juni 2026 in Berlin-Marienfelde. Im GT 55 und GT 63 kommen jeweils drei dieser für besonders dynamische E-Autos konzipierten Motoren zum Einsatz. Mercedes-AMG gibt für den GT 55 eine Leistung von 600 kW/816 PS und für den GT 63 eine Spitzenleistung von bis zu 860 kW/1169 PS bei AMG Launch Control und entsprechendem Batterieladezustand an. Inzwischen ist zudem das Einstiegsmodell GT 53 mit zwei permanenterregten Synchronmotoren sowie 400 kW/544 PS Systemleistung verfügbar.

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