Zulieferer Mahle verzeichnet nach eigenen Angaben großes Kundeninteresse an seinem neuen Range-Extender-System für batterieelektrische Trucks. Mit Nutzfahrzeugherstellern seien erste konkrete Projekte gestartet worden, um Prototypen zu bauen und Fahrzeuge zeitnah auf der Straße zu testen. Das System soll zusätzliche Reichweite und Flexibilität schaffen.
„Die positive Resonanz unserer Kunden zeigt, dass der Markt nach wirtschaftlichen und praktikablen Lösungen für die Elektrifizierung sucht“, sagt Mahle-CEO Arnd Franz. Im Straßengüterverkehr müssten Transportunternehmen ihre CO₂-Emissionen reduzieren und zugleich einen zuverlässigen und wirtschaftlichen Flottenbetrieb sicherstellen. Als Herausforderungen für den Hochlauf batterieelektrischer Lkw werden vor allem im Fernverkehr eine vielerorts noch unzureichende Ladeinfrastruktur sowie lange Ladezeiten zu hohen Preisen genannt. Mahle setzt hier auf einen Range Extender („Reichweitenverlängerer“), der bei Bedarf anspringt und die Reichweite eines batterieelektrischen Lkw erhöht.
Die kompakte Einheit vereint Generator, Verbrennungsmotor, Thermomanagement, Kraftstofftank, AdBlue-Tank und Abgasnachbehandlung. Sie lässt sich den Angaben zufolge in bestehende batterieelektrische Fahrzeugplattformen integrieren. Der Hochvoltgenerator erreicht 110 kW Dauerleistung und bis zu 130 kW Spitzenleistung. Durch eine neu entwickelte Ölkühlung liegt die Leistungsdichte bei mehr als 7 kW pro Kilogramm. Das integrierte Thermomanagement verfügt über 48 kW Hochtemperatur- und 15 kW Niedertemperaturkühlkapazität.
Der Range Extender ersetzt rund ein Drittel der ursprünglichen Batteriekapazität des Lkw. Dadurch kann die hintere Achslast um etwa 400 Kilogramm und das Fahrzeuggewicht um rund 600 Kilogramm reduziert werden. Ein batterieelektrischer Lkw erreicht mit dem System eine Gesamtreichweite von über 800 Kilometern. Rund 400 Kilometer davon können rein batterieelektrisch zurückgelegt werden, weitere 400 Kilometer ermöglicht der Range Extender.
Nahezu CO₂-neutraler Betrieb möglich
Gegenüber einem konventionellen Antrieb lassen sich die CO₂-Emissionen im realen Betrieb laut Mahle um mehr als 80 Prozent reduzieren. Beim Einsatz des erneuerbaren Kraftstoffs HVO100 sei ein nahezu CO₂-neutraler Betrieb möglich. Der Zulieferer entwickelt Verbrennungsmotoren für erneuerbare Energieträger wie Wasserstoff, Bioethanol, HVO100 und Bio-LNG weiter.
Verbrennungsmotoren sind weltweit, insbesondere in China und Europa, rückläufig, blieben jedoch in allen Regionen mit bedeutenden Volumina vertreten, erklärt Mahle. Im Nutzfahrzeugsektor bleibe die Nachfrage nach ihnen hoch. Für die bestehende Fahrzeugflotte sehe man bei erneuerbaren Kraftstoffen ein hohes Potenzial, CO₂-Emissionen schnell und in großem Maßstab zu reduzieren.
Mahle setzt sich für technologieoffene politische Rahmenbedingungen ein. Batterieelektrische Antriebe, Wasserstofftechnologien, erneuerbare Kraftstoffe und Range-Extender-Systeme sollten sich nach Auffassung des Unternehmens ergänzen. „Technologievielfalt ist kein Widerspruch zur Defossilierung, sondern ihre Voraussetzung“, so CEO Franz. Mahle fordert eine zeitnahe Überarbeitung der europäischen CO₂-Regulierung für schwere Nutzfahrzeuge, die die Marktrealitäten stärker berücksichtigt.


Ihre Meinung