Webasto plant den vollständigen Verkauf seiner Batteriesparte, berichtet die Automobilwoche. Zwei strategische Interessenten an dem globalen Geschäft einschließlich der Hochvoltbatterien befinden sich demnach in der Endphase der Gespräche und streben die Übernahme des gesamten Geschäftsbereichs an. Eine Entscheidung über den Käufer soll noch in diesem Jahr fallen. Im Zuge einer laufenden Restrukturierung beabsichtigt der angeschlagene Zulieferer zudem, Teile des Thermogeschäfts sowie seiner Rüstungsaktivitäten zu veräußern.
Der Ausstieg ist laut dem Bericht durch einen hohen Kapitalbedarf begründet, da die Nachfrage die verfügbaren Kapazitäten übersteigt. Die Batteriesparte erwirtschaftete im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro und verzeichnet ein durchschnittliches Wachstum von 25 Prozent. Für den Aufbau neuer Produktionskapazitäten könnten Investitionen von bis zu 100 Millionen Euro nötig sein, welche Webasto nicht allein finanzieren kann. Die Sparte schreibt derzeit noch rote Zahlen, was sich laut Geschäftsplan jedoch bis 2027 ändern soll.
Die potenziellen Käufer verfügen dem Bericht zufolge über ausreichend Eigenkapital sowie Industrialisierungskompetenz und Zugang zu Anwendungen außerhalb des Automobilsektors. Ein Verkauf würde es Webasto ermöglichen, den Finanzierungsbedarf für das Batteriegeschäft abzugeben und den Schuldenabbau mit dem Erlös zu beschleunigen. Restrukturierungsvorstand Johann Stohner erwartet einen signifikanten Kaufpreis und betonte dem Bericht zufolge: „Wir müssen keine Notverkäufe machen.“ Die Restrukturierung sei auch ohne Veräußerungen durchfinanziert, wobei die Liquidität über den Annahmen des Gutachtens vom Oktober 2025 liege.
Auch im Bereich der Thermotechnik werden neue Eigentümer oder Partner gesucht, insbesondere für das elektrische Hochvoltheizen mit einem Umsatz von etwa 50 Millionen Euro. Hier wird ein strategischer Partner angestrebt, der die Technologie skalieren und in größere Systeme integrieren kann. Hintergrund ist dem Bericht zufolge der Preisdruck bei Elektrofahrzeugen sowie ein Trend zu kostengünstigeren Lösungen, was weitere Investitionen in Innovationen erfordern würde.
Das gesamte Thermogeschäft mit Heiz- und Kühlsystemen erzielt einen Umsatz von über einer halben Milliarde Euro und ist den Angaben nach profitabel. Webasto bereitet für diesen Bereich eine rechtliche Verselbstständigung vor, um separate Finanzierungen oder Partnerschaften zu ermöglichen. Ein Verkaufszwang für die gesamte Sparte besteht laut Vorstand nicht.
