Seit Anfang September ist der automatisierte MAN Lion’s City 12 E auf der Münchner Linie 178 zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl unterwegs. Der zwölf Meter lange Elektro-Stadtbus wurde von MAN Truck & Bus und dem Technologiepartner ADASTEC automatisiert. Die Testfahrten finden im Forschungsprojekt MINGA statt, an dem unter anderem die Stadtwerke München und die Münchner Verkehrsgesellschaft beteiligt sind.
Der Bus wird derzeit von speziell geschulten Testfahrern von MAN und der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) begleitet. Während des gesamten Projekts befindet sich Sicherheitsfahrpersonal an Bord, das bei Bedarf unmittelbar die Fahrzeugführung übernehmen kann. In den kommenden Wochen werden Streckendaten gesammelt, die für einen zunehmend autonomen Betrieb benötigt werden.
„Mit den ersten Testfahrten auf der Linie haben wir die kontrollierte Umgebung unseres Werksgeländes verlassen und bringen unser System in den echten Stadtverkehr. Das ist ein enorm wichtiger Schritt hin zur automatisierten urbanen Mobilität“, sagt Barbaros Oktay, Head of Bus bei MAN Truck & Bus.
Für den autonomen Betrieb wird eine hochauflösende, präzise digitale Karte der Strecke erstellt. Der Bus erfasst seine Umgebung mit fünf LiDAR-Sensoren, sechs Radaren, acht Kameras und satellitengestützter Positionsbestimmung. ADASTEC integriert auf Basis dieser Daten unter anderem Ampeln, Zebrastreifen, Fahrspurverläufe und weitere relevante Merkmale in eine HD-Karte. Sie soll eine präzise Lokalisierung des E-Fahrzeugs entlang der Strecke ermöglichen.
Nach Abschluss dieser Arbeiten soll der Bus die Route eigenständig befahren und unter anderem selbst lenken, Gas geben, bremsen und blinken. Das Sicherheitsfahrpersonal bleibt weiterhin an Bord und überwacht die Systeme. Die Linie 178 umfasst unter anderem Hauptverkehrsachsen, Tempo-30-Zonen, Parkgebiete und Unterführungen. Nach Angaben von den Stadtwerken München (SWM) und MVG soll damit ein möglichst praxisnaher Testbetrieb ermöglicht werden.
Testbetrieb unter realen Bedingungen
Voraussichtlich ab November soll eine weitere Projektphase mit ausgewählten Testnutzern beginnen. Der Bus soll dann als zusätzliches Fahrzeug auf der bestehenden Linie 178 eingesetzt werden und einen späteren regulären Linienbetrieb unter möglichst realen Bedingungen simulieren. Die Mitfahrt ist zunächst im Rahmen einer geschlossenen Nutzergruppe vorgesehen. Das Fahrzeug verfügt über rund 30 Sitzplätze sowie einen Rollstuhl- beziehungsweise Kinderwagenplatz.
Vor den Fahrten im öffentlichen Straßenverkehr absolvierte der Elektrobus ein Testprogramm auf dem MAN-Gelände. Dabei wurden unter anderem die elektromagnetische Verträglichkeit und die Funktionen des automatisierten Fahrsystems von ADASTEC in verschiedenen definierten Szenarien geprüft. Voraussetzung war, dass das Sicherheitsfahrpersonal bei einem möglichen Systemfehler jederzeit eingreifen kann. Anschließend folgten die technischen Prüfungen durch den TÜV sowie weitere Genehmigungsverfahren. Das Kraftfahrt-Bundesamt erteilte die Betriebserlaubnis nach der AFGBV.
Interessierte können sich für eine Teilnahme an der geplanten Testphase registrieren. Über den konkreten Start der Mitfahrmöglichkeit will die MVG gesondert informieren. Die im MINGA-Projekt gewonnenen Erfahrungen sollen bei MAN direkt in die Weiterentwicklung künftiger Fahrzeuggenerationen einfließen. ADASTEC entwickelt dabei Softwarelösungen für automatisiertes Fahren auf SAE-Level 4 für Busse und Nutzfahrzeuge.
MINGA steht für „Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons“ und wird seit 2023 mit insgesamt 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft umgesetzt. Das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München führt das Konsortium. Untersucht werden unter anderem Fragen zu Technik, Regulierung, Wirtschaftlichkeit, Barrierefreiheit und Betrieb automatisierter und vernetzter Mobilitätslösungen. Das Bundesministerium für Verkehr fördert das Projekt bis Mitte 2027 mit rund 13 Millionen Euro.

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