Der Gebrauchtwagenmarkt erlebt einen strukturellen Wandel, da die steigende Nachfrage nach Elektroautos den Wert der Verbrenner belastet. Während früher Bedenken hinsichtlich Reichweite und Akkuzustand die Restwerte von E-Autos drückten, zeigt sich nun eine Trendwende. Seit März verzeichnen Stromer einen Boom auf Kosten der Verbrenner, was zu einem Anstieg der Bestände bei letzteren führt.
Experten warnen laut der Automobilwoche vor finanziellen Risiken für den Handel. Martin Weiss, Leiter der Fahrzeugbewertung bei der Deutschen Automobil Treuhand (DAT), weist gegenüber dem Branchenportal darauf hin, dass hohe Preise Kapital binden und die eingepreisten Restwerte teilweise nicht mehr erzielt werden können. „Hier schlummern einige Risiken“, so der Marktanalyst. Besonders betroffen seien Dieselmotoren, deren Nachfrage derzeit gering ist.
Die Zahlen verdeutlichen den Trend: Seit Jahresbeginn stiegen die Restwerte dreijähriger E-Autos dem Bericht zufolge von 50,9 auf 51,5 Prozent des Listenpreises. Im Gegensatz dazu sanken die Werte für Benziner von 60,9 auf 59,4 Prozent und bei Dieselmotoren von 60,4 auf 58 Prozent. Bei einigen Händlern verkaufen sich Elektroautos im Durchschnitt bereits vier Tage schneller als Verbrenner.
Die Problematik betrifft auch die Hersteller. Aus dem Volkswagen-Konzern ist laut der Automobilwoche zu hören, dass der Anstieg der E-Auto-Restwerte bei gleichzeitigem Sinken der Verbrenner-Werte schneller voranschreitet als geplant. Die Schweizer Großbank UBS sieht erhöhte Risiken und mahnt zur Vorsicht bei den Herstellerbanken, da Wertkorrekturen der Bestände möglich seien.
Auch Länder, in die traditionell ältere Gebrauchtwagen aus Deutschland abfließen, würden ihre Bestände elektrifizieren, warnt Maier im Gespräch mit der Automobilwoche. „Die Nachfrage nach gebrauchten Verbrennern aus Deutschland sinkt europaweit. Darunter werden die Restwerte von Verbrennern leiden.“
Ein Stellantis-Partner sieht in der aktuellen Insolvenzwelle bei Partnern ein Problem mit Leasingrückläufern und kritisiert dem Bericht zufolge, dass in der Vergangenheit für kurzfristiges Absatzwachstum „zu viel getrickst“ wurde. Das sei generell riskant und werde jetzt „brandgefährlich“. Einige Marktteilnehmer bleiben jedoch optimistisch. So betrachtet die Volkswagen-Finanzsparte VWFS die aktuellen Effekte als temporär. Sollten die Kraftstoffpreise spürbar sinken, könnten die Verbrenner wieder problemlos abfließen, glaubt Burkhard Weller, Chef der gleichnamigen Autohausgruppe.

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