Mercedes-Benz vollzieht eine strategische Kehrtwende bei seinem europäischen Schnellladenetz für Elektroautos. Der Premiumhersteller verkauft die Stromtankstellen an den französischen Schnellladeanbieter Electra. Damit endet die Umsetzung der Anfang 2023 angekündigten Pläne, ein eigenes globales Netzwerk aufzubauen.
Electra übernimmt laut dem Manager Magazin mit dem Kauf alle 47 europäischen Mercedes-Ladeparks, die insgesamt 374 Schnellladepunkte umfassen. Davon befinden sich 31 Standorte in Deutschland. Über den genauen Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Einem Quartalsbericht von Mercedes-Benz zufolge wurden für die „Veräußerung von Teilen des Schnellladenetzwerks“ Vermögenswerte in Höhe von 99 Millionen Euro umgegliedert. Dabei sind Sachanlagen von 73 Millionen Euro und Schulden von 21 Millionen Euro enthalten.
An den verkauften Ladestandorten findet ein optischer Wandel statt: Während die Mercedes-Logos bereits entfernt wurden, werden auch die Mercedes-Pylonen bis zum Ende des Jahres durch die neue Infrastruktur ersetzt. Für Kunden des Premiumautobauers bleibt der Zugang zu den Schnellladern nach dem Verkauf an Electra weitgehend unverändert. Die bisherigen Ladetarife sollen weiterhin zu bekannten Konditionen genutzt werden können, wobei das Angebot durch die Übernahme an weiteren Säulen wächst. Zudem soll die Reservierung von Ladepunkten möglich bleiben.
Die bisher aufgebauten Ladeparks in Nordamerika und China verbleiben im Besitz von Mercedes-Benz. Das Unternehmen prüfe jedoch die Ausrichtung des Ladenetzwerks in diesen Märkten fortlaufend, schreibt das Manager Magazin. Die Konzentration des Konzerns liege künftig verstärkt auf dem Kerngeschäft des Autobaus, was auch den Verkauf von Autohaus-Niederlassungen in Deutschland einschließe.
Electra plant derweil, seine Präsenz in Deutschland stark auszubauen. CEO Aurélien de Meaux beabsichtigt, im kommenden Jahr 200 Millionen Euro allein in den Markt zu investieren. Vor der Übernahme betrieb das Unternehmen in Deutschland 50 Ladespots, nach dem Zukauf sind es nun 81 Standorte. Das Ziel ist ein Wachstum auf 200 Standorte hierzulande. Insgesamt bietet der bereits in acht weiteren europäischen Ländern vertretene Anbieter aktuell mit insgesamt 800 Standorten rund 5000 Ladepunkte. Bis 2030 wird eine Erweiterung auf 15.000 Lademöglichkeiten angestrebt.
