Die neue EU-Emissionshandelssystem (ETS2) könnte eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen und gleichzeitig Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen unterstützen. Laut einer aktuellen Studie der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) könnten durch den Emissionshandel Einnahmen in Höhe von etwa 300 Milliarden Euro erzielt werden. Etwa 60 Milliarden Euro davon würden auf Deutschland entfallen.
T&E schlägt vor, dass 50 bis 75 Prozent dieser Einnahmen an einkommensschwache Haushalte zurückgegeben werden, um den Umstieg auf klimafreundliche Alternativen sozial gerecht zu gestalten. Um dies zu erreichen, fordert T&E eine gezielte Umverteilung der ETS2-Einnahmen. Ein Klima-Sozialfonds (KSF) wurde bereits von der EU eingerichtet, um ärmeren Haushalten zu helfen. T&E empfiehlt außerdem, dass die EU-Kommission Darlehen an Mitgliedstaaten vergibt, um sofort Maßnahmen zur CO2-Reduktion zu starten, noch bevor die ETS2-Einnahmen zur Verfügung stehen. Diese Darlehen könnten dann später mit den zukünftigen Einnahmen aus dem Emissionshandel zurückgezahlt werden.
T&E schlägt vor, dass die Hälfte der Einnahmen – rund 150 Milliarden Euro – zur Unterstützung von Geringverdienern genutzt wird. Dies könnte durch Angebote wie „Social Leasing“ für erschwingliche Elektroautos oder andere klimafreundliche Alternativen geschehen. Die andere Hälfte sollte in die Förderung grüner Infrastruktur investiert werden, beispielsweise den Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln und Ladeinfrastruktur.
„Historische Chance“
Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland, sagt, dass die ETS2-Einnahmen eine „historische Chance“ böten, den grünen und gerechten Umstieg zu beschleunigen. „Die neue Bundesregierung sollte mindestens die Hälfte der Einnahmen an Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen weitergeben“, so Bock. Der restliche Teil sollte in den Ausbau klimafreundlicher Infrastruktur fließen, um sowohl Klimaschutz als auch soziale Gerechtigkeit zu fördern.
Allerdings besteht die Gefahr, dass die CO2-Preise schwanken, was zu einer Belastung der Verbraucher führen könnte. T&E fordert eine Reform der EU-Marktstabilitätsreserve, um den CO2-Preis bei rund 55 Euro pro Tonne zu stabilisieren. Wenn politische Maßnahmen wie CO2-Flottengrenzwerte für Fahrzeuge auf EU-Ebene oder nationale Elektrifizierungsinitiativen verzögert werden, könnten die Preise weiter steigen, was für Haushalte eine zusätzliche finanzielle Belastung bedeutet.
„Deswegen sind ambitionierte europäische und nationale Klimaschutzmaßnahmen wichtig“, so die Umweltorganisation. „Die EU sollte Elektrifizierungsziele für große Flotten einführen, was ein immenses Potenzial zur Emissionsreduzierung bietet und somit die ETS2-Preise niedrig halten kann.“
Besonders Deutschland spielt eine zentrale Rolle im ETS2-System, da das Land für etwa ein Viertel der EU-Emissionen im Straßenverkehr und bei Gebäuden verantwortlich ist. T&E warnt, dass Deutschlands Klimapolitik maßgeblich den CO2-Preis in der gesamten EU beeinflussen könnte. Bock betont, dass Versäumnisse im Klimaschutz in Deutschland nicht nur dem Land selbst schaden, sondern auch die gesamte EU teuer zu stehen kommen könnten. „Deutschlands Versäumnisse bei den Klimazielen im Verkehrs- und Gebäudesektor kommen die ganze EU teuer zu stehen“, sagt Bock.

Rüdiger meint
Kein neuer, neuer Kommentar? Das Thema ist doch elementar.
South meint
Also Opa in der Regel möchte man sich informieren oder auch gerne mal andere Positionen hören, diskutieren, aber jemand der nur früher was alles besser rauskriegt, der sollte doch eher ins Altersheim…
Rüdiger meint
Ablass. Handel 4.0
F. K. Fast meint
Danke für den wertvollen, fundierten Beitrag mit der ausführlichen und klar verständlichen Erklärung.
Haubentaucher meint
Man sieht, du bist ein reflektierter Leser mit sozialer Kompetenz. Das ist heutzutage selten.
Mäx meint
Ragebait mehr ist es nicht.
Rüdiger meint
Öko. Sekt. E trifft es wohl besser.
Klar sind BEVs super, hab ja selber 8 Stück davon. Aber die Welt damit retten? *gg
nee, iss klar.
Mäx meint
Siehst du, danke für die Bestätigung.
Rüdiger meint
Okay, drehen wir das mal um. Angenommen wir haben in Europa eine Quote von 75% BEVs, wie und warum verändert sich das Klima?
Futureman meint
In China wird inzwischen jedes Jahr über 400GW (=400 AKW´s) an PV-Anlagen aufgebaut. Und „nur“ weil in Deutschland vor 25 Jahren jemand meinte, dass es sinnvoll ist, PV zu fördern (EEG). Dieses Gesetz wurde von vielen anderen Ländern kopiert und hat so für den Solarboom gesorgt.
Irgendjemand muss halt anfangen. Und zum Glück ist PV inkl. E-Auto inzwischen wirtschaftlicher als jeder andere individuelle Fortbewegungsmöglichkeit.
brainDotExe meint
Günstiger Strom schön und gut, ich habe nichts dagegen. Ich habe selbst viel PV.
Nur haben wir damit unterm Strich enorm die chinesische Wirtschaft gefördert, welche jetzt unsere Kernindustrie bedroht.
Mäx meint
Gehst du wählen?
Jeff Healey meint
„Nur haben wir damit unterm Strich enorm die chinesische Wirtschaft gefördert, welche jetzt unsere Kernindustrie bedroht.“
Unsere Solarindustrie nicht zu fördern, und zum Beispiel mit gesteuerten Kaufanreizen zu subventionieren, war die krasse Fehlentscheidung einer CDU-geführten Regierung, vor einigen Jahren.
China hat sich dann fortlaufend hier ungehindert das Know How und die Fertigungsmaschinen geholt und die deutsche PV Industrie mit Stückzahlen und ohne höhere Zölle an die Wand gedrückt. Das gleiche Schema könnte uns jetzt wieder drohen, mit dem politischen Pingpong-Spiel bei der Wärmewende: Die klar überlegene Technik, die Wärmepumpe, wird politisch motiviert kleingeredet (Stichwort „Technologie-Offenheit“). Das wird die deutsche WP-Industrie letzten Endes Kopf und Kragen kosten.
Andi EE meint
@brain
„Nur haben wir damit unterm Strich enorm die chinesische Wirtschaft gefördert, welche jetzt unsere Kernindustrie bedroht.“
Und das sagt ein Deutscher, die jahrzehnte lang vom Boom des Autoexports nach China profitiert hat. Die Chinesen könnten das exakt Gleiche auch sagen, jahrzehntelang haben wir die Deutsche Industrie ernährt, indem wir mit Deutschen Autos überschwemmt wurden. Ihr habt so abartig vom chinesischen Markt profitiert, dass du jetzt mit dem bisschen PV aus China kommst, ist so lächerlich.
Euch Deutschen würde ich etwas in der Grundschule vermitteln wollen, was fast allen zu fehlen scheint, … der Wechsel der Optik, wenn man etwas nur ansatzweise neutral und objektiv beurteilen möchte, muss man sich immer in die Optik des vermeintlichen Gegners versetzen. Wie könnte es wirken, wenn ich auf der Gegenseite wäre, wie würde ich dann die Welt sehen. Das scheint bei euch, so gering ausgeprägt zu sein, dass so Leute wie du brain und Rüdiger gar nicht gross auffallen, ihr seid einfach so.
Es gab doch in der Vergangenheit so ein krasses Gefälle, dass vor allem ihr von den Chinesen profitiert habt. 40% von der Autoindustrie dort die Produkte verkaufen könnte. Und jetzt tut ihr so, als würden euch die Chinesen ausnutzen.
Und beim CO2 kann man das auch beobachten, ihr tut so, als müsstet nur ihr machen. Die chinesische Industrie ist auf einem unglaublich guten Pfad, die Dekarbonisierung umzusetzen. Wir müssen doch dankbar sein, dass es im Land mit den meisten Verbrennern aller Art, es so gut vorwärts geht. Aber bei euch ist dann der Switch, die haben Erfolg mit dem elektrischen Pfad, also haben die von uns die Technologie geklaut. Dann wieder dieses Schiene, der Deutsche wird immer ausgenutzt, das ist diese lachhafte Optik von Leuten, die meinen am Deutschen wird die Welt genesen. Nein, die Technologie wird nicht von euch gepusht, das ist ein Irrtum / es ist die komplette Ignoranz was andere leisten.