Die ehrgeizigen Klimaziele der EU im Verkehrssektor stehen zunehmend unter Druck. Der Grund ist insbesondere auch ein drohender Mangel an kritischen Rohstoffen wie Kobalt, Lithium und Nickel, die essenziell für E-Fahrzeug-Batterien sind. Laut dem Portal Euractiv besteht die Gefahr, dass Europa im globalen Wettbewerb um Elektromobilität den Anschluss verliert.
Julia Poliscanova von der NGO Transport & Environment (T&E) kritisierte auf einer Euractiv-Veranstaltung, dass der politische Schwung seit Einführung des Critical Raw Materials Act nachgelassen habe. „Zwei Jahre später haben wir das Gesetz, aber ich denke, wir haben einen Teil des Eifers und der Ambition verloren“, sagte sie. Die Energiewende sei in allen Bereichen auf diese Mineralien angewiesen, weshalb strategischer und verantwortungsvoller Rohstoffabbau nötig sei.
Mark Mistry vom Industrieverband Nickel Institute wies darauf hin, dass die EU etwa bei Nickel auf absehbare Zeit nicht genügend Kapazitäten habe, um die steigende Nachfrage insbesondere für Batterien von Elektrofahrzeugen allein durch Bergbau oder Recycling innerhalb der Union zu decken. Er betonte die drei zentralen Säulen des Critical Raw Materials Act: verstärkter Bergbau, mehr Recycling und strategischere Importe.
„Wir haben in der Kommission nicht an Energie verloren“
Daniel Cios von der EU-Kommission entgegnete, dass die Behörde weiterhin intensiv an der Umsetzung arbeite. „Wir haben in der Kommission nicht an Energie verloren, wir sind genauso engagiert wie vorher oder sogar noch engagierter bei der harten Arbeit der Umsetzung des Gesetzes und der Auswahl der strategischen Projekte.“ Erste strategische Projekte erhielten dank des Gesetzes mehr Aufmerksamkeit und Investoreninteresse. Dies habe die Diskussion über Rohstoffprojekte deutlich verändert.
Julia Poliscanova von T&E lobte die strategischen Projekte als zentrale Errungenschaft des Gesetzes. Auch Kanada habe Interesse an diesem Modell gezeigt. Das beschleunigte Genehmigungsverfahren sei ein guter Kompromiss zwischen Tempo und Umweltschutz.
„Das macht unsere Batterieindustrie überlebensunfähig“
Benedetta Scuderi, italienische Grünen-Abgeordnete im Industrieausschuss des Europäischen Parlaments, betonte die Notwendigkeit einer ausgewogenen Strategie. Sie sprach sich dafür aus, den Sektor der Kreislaufwirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen, um einen Teil des Bedarfs an kritischen Rohstoffen durch Recycling zu decken. Gleichzeitig verwies sie auf die wirtschaftlichen Herausforderungen für Europas Batteriehersteller. Diese hätten Schwierigkeiten, mit Importen aus Drittstaaten wie China mitzuhalten, da dort die Produktionskosten etwa 50 Prozent niedriger seien. „Das macht unsere Batterieindustrie überlebensunfähig“, sagte sie.
Scuderi forderte eine umfassende Strategie, um die gesamte Wertschöpfungskette zu stärken. Ziel müsse sein, dass Verbraucher nicht mehr zahlen müssen für europäische Batterien, aber dennoch nachhaltige Produkte bevorzugen können.
Sara Matthieu, Grünen-Abgeordnete aus Belgien, sieht erste Erfolge. Bei Lithium könne Europa laut EU-Daten bei vollständiger Umsetzung geplanter Projekte 80 Prozent Selbstversorgung erreichen. Bei Kobalt und seltenen Erden sei das Bild jedoch gemischt. Sie plädierte dafür, auch die Nachfrageseite stärker in den Blick zu nehmen, etwa durch mehr Investitionen in öffentlichen Verkehr und geteilte Mobilität.
Abschließend thematisierten die Redner die geopolitischen Risiken. Der Draghi-Bericht und der Wettbewerbs-Kompass der Kommission unterstrichen Europas Abhängigkeit von Drittstaaten. Länder wie China und die USA seien durch frühzeitige Investitionen in Verarbeitung und Batterieproduktion im Vorteil. Mark Mistry vom Industrieverband Nickel Institute betonte: „Was wir sicherstellen müssen, ist, dass die Materialien, die wir in Europa auf den Markt bringen, auch hierbleiben.“

Didi meint
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Sebastian meint
Das gefällt mir so an der EU, da haut man einfach ein paar Dinge raus, hat aber von den basics weder Ahnung noch Zugriff.
hu.ms meint
Schreibe ich doch schon die ganze zeit:
Die chinesen haben einen landfristigen plan, die weltwirtschaft zu beherrschen.
Sie erkennen frühzeitig was wichtig wird und agieren entspechend konsequent.
Viele hier werden noch böse „vom hohen ross“ fallen.
Andi EE meint
Die denen du immer das Wort redest. 😁
Warnst du vor deinen eigenen Fehleinschätzungen / vor deinen Favoriten. 😁
Die Gesellschaft ist immer so gut wie seine Mitglieder / wird geprägt vom Lobbyismus der grossen Konzerne, von daher kannst du dir einfach ausmalen, wieso DE in den Schlüsselindustrien Digitalisierung und Elektrotechnik so aufgestellt ist, wie man es nun mal ist. Ich würde dir einfach mal empfehlen, nicht immer die zu verteidigen, die es nicht gut machen. Das bewirkt den Stillstand in der Wirtschaft. Leute wie du begreifen nicht, dass die Bestätigung des Schlechten die Falschen am Leben erhält und dementsprechend auch nichts vorwärts geht.
hu.ms meint
Meine „Fehleinschätzungen“ zu tesla haben sich bewarheitet: 2025 minus 30 %.
Ich habe keine favoriten, ich fahre ID.3 weil 2020 das BEV-angebot keine alternative für meine anforderungen ergab.
Und offensichtlich übersiehtst du ganz bewusst meine schon öfters geschriebenen kritik an div. deutschen herstellern.
Und zum thema elektrotechnik: sogar der tesla-fan Munroe gab zu, dass der neue VW e-motor 550 wesentlch besser als der in tesla verbauten ist. Erneuter beweis: tesla entwickelt nicht weiter und steckt bnei BEV fest.
Und die robo-cab-rechnung geht auch nicht auf, da für alle zur genehmigung anstehenden bereiche die daten der kundenfahrzeuge nicht ausreichen und teslaeigene autos alle strassen nochmal abfahren müssen.
Aktienkursprognose für 2026: 150 $
Anti-Brumm meint
Und immer wieder dieses Wertschöpfungsblabla. Ich kaufe lieber alle 10 Jahre eine chinesische Batterie (bevorzugt in einem europäischen Auto) und lade sie mit „europäischer Sonne“ als einen europäischen Verbrenner, für den ich 10 Jahre lang Öl importieren muss.
Jeff Healey meint
Wäre für unsere Industrie halt ganz gut gewesen, son bisschen eigene Wertschöpfung…
tutnichtszursache meint
Wir – die EU – haben kein Rohstoffproblem. Genauso wie vor 30 Jahren Industriejobs nach Asien oder andere günstige Länder verlagert wurden, wurde auch viele Minen geschlossen oder erst gar nicht nach Rohstoffen gesucht und heute will diese „schmutzigen“ Arbeiten im gesättigten Europa halt keiner mehr machen. Seltene Erden oder Nickel gibt es in Skandinavien, wir in Deutschland sitzen auf riesigen Lithium Vorkommen, aber egal ob im Erzgebirge – das heißt nicht umsonst so -, im Oberrheingraben oder im Norddeutschen Becken macht der Deutsche erstmal das was er am besten kann – meckern, protestieren und aussitzen – bloß alles so lassen wie es ist und nicht die Chance sehen, deshalb fällt dieses Land immer mehr zurück…
MrBlueEyes meint
Das eigentliche Problem ist doch, wenn die Europäer zu wenig Batterien bekommen, durch welchen Grund auch immer, bauen sie halt weiter Verbrenner… und die werden dann leider auch weiter gekauft werden… und bevor die EU die Europäische Autoindustrie tatsächlich kollabieren lässt, wird auch das Verbot der Neuzulassung fossiler Verbrenner ab 2035 gekippt… und dann hat der ganze Planet eh verloren…
Auch, und gerade, China wir der Klimawandel hart treffen… es macht Null Sinn, global gesehen, anderen Batterien und Rohstoffe zur Energiewende vorzuenthalten, weil dann wirklich ALLE verlieren…
Aber was weiß ich schon…
M. meint
Das chinesische System (in seiner Stabilität) basiert ja darauf, dass es den Chinesen immer besser gehen soll. Also immer mehr Wohlstand für immer mehr Chinesen.
Nicht wenige Stimmen sagen, dass das System irgendwann kippen muss, weil das irgendwann eben nicht mehr zu schaffen ist. Der Klimawandel ist da ein Aspekt, aber nicht der einzige.
Bei der KP weiß man das natürlich schon lange, was ja zu Projekten wie „neue Seidenstraße“ geführt hat – das ist ja breit bekannt
Ob der Plan aufgeht, hängt natürlich auch davon ab, wie andere Nationen auf die Weltherrschaftspläne Chinas reagieren werden.
Diedie meint
Den ersten Absatz unterschreibe ich, wollen wir es hoffen dass die EU die unnötige Selbstkasteiung in Form des Verbrenner Verbots kassiert. Wir machen uns ja weltweit zur Lachnummer. Hybrid-China lacht sich gerade ins Fäustchen. Nix gewonnen fürs Klima aber Autoindustrie pleite, toll gelaufen wie immer wenn die Sesselpupser von der EU eine tolle Idee haben.
hu.ms meint
Es gibt kein verbrennerverbot, auch nach 2035 können neue stinker zugelassen werden, wenn sie mit e-fuels betrieben werden.
Die eingefleischten petrol-heads können also weiterhin brum-brum machen – nur eben etwas teuerer.
Jeff Healey meint
Zwanzig Jahre zu spät. Aber immerhin ist man nun aktiv geworden. Man hätte einen großen Teil der Wertschöpfung frühzeitig in Europa haben können. Schade um die verpasste Chance.
Merlin meint
Das kommt davon, wenn alle nur billig, billig, billig wollen…jetzt ist das Gejammer groß!
M. meint
Ja, so ist das.
Erst ist der TV aus Nicht-Asien zu teuer, weil man ja zu jeder WM einen größeren braucht, dann ist der Job weg, mit dem man das Ding bezahlen wollte.
So ist das eben, wenn man nur von 12 bis Mittag denkt.
Kann man auch direkt auf Autohersteller-Mitarbeiter übertragen, die sich ihr Auto aus dem Ausland bestellen. Das mag kurzsichtig betrachtet durchaus Sinn zu machen (bessere Ausstattung, billiger, usw.), aber sägt auf lange Sicht an dem Ast, auf dem man sitzt.
Wir hatten auch mal Smartphone-Hersteller in Deutschland. Der letzte war, glaube ich, Gigaset. Kannte niemand, ich auch zu spät. Und verglichen mit dem Zeug von Samsung & Co. stimmte auch Preis/Leistung nicht, das muss man schon sagen. Hängt aber auch an den Stückzahlen. Wenn es niemand kauft, gibt es auch kein Geld für die Entwicklung des nächsten Modells.
David meint
Das ist sicher ein Thema, was man völlig zurecht schon angegangen ist. Trotzdem ist es kurzfristig kein Problem, denn man sieht ja, es wird geliefert und die Preise sind niedrig. Hier muss man auf jeden Fall Politik Leitplanken setzen, die es ermöglichen, mit Recycling und einheimischen Bodenschätzen einzugreifen, auch wenn die Preise höher sind. Genau das ist ein klassisches Thema, wo Politik gefragt ist. Denn es nutzt weniger den Unternehmen als dem Staat und damit uns allen, autarker zu werden.