Ein Bericht der Umweltforschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigt, dass europäische Autohersteller nur noch 9 Gramm CO₂ pro Kilometer von ihrem nächsten EU-Zielwert im Jahr 2027 entfernt sind. Gleichzeitig warnen die Analysten vor möglichen Rückschlägen in der Wettbewerbsfähigkeit der Branche, sollten Verzögerungen beim Übergang zur Elektromobilität auftreten.
Der Bericht erscheint im Vorfeld der Überprüfung der EU-CO₂-Vorgaben durch die Europäische Kommission, welche den Ausstieg aus dem Verkauf neuer, fossil betriebener Verbrennerfahrzeuge ab dem Jahr 2035 regelt. Die europäische Autoindustrie befindet sich seit dem Dieselskandal im Jahr 2015 im Wandel, vor allem auch in Richtung Elektromobilität. Der ICCT, der den Abgasskandal aufdeckte, zieht nun Bilanz: Die Elektrifizierung sei auf Kurs und gewinne weiter an Fahrt.
„Unser Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Umstellung auf Elektrofahrzeuge in Europa planmäßig verläuft und sich beschleunigt“, sagt Peter Mock, Direktor von ICCT Europe. „Die Automobilhersteller sind nur noch 9 Gramm von ihrem nächsten CO₂-Ziel für 2027 entfernt. Die bevorzugte Strategie, um dieses Ziel termingerecht zu erreichen, ist der Verkauf von mehr batterieelektrischen Autos, was nicht verwunderlich ist: Die Batteriekosten sinken rapide, die Ladeinfrastruktur wird ausgebaut und batterieelektrische Autos werden schneller als erwartet umweltfreundlicher.“
2015 lag die Produktion von Elektroautos in Europa laut dem ICCT bei rund 80.000 Fahrzeugen, Ende 2024 wurden bereits 2,35 Millionen produziert. Europa ist heute Nettoexporteur von Elektroautos und belegt weltweit den zweiten Platz in der Produktion. Im ersten Halbjahr 2025 erreichten vollelektrische Fahrzeuge einen Rekordmarktanteil von 17 Prozent.
Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr
„2015 wurde der europäische Automobilsektor noch von umweltschädlichen Fahrzeugen dominiert, die die öffentliche Gesundheit beeinträchtigten und die Klimaziele untergruben“, so Mock. „Heute haben wir trotz düsterer Schlagzeilen und des Drucks durch Quartalsergebnisse eine viel sauberere Industrie und einen Weg zu einem emissionsfreien Automobilsektor. Unser Bericht zeigt, dass sich die Automobilhersteller weniger Sorgen um das Erreichen der nächsten Ziele machen sollten, sondern vielmehr darum, weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Zögern der Politik und der Industrie kann nur das Vertrauen der Investoren und Verbraucher in den Wandel untergraben, während die chinesischen Automobilhersteller an Boden gewinnen. Jetzt kommt es darauf an, den Wandel ohne Verzögerungen oder Umwege auf Kurs zu halten.“
Ein zentrales Element der Entwicklung sind die EU-CO₂-Standards, die seit 2009 die Emissionen um 42 Prozent gesenkt haben. In Europa verkaufte Elektroautos stoßen dem ICCT zufolge über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg 73 Prozent weniger Treibhausgase aus als Benziner, einschließlich der Emissionen aus der Produktion. Auch wirtschaftlich sind sie attraktiv: Mit rund 7,43 Euro pro 100 Kilometer sind sie laut den Studienautoren günstiger als Diesel- oder Benzinfahrzeuge.
Ein häufiger Kritikpunkt ist der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Doch dem Bericht zufolge schreitet dieser schneller voran als erforderlich. „Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass der öffentliche Ausbau im Allgemeinen ausreichend schnell erfolgt“, erklärt Marie Rajon Bernard, leitende ICCT-Forscherin. Seit 2020 habe sich die Zahl öffentlicher Ladepunkte jährlich um über 45 Prozent erhöht und im Juli 2025 die Marke von 1 Million erreicht. Damit übertreffe das Wachstum deutlich die bis 2035 benötigte jährliche Steigerung von 14 Prozent.
Mit Blick auf die Zukunft betonen die Studienautoren, wie wichtig es sei, eine lokale europäische Batterieindustrie zu sichern, um auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Zwar würden bereits fast die Hälfte aller in Europa hergestellten Elektrofahrzeuge mit im Inland produzierten Batterien ausgestattet, doch biete die steigende Nachfrage nach Batterien ein großes ungenutztes Potenzial für industrielles Wachstum.

Jeff Healey meint
„Gleichzeitig warnen die Analysten vor möglichen Rückschlägen in der Wettbewerbsfähigkeit der Branche, sollten Verzögerungen beim Übergang zur Elektromobilität auftreten.“
Just im Moment läuft eine regelrechte Kampagne der CDU/CSU gegen das „Verbrenner-Verbot 2035“.
Die deutsche Autoindustrie bleibt absehbar noch ziemlich lange am Verbrenner kleben.
Zu lange?
Ich fürchte es.