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ICCT-Studie: Plug-in-Hybride in Europa stoßen fünfmal mehr CO₂ aus als offiziell angegeben

03.06.2026 in Studien & Umfragen, Technik von Thomas Langenbucher | Kommentieren

Mercedes-SUV

Bild: Mercedes‑Benz

Eine Studie der gemeinnützigen Forschungsgruppe International Council on Clean Transportation (ICCT) kommt zu dem Ergebnis, dass Plug-in-Hybride in Europa im Durchschnitt fünfmal mehr Kohlenstoffdioxid (CO₂) ausstoßen als die offiziellen Werte ausweisen. Die Differenz zwischen realen und offiziellen Emissionswerten nahm von 2021 bis 2023 weiter zu. Als Ursache nennt die Untersuchung eine Überschätzung der Häufigkeit, mit der diese Fahrzeuge im Elektrobetrieb genutzt werden.

Plug-in-Hybride machten der Auswertung nach 2025 rund 9 Prozent der Neuwagenverkäufe in Europa aus. Die Fahrzeuge können zwischen einem rein batterieelektrischen Antrieb und einem Diesel- oder Benzinmotor wechseln. Mehrere Berichte haben die Verlässlichkeit der offiziellen Angaben zu Kraftstoffverbrauch und CO₂-Emissionen bereits infrage gestellt.

„Plug-in-Hybride verbrauchen auf der Straße deutlich mehr Kraftstoff, als die offiziellen Zahlen vermuten lassen“, sagt ICCT-Forscherin Sonsoles Díaz. Die Studie bestätige frühere, auch von der Organisation selbst ermittelte Ergebnisse. Ohne regulatorische Anpassungen würden Hersteller weiterhin Emissionen melden, die deutlich unter den tatsächlichen Werten im Fahrbetrieb lägen.

Die Europäische Kommission reagierte 2025 mit einer Änderung des sogenannten „Utility Factor“, um realitätsnähere Berechnungen zu ermöglichen. Für 2027 ist eine weitere Anpassung vorgesehen. Gleichzeitig werden die CO₂-Minderungsziele für Pkw im Europäischen Parlament überprüft. Ein früher Entwurf sieht vor, künftige Korrekturen bei den CO₂-Werten von Plug-in-Hybriden auszusetzen.

Neuere Modelle emittierten mehr

Peter Mock, Direktor von ICCT Europe, sagt, dass selbst nach der Anpassung von 2025 die Emissionen im Straßenverkehr nicht korrekt abgebildet würden. Zudem zeige sich ein besorgniserregender Trend: Neuere Modelle emittierten nicht weniger, sondern mehr. Angaben der Hersteller über eine stärkere Nutzung des Elektromodus stünden nicht im Einklang mit den beobachteten Werten.

Über alle Hersteller hinweg stieg die durchschnittliche Abweichung zwischen realen und offiziellen Emissionswerten von 265 Prozent im Jahr 2021 auf 400 Prozent im Jahr 2023. Mercedes, zwischen 2021 und 2023 der größte Verkäufer von Plug-in-Hybriden, verzeichnete die größte Differenz. Diese lag im Durchschnitt bei 452 Prozent und stieg von 329 Prozent im Jahr 2021 auf 614 Prozent im Jahr 2023.

Die Untersuchung hebt hervor, dass die wachsende Diskrepanz zwischen realen und offiziellen CO₂-Werten bei Plug-in-Hybriden deutlich größer ist als bei anderen Antriebsarten. Nach Berechnungen des ICCT entspricht dies rund 100 Megatonnen CO₂ aus Neuzulassungen zwischen 2021 und 2025. Diese Emissionen wurden bei den CO₂-Reduktionszielen der EU für Automobilhersteller nicht berücksichtigt.

Analysiert wurden vom ICCT rund acht Millionen Fahrzeuge, darunter Benziner, Diesel sowie verschiedene Hybridvarianten. Abweichungen zwischen offiziellen und realen Emissionen wurden bei allen Fahrzeugtypen festgestellt. Während die Differenz bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor einschließlich Voll- und Mildhybriden im Durchschnitt etwa 20 Prozent beträgt, lag sie bei 2023 zugelassenen Plug-in-Hybriden bei rund 400 Prozent.

Differenz „erschreckend hoch“

Jan Dornoff, Forschungsleiter beim ICCT und Mitautor der Studie, bezeichnet die Differenz bei Plug-in-Hybriden als „erschreckend hoch“. Gleichzeitig verweist er darauf, dass auch die Abweichung bei konventionellen Fahrzeugen mit etwa 20 Prozent erheblich sei. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor seien in den vergangenen Jahren keine nennenswerten Rückgänge der realen CO₂-Emissionen festgestellt worden.

Zwischen 2018 und 2023 sanken die offiziellen durchschnittlichen CO₂-Werte neuer Pkw laut dem ICCT um 28 Prozent, während die realen Emissionen lediglich um 15 Prozent zurückgingen. Den größten Beitrag zu diesem Rückgang leisteten batterieelektrische Fahrzeuge. Die realen Emissionen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor verringerten sich im selben Zeitraum durchschnittlich nur um 1 Prozent, was nach den vorliegenden Daten keine realen Effizienzverbesserungen erkennen lässt.

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Via: ICCT (ENG)
Tags: Emissionen, ICCT, NachhaltigkeitAntrieb: Hybridfahrzeuge

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

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