Chinesische Elektro-Lkw drängen nach Europa und folgen damit dem Weg chinesischer Elektroautos. Sie könnten den Markt durch bessere Technologie und niedrigere Preise erheblich verändern. Reuters identifizierte mehr als ein halbes Dutzend Hersteller, die den europäischen Markt erobern wollen, darunter der E-Fahrzeug-Riese BYD, die Geely-Tochter Farizon, Chinas meistverkaufte Elektro-Lkw-Marke Sany, Sinotruk sowie die Start-ups Windrose und SuperPanther.
Die neuen Anbieter planen, ihre Lkw bis zu 30 Prozent unter dem europäischen Durchschnittspreis von 320.000 Euro anzubieten, berichteten Manager von chinesischen und europäischen Herstellern. Die Kostenvorteile ergeben sich aus der größeren Produktionsmenge in China, wo Null-Emissions-Lkw 29 Prozent des Marktes ausmachen, sowie aus der günstigeren Lieferkette für Elektrofahrzeuge und Batterien.
Elektrische Lkw machten 2025 in der EU 4,2 Prozent der Gesamtverkäufe aus, nach 2,3 Prozent 2024. Das Wachstum wird durch hohe Preise gebremst, die Branchenexperten zufolge etwa dreimal so hoch sind wie die durchschnittlichen 100.000 Euro für Diesel-Lkw.
Europäische Fuhrparkmanager zeigen starke Markentreue, was europäischen Herstellern wie Daimler Trucks, Volvo Group, Iveco und der Volkswagen-Tochter Traton, die MAN und Scania besitzt, zugutekommt. Diese dominieren den europäischen Markt und kontrollieren große Anteile des weltweiten Marktes außerhalb Chinas. Dennoch sind die Fuhrparkbetreiber kostenbewusst, was die Sorge europäischer Hersteller verstärkt, dass chinesische Konkurrenten schnell Marktanteile gewinnen könnten.
„Wir haben ein oder zwei Jahre, um dem zuvorzukommen“
„Wir haben ein oder zwei Jahre, um dem zuvorzukommen“, sagte Chris Heron, Generalsekretär des Verbandes E-Mobility Europe, im Gespräch mit Reuters. „Oder die Chinesen werden uns den Rang ablaufen.“ Volvo-CEO Martin Lundstedt erklärte: „Die chinesischen Konkurrenten sind schnell, innovativ, entschlossen und engagiert. Volle Anerkennung – und das Rennen läuft.“
Hinter den Kulissen drängen Branchenverbände laut dem Bericht die Europäische Kommission zu Maßnahmen, die die Nachfrage nach Elektro-Lkw steigern sollen, bevor chinesische Marken Fuß fassen. Sie fordern unter anderem niedrigere Mautgebühren und Null-Emissions-Vorgaben für große Fuhrparks. Thomas Fabian vom Verband ACEA: „Wir brauchen eine signifikante Beschleunigung der ZET-Einführung in Europa.“ Auch europäische Umweltorganisationen wie Transport & Environment (T&E) unterstützen diese Initiativen.
Die EU-Kommission schlägt vor, die CO2-Emissionsstandards für 2030 zu lockern und Maßnahmen zur Förderung von Elektrofahrzeugen umzusetzen, darunter niedrigere Mautgebühren. Zudem erwägt sie, Subventionen an europäische Produktion zu koppeln und schrittweise eine Flottenelektrifizierung vorzuschreiben. Die Niederlande haben im Januar ein großzügiges Subventionsprogramm in Höhe von 95 Millionen Dollar aufgelegt, das innerhalb eines Tages überzeichnet war. „Das zeigt, dass es auch um den Preis geht“, sagte Stef Cornelis von T&E gegenüber Reuters.
Die Entwicklung von Lkw in Europa dauert traditionell sieben Jahre, weshalb viele europäische Hersteller damit rechneten, dass chinesische Hersteller länger brauchen würden. „Die Geschwindigkeit, mit der die Chinesen mit großartigen Produkten aufgetaucht sind, hat alle überrascht“, sagte Branchenexperte Phil Dunne zu Reuters. So konnte das Start-up Windrose ihr Modell Global E700 in nur drei Jahren entwickeln und für China, Europa und die USA zulassen.
Um europäische Kunden zu überzeugen, setzen chinesische Hersteller auf lokale Montage und Service. SuperPanther und Sany arbeiten mit dem deutschen Netzwerk Alltrucks zusammen, BYD produziert in Ungarn, und Steyr Automotive baut SuperPanther-Lkw in Österreich. Scania investierte zwei Milliarden Euro in ein Werk in der Nähe von Shanghai und stellte R&D-Personal ein, um sich gegen chinesische Konkurrenz zu behaupten. „Das ist ihr größter Vorteil… wie sie schnell von Innovation zur industriellen Produktion skalieren“, so Levin von Scania.


Steffen meint
Ein weiterer Sargnagel für H2-LKW…
R2D2 meint
Also bei Bagger ist Sany schon längst gut bekannt. Die gehen einfach nicht kaputt und wenn doch mal ein Schlauch platzt? nicht wegen dem Schlauch, sondern weil der Anwender hat schrammen lassen, kommt die örtliche Mobilwirtstatt aus Ochsenhausen, Butzehude oder sonstwo. Firmen die das eh schon seit 60 Jahren machen.
WENN das beim truck auch so ist… dann super.
M. meint
Irgendwie hast du es versäumt, in diesem Beitrag Kritik am „Elektrotrucker“ unterzubringen.
Hat Sany dich derart besänftigt, weil die auch Bagger bauen?
Future meint
Sany ist die Nummer 1 in China bei den Elektrotrucks. Umso besser, dass die Leute Sany auch in Europa schon kennen und schätzen. Das hilft natürlich auch beim Start der Trucks. Vertrauen ist ein wichtiger Aspekt.
Haubentaucher meint
Das wird Zeit und mischt die alten hoffentlich richtig auf.
Jensen meint
Das dürfte spannend werden, was das mit dem LKW-Markt macht. Da werden vermutlich „vollkommen unerwartet“ die Marktpreise der etablierten Hersteller fallen.