Die europäische Automobilindustrie könnte laut einer Studie des Wiener Supply Chain Intelligence Institute Austria vor gravierenden Engpässen bei Halbleitern und Batteriezellen stehen, sollte sich der Iran-Konflikt über mehr als zwei Monate hinziehen. Der Krieg verschärft die Risiken für globale Industrien, die bereits mit steigenden Energiekosten zu kämpfen haben.
Besonders die Automobilbranche gilt als anfällig, wobei die Studie vor „unverhältnismäßig schweren Folgen“ bei anhaltenden Störungen warnt, berichtet Automotive News. Studienautor und Institutsleiter Peter Klimek betont gegenüber dem Branchenportal die zeitliche Dimension der Krise: „Wenn der Konflikt zwei Monate oder länger dauert, wird es kritisch.“ Zu den Risiken zählen Preisschocks bei Energie, Transport und Rohstoffen sowie mögliche Engpässe bei Chips und Batteriezellen für Elektrofahrzeuge.
Ein zentraler Faktor ist die faktische Blockade der Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verlaufen. Seit Beginn der Kampfhandlungen sind die Preise für Öl und Gas deutlich gestiegen. Klimek warnt: „Eine anhaltende Blockade würde nicht nur die Energiemärkte treffen, sondern auch zahlreiche globale Lieferketten unter Druck setzen.“
Für Automobilhersteller, die bereits unter steigenden Kosten für Energie und Containerlogistik leiden, rückt die Versorgung mit Halbleitern und Batteriezellen zunehmend in den Fokus. Besonders kritisch ist die Abhängigkeit von Edelgasen, die für die Chipproduktion notwendig sind. Ein erheblicher Anteil stammt aus der betroffenen Region, darunter etwa ein Drittel des weltweit benötigten Heliums aus Katar.
Zusätzlichen Druck erzeugt die hohe Nachfrage nach Speicherchips infolge des Booms künstlicher Intelligenz. Produktionsausfälle durch Rohstoffengpässe könnten ähnliche Versorgungsprobleme auslösen wie während der Pandemie. Im Falle eines Chipmangels wäre die Autoindustrie besonders betroffen, da andere Sektoren wie medizinische Anwendungen Vorrang erhalten würden.
Entscheidend bleibt die Dauer des Konflikts. Bislang haben sich Automobilhersteller und Zulieferer mit detaillierten Folgenabschätzungen zurückgehalten. Grundsätzlich zeigt die Studie strukturelle Schwächen in den Lieferketten auf. Trotz früherer Krisen wie der Pandemie gebe es kaum Anzeichen für eine stärkere Resilienz bei strategisch wichtigen Produkten – im Gegenteil, Kostendruck habe die Situation eher verschärft.
Besonders exponiert gegenüber den Handelsströmen aus der Region sind der Studie zufolge asiatische Volkswirtschaften. Länder wie Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Kuwait exportieren demnach jährlich Waren und Rohstoffe im Wert von rund 1,2 Billionen US-Dollar, davon etwa 800 Milliarden im Bereich Öl und Gas. Größter Abnehmer ist China, gefolgt von Indien, Japan und Südkorea. Die Europäische Union importiert Waren im Wert von 47 Milliarden US-Dollar, davon entfallen etwa 5,7 Milliarden auf Deutschland.

R2D2 meint
Welche Lieferketten haben wir dann aus dem Iran bitte? Facharbeiter? Chirugen? Welche Bauteile für welche Autos kommen bitte von von dort? Alles an Öl und Gas von dort geht nach Asien. Absolut garnichts von dort kommt nach Europa…
M. meint
Computerchips. Oder Microcontroller, damit es nicht so eng ist.
Ja, die kommen aus Korea und Taiwan, aber für die Produktion braucht man u.a. Helium.
Und wo kommt das Helium her?
Bingo.
Das nur als Beispiel.
David meint
Ich kann mir einen Hersteller mit Produktion in der Nähe von Berlin vorstellen, der vielleicht diesen Vorwand nutzt…
RudiFaehrtTesla meint
Also ich wüsste nicht, dass VW in der Nähe von Berlin produziert.
Future meint
Es ist ja jetzt bereits so, dass die Kunden von bestimmten Herstellern bis zu 1,5 Jahre auf die Lieferung ihrer Elektroautos warten müssen. Die neuen geopolitischen Konflikte zeigen, wie sensibel die globalem Lieferketten immer noch sind und was das für die Lieferzeiten bedeutet. Einen Kostenvorteil haben Hersteller, die weniger abhängig sind von ihren Lieferanten. Das wichtigste Bauteil sind die Zellen, die bei den meisten Herstellern zugeliefert werden müssen aus Asien. Jetzt habe ich heute gelesen, dass Tesla es endlich geschafft hat, eines seiner ehrgeizigsten Projekte voranzutreiben: die Trockenbeschichtung von 4680er-Zellen mit NMC-Chemie – ein Fortschritt, der bereits in der Großproduktion umgesetzt wird und zu einer erhebliche Senkung der Herstellungskosten führt (Quelle: forococheselectricos, 24.03.2025). Natürlich sinkt damit auch die geopolitische Abhängigkeit, wenn man das eben selber beherrscht.
brainDotExe meint
„Das wichtigste Bauteil sind die Zellen, die bei den meisten Herstellern zugeliefert werden müssen aus Asien.“
Dann bist nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Zellen werden heute in der Regel in der Nähe der Automobilwerke gefertigt. In Deutschland hat CATL beispielsweise ein großes Werk, da werden keine Zellen aus Asien zugeliefert.
Future meint
Das ist natürlich sehr gut, dass es immer mehr Zellproduktion in Europa gibt. Aber die Rohstoffe und die Kathodenmaterialien sollen ja immer noch zum großen Teil aus Asien zugeliefert werden. Aber ich bin zuversichtlich, dass die vielen geopolitischen Verwerfungen auch hier zu ganz neuen Lieferwegen führen werden.
brainDotExe meint
Die Rohstoffe gibt es aber auch an anderen Orten. BMW bezieht das Lithium un Kobalt für die Akkuzellen zum Beispiel aus Australien und Marokko.
Couch Kartoffel meint
Wo musst du auf Elektroautos warten. Weder beim Hyundai Händler noch bei GWM mit Ora musst du auf BEVs warten. Hingehen und gleich mitnehmen.
brainDotExe meint
Ja gut, die weniger gefragten Modelle sind gut verfügbar. Das sieht aber bei den gefragten Modellen anders aus, da musst du aktuell schonmal 6+ Monate warten.
M. meint
Na, dann warten wir mal ab, wann Tesla seine Bestellungen bei den Lieferanten abmeldet.
Das sind die Fakten, die es braucht, sonst nichts.
Couch Kartoffel meint
Immer diese nicht diversifizierten Lieferketten. Kommt halt von der Auslagerung ins Ferne Ausland anstatt lokal in Europa zu produzieren…..
Mike meint
Managementversagen, würde ich sagen. Wer nach Corona nichts gelernt hat, sollte den Hut nehmen.