Der britische Geländewagenhersteller Ineos will neue Baureihen anders als sein Erstlingswerk Grenadier nicht mehr von Grund auf selbst entwickeln. Der als SUV und inzwischen auch als Pick-up erhältliche Verbrenner mit Fokus auf Offroad und Praktikabilität hat der jungen Marke viel abverlangt. Deshalb sucht man sich für das 2024 angekündigte kompaktere SUV mit Elektroantrieb einen Technikpartner.
Man werde den verschobenen, anders als ursprünglich geplant nicht rein elektrischen kommenden Fusilier „voraussichtlich bis 2028“ auf den Markt bringen. Das sagte kürzlich CEO Lynn Calder laut Autocar bei einer Veranstaltung zur Zukunft der Automobilindustrie. Nach dem Fusilier seien zwei weitere Modelle geplant, fügte sie hinzu. Die neuen Baureihen sollen nicht auf dem 2022 eingeführten Grenadier aufbauen.
Der Grenadier kam 2022 auf den Markt. Er soll die Lücke im Markt für robuste Geländewagen füllen, die durch das Auslaufen des ursprünglichen Land Rover Defender entstanden ist. „Wir entwickeln keine anderen Autos von Grund auf neu, so wie wir es beim Grenadier getan haben“, verkündete nun CEO Calder. „Für uns geht es nun um den Austausch von Technologien, und sobald wir das geregelt haben, werden wir in der Lage sein, in kürzerer Zeit mehr Modelle auf den Markt zu bringen.“
Die Managerin bestätigte, dass das Unternehmen ein unter dem Grenadier positioniertes Allradmodell plant. Mit welchen Partnern Ineos dafür kooperiert, wollte sie nicht sagen. Laut dem Bericht hat man aber mit dem chinesischen Fahrzeugkonzern Chery über den Einsatz dessen Range-Extender-Plattform gesprochen. Range-Extender-Elektroautos haben einen kompakten Verbrennungsmotor ohne Verbindung zu den Rädern an Bord, der als Stromgenerator für die Antriebsbatterie agiert.
Eigentlich sollte der Fusilier als Elektroauto kommen, davon ist man aber wegen der schwächelnden Nachfrage nach Vollstromern auf Abstand gegangen. „Es ist eine Technologie, die uns die regulatorischen Vorteile verschafft, ohne unseren Kunden Unannehmlichkeiten zu bereiten, sodass wir weiterhin die Autos verkaufen können, die sie tatsächlich kaufen möchten“, so Calder zur in China zunehmend eingesetzten Range-Extender-Technologie.
Mit Blick auf die bisherigen Herausforderungen der 2017 ins Leben gerufenen Marke räumte die Chefin ein: „Es war millionenmal schwieriger, als ich erwartet hatte. Aber ich habe gelernt, dass man nichts planen kann; man muss einfach extrem flexibel sein.“ Das Unternehmen sei nun auf einem besseren Weg, nachdem die Bestellungen im ersten Quartal um 20 Prozent zugenommen hätten. „Das ist angesichts der recht schwierigen Marktlage ein ziemlich gutes Gefühl“, so Calder. „Es fühlt sich so an, als wären wir jetzt auf dem richtigen Weg, mit dem richtigen Auto in den richtigen Märkten.“
Ineos hat eigenen Angaben zufolge seit dem Start der Produktion im Jahr rund 35.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Der größte Markt für den knapp 4,9 Meter langen Grenadier und dessen Doppelkabinen-Pick-up-Variante Quartermaster (ca. 5,5 m) sind die USA mit 65 Prozent Anteil am Absatz. Welche Wachstumsziele man mit dem 4,5 Meter langen neuen Fusilier verfolgt, konkretisiert das Unternehmen nicht.

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