Die globale Elektromobilität steht laut der Unternehmensberatung BearingPoint an einem kritischen Wendepunkt. Batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) gewinnen demnach weltweit deutlich an Attraktivität, auch getrieben durch steigende Kraftstoffpreise und ein deutlich breiteres Modellangebot. Doch ob der Sprung in den Massenmarkt gelinge, entscheide sich nicht allein an der Nachfrage nach Neuwagen. Zentrale Stellhebel blieben Vertrauen, Ladeinfrastruktur und ein funktionierender Gebrauchtwagenmarkt.
Das zeigt der „Elektromobilität-Attraktivitätsindex“ 2026, für den BearingPoint über 10.000 Verbraucher in Deutschland, Großbritannien, den USA, China und Indien befragt hat. „Die Elektromobilität ist in vielen Märkten in der Kaufentscheidung angekommen. Doch der Übergang in den Massenmarkt gelingt nur, wenn Unsicherheiten bei Infrastruktur, Nutzung und Wiederverkauf konsequent adressiert werden“, sagt Manuel Schuler, globaler Leiter Automotive bei BearingPoint.
Kaufbereite Konsumenten treiben Wendepunkt
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Bei Verbrauchern, die innerhalb der nächsten drei Jahre eine konkrete Kaufentscheidung treffen wollen, stehen batterieelektrische Fahrzeuge in den meisten untersuchten Märkten erstmals an der Spitze der Präferenzen. Selbst in Deutschland und Großbritannien, Märkte, in denen die Gesamtbevölkerung weiterhin zurückhaltender ist, kippt die Präferenz zugunsten von BEVs, sobald Kaufentscheidungen konkret werden.
Indien nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Trotz vergleichsweiser geringerer Kaufkraft ist die Offenheit gegenüber Elektromobilität hoch. Die Befragten verbinden Stromer vor allem mit Kostenaspekten und infrastrukturellen Anforderungen.
Die Studie zeigt damit BearingPoint zufolge klar: Die Phase der reinen Early Adopters ist in vielen Märkten überwunden. Elektromobilität wird zur realen Option für den Massenmarkt, sofern die verbleibenden strukturellen Hürden adressiert werden. „In der Summe spricht vieles dafür, dass wir uns dem Kipppunkt nähern. In Märkten wie China sind wir bereits darüber hinaus“, kommentiert Schuler.
Ohne Steckdose kein Durchbruch
Trotz technischer Reife der Fahrzeuge bleibt laut den Beratern die Ladeinfrastruktur der größte Engpass, insbesondere in westlichen Märkten. Der Studie zufolge verfügen 45 Prozent der Befragten in Deutschland, 52 Prozent in Großbritannien und 41 Prozent in den USA aktuell über keinen verlässlichen Zugang zu Lademöglichkeiten, insbesondere im privaten oder beruflichen Umfeld. Öffentliche Ladeangebote sind zwar vorhanden, reichen allein jedoch nicht aus, um breite Nutzungsszenarien abzusichern.
„Reichweiten, Ladeleistungen und Fahrzeugqualität haben in den letzten Jahren ein sehr gutes Niveau erreicht. Der größte Hebel liegt aktuell klar bei der Infrastruktur. Solange verlässliches Laden im Alltag nicht selbstverständlich ist, bleibt Zurückhaltung auf der Kundenseite, trotz wachsender Modellvielfalt“, sagt Schuler.
Kaufentscheidung wird zur Risikoprüfung
Die Studie identifiziert einen zentralen Vertrauenshebel für die Elektromobilität: persönliche Erfahrung. Noch immer geben demnach viele Befragte an, selbst kein Elektroauto gefahren zu haben – darunter 79 Prozent in Großbritannien, 76 Prozent in den USA und 62 Prozent in Deutschland.
„Dass noch immer ein Großteil der Befragten keine eigene Erfahrung mit einem Elektroauto gemacht hat, zeigt: Probefahrten sind weit mehr als eine Marketingmaßnahme. Sie sind ein zentraler Hebel für den Marktdurchbruch der Elektromobilität“, so Schuler. Ohne persönliche Erfahrung bleibe Elektromobilität für viele abstrakt und damit kaufentscheidungshemmend.
Gleichzeitig zeigt die Studie einen grundsätzlichen Wandel in der Kaufentscheidung: Der Erwerb eines Elektroautos, neu wie gebraucht, ist heute vor allem eine Risikobewertung. In allen untersuchten Märkten zählen wahrgenommene Batteriequalität und -lebensdauer, Reparierbarkeit, Garantieumfang sowie Fahrzeug- und IT-Sicherheit zu den wichtigsten Kaufkriterien. Preisliche Überlegungen spielen zwar ebenfalls eine Rolle, treten jedoch nie isoliert auf.
„Kaufinteressenten wägen Kosten stets im Kontext von Langzeitzuverlässigkeit und Wartung ab. Emotionalere Faktoren wie Markenimage haben demgegenüber deutlich weniger Gewicht. Eine Herausforderung für etablierte Hersteller. Denn deren Verbrenner-Markenstärke überträgt sich zwar bei der Allgemeinheit noch in großen Teilen ins E-Zeitalter, bei denjenigen mit echter Kaufabsicht allerdings wesentlich weniger“, kommentiert Schuler.
Gebrauchtwagenmarkt als Nadelöhr
Der größte strukturelle Bremsklotz für die Massenadoption von E-Autos bleibt laut der Umfrage die Infrastruktur sowie die mangelnde Erfahrung mit E-Fahrzeugen. Hinzu kommt die noch mangelnde Attraktivität des Gebrauchtwagenmarkts. Die Akzeptanz gebrauchter Elektrofahrzeuge ist in allen Märkten an enge Schwellenwerte geknüpft, insbesondere an Fahrzeugalter, Laufleistung und Anzahl der Vorbesitzer.
Die Studie zeigt: Bereits nach rund drei Jahren Fahrzeugalter sinkt die Kaufbereitschaft für gebrauchte BEVs deutlich, in Deutschland und Großbritannien sogar besonders stark. Entscheidend ist dabei weniger der Preis als die Unsicherheit über den Zustand der Batterie sowie mögliche Folgekosten. Diese Unsicherheit wiegt oft schwerer als jeder monetäre Anreiz.
Viele Kaufinteressierte entscheiden sich daher bewusst für Neufahrzeuge. Nicht aus Komfortgründen, sondern um technische und finanzielle Unsicherheiten zu vermeiden, insbesondere in Bezug auf Batteriezustand, Garantie und Folgekosten. Der kalkulierbare Wertverlust eines Neufahrzeugs erscheint weniger riskant als die schwer einschätzbaren Risiken gebrauchter BEVs vor dem Hintergrund schnellen technologischen Fortschritts.
Die Folge ist eine wachsende Kluft zwischen Neu- und Gebrauchtmarkt. In allen Märkten würde laut BearingPoint ein transparentes Zertifikat zur Batteriegesundheit die Kaufbereitschaft gebrauchter Elektrofahrzeuge deutlich erhöhen, entscheidend sei dabei die Glaubwürdigkeit des Ausstellers. „Ohne transparente Standards zur Batteriegesundheit, belastbare Restwertlogiken und klar definierte Zweit- und Drittverwertungsmodelle droht der Gebrauchtwagenmarkt zum Nadelöhr der Elektromobilität zu werden“, meint Schuler.
Deutsche Hersteller verlieren an Strahlkraft
Die Markenattraktivität im E-Auto-Zeitalter verschiebt sich der Studie zufolge deutlich. Zwar dominieren weiterhin heimische Hersteller ihre jeweiligen Märkte: etwa BYD in China, Tata in Indien oder Volkswagen in Deutschland. Gleichzeitig gewinnen die südkoreanischen Marken Hyundai und Kia über nahezu alle untersuchten Länder hinweg an Attraktivität, da sie einen Ruf für ausgereifte Technik, Zuverlässigkeit und guten Gegenwert für das investierte Geld genießen.
Besonders spannend ist laut den Studienautoren die Entwicklung der als BEV-nativ positionierten Anbieter: Stromer-Riese BYD zum Beispiel rangiere im Gesamtranking westlicher Märkte nur im Mittelfeld, gewinne jedoch unter künftigen Elektroautokäufern stark an Attraktivität – „ein Trend, der kommende Marktanteilsverschiebungen andeutet“.
Schuler: „Wer sich heute ernsthaft mit dem Kauf eines Elektroautos beschäftigt, bewertet Marken zunehmend nach harten Leistungsfaktoren und weniger nach historischer Markenloyalität.“ Für die etablierten westlichen Automobilhersteller ergäbe sich daraus ein klares Warnsignal: Zwar profitierten sie in ihrem jeweiligen Heimatmarkt weiterhin von ihrer gewachsenen Reputation. Doch außerhalb ihrer Heimatmärkte würden sie von kaufbereiten BEV-Kunden zunehmend nicht mehr automatisch als erste Wahl wahrgenommen.

cbzac meint
„..verfügen 45 Prozent der Befragten in Deutschland ..aktuell über keinen verlässlichen Zugang zu Lademöglichkeiten, insbesondere im privaten oder beruflichen Umfeld. Öffentliche Ladeangebote sind zwar vorhanden, reichen allein jedoch nicht aus, um breite Nutzungsszenarien abzusichern.“
Das sind wahrscheinlich keine Fakten sondern Meinungen.
Ich fahre elektrisch und parke oft mehrmals täglich neben freien Ladesäulen, weil die mittlerweile auf jedem 2. Supermarktparkplatz stehen. Man kann auch ohne private Lademöglichkeit prima elektrisch fahren, die Angst ist völlig unbegründet, mittlerweile auch im ländlichen Raum.
MrBlueEyes meint
Und da isser sogar als Titelbild 😊
Jeff Healey meint
Nicht die schlechteste Wahl.
Preis/Leistung ganz weit vorne, meiner bescheidenen Meinung nach.
David meint
Für Menschen ohne moralischen Kompass sicherlich eine Alternative. Nur muss man dann eben MG fahren. Ein Pranger. Das Auto steht in der Öffentlichkeit und ruft jeden Tag laut: hier hat jemand dem deutschen Staat viel Geld entzogen und ein dafür ein totalitäres Regime gestützt.
Futureman meint
Jeder, der einen Verbrenner fährt entzieht dem Staat mit jedem Kilometer Geld, welches in meist totalitäre Staaten fließt. Beim Strom bleibt das Geld (jedenfalls zu Sonnenzeiten) im Land.
Interessant wäre es auf welchen deutschen Endgeräten die Importgegner ihre Kommentare schreiben?
Fred Feuerstein meint
Weißt du was das schöne daran ist: Dein Lieblingskonzern VW unterstützt das totalitäre Regime seit mehr als 40 Jahren und hat darüber hinaus Zwangsarbeit (Uiguren) legitimiert. Aber das wird gern bei so moralischen Ausbrüchen ausgeblendet.
M. meint
Legitimiert haben das die Chinesen selbst, da die es sind, die systematisch verschiedene Volksgruppen unterdrücken. Das ist hinreichend dokumentiert.
Dass die Zwangsarbeit im diesem Werk immer vermutet, aber nie bewiesen wurde – dir keine Zeile wert. Die in dem nicht weit entfernen „Ausbildungslager“ ist hingegen gut dokumentiert. Aber das hatte mit VW nie etwas zu tun, deswegen muss es wohl egal sein!?
Dass VW in dem betroffenen Werk schon seit Jahren nichts mehr produziert hat (also dort seit Jahren niemand mehr gearbeitet hat)- dir keine Zeile wert.
Dass VW das Werk in der Zwischenzeit an eine chinesische Firma verkauft hat – dir keine Zeile wert.
Was die Chinesen nun dort tun, ohne Beteiligung von VW – dir keine Zeile wert.
So ist das halt, wenn Influenzer wie du Begriffe wie „Moral“ in den Mund nehmen, ohne sich dafür auch nur einen Hauch zu interessieren. Es geht ja um etwas anderes.
eBikerin meint
Ach du mit deinen Fakten immer – die stören doch nur
Haubentaucher meint
VW, sind doch die Guten:
https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/vw-brasilien-sklavenarbeit-verurteilung-100.html
Fred Feuerstein meint
Ja, Volkswagen hat sich von dem Werk 2024 entledigt. So kann man schön sagen: Nein, wir haben damit nichts mehr zu tun…
Und Volkswagen ist seit mehr als 40 Jahren in China aktiv, unterstützt somit als großer westlicher Hersteller direkt das Regime in China. Das sind die Fakten, da helfen auch Mister M.oralapostels Ausflüchte nichts.
Und das Volkswagen es mit der Moral nicht so hat, hat sich in der Geschichte immer wieder gezeigt: Dieselgate, Brasilien Sklavenarbeit, Korruptionsaffäre, Datenschutzskandal. Und das sind lange nicht alle…
Aber so ist das mit der M.oral…
MrBlueEyes meint
Aber halt auch nur in deinem Kopf… :-) …und dessen Inhalt kann uns allen sehr egal sein… ;-)
Jeff Healey meint
Hallo David,
wie Futureman schon sagte, dürftest Du mit dieser Ansicht auch keine sonstigen Produkte aus chinesischer Produktion kaufen und benutzen….., ich sage es mal so, ich halte das für ausgeschlossen…
So kommt es rüber wie Doppelmoral, wenn Du monierst das es Leute gibt die chinesische Autos kaufen. Dazu gehört auch die Wahrheit, dass besonders die deutsche Autoindustrie seit Jahrzehnten in China kooperiert und profitiert hat.
Future meint
Für viele Deutsche ist die »Moral« wohl nur ein Selbstzweck, um sich selber Vorteile zu verschaffen. Dieses Prinzip scheint bei den Akteuren der heimischen Autoindustrie noch sehr verbreitet zu sein.
Allerdings verstehe ich nicht, warum man mit dieser Haltung die eigenen langjährigen Kunden im Ausland verprellt – Beispiel VW: 2 Mio verkaufte Verbrenner sind noch immer ein Viertel des Gesamtabsatzes des Konzerns.
Future meint
China ist für Deutschland der wichtigste Handelspartner, noch vor den USA. Wie kann man das alles immer nur schlechtreden. Früher waren die Akteure aus der deutschen Autoindustrie ja noch Fans der Globalisierung. Zur Erinnerung: Globalisierung ist immer noch das Geschäftsmodell der heimischen Industrien. Was ist da los in Deutschland? Es gibt eben nicht genügend Nachfrage in der alternden heimischen Gesellschaft und deshalb sollten die Deutschen respektvoller sein mit ihren vielen Zielgruppen im Ausland.