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Design-Professor Remlinger: Innenraum wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor

03.07.2026 in Autoindustrie von Thomas Langenbucher | 13 Kommentare

Audi-A3-Limousine-Cockpit-2026

Bild: Audi (Symbolbild)

Wolfram Remlinger, Professor für Interior Design Engineering an der Universität Stuttgart, analysiert im Gespräch mit der Automobilwoche die aktuellen Entwicklungen im Fahrzeuginnenraum. Der Interieur-Experte, der zuvor unter anderem bei Audi tätig war, beschreibt den Wandel des Autos hin zu einem sogenannten „Third Place“. Durch automatisiertes Fahren könnten neue Raumkonzepte entstehen, die das Fahrzeug als Ort für Arbeit oder soziale Aktivitäten nutzen.

Im Bereich der Material- und Technologietrends sind laut Remlinger LED-Technologien zur Beleuchtung sowie eine Tendenz zu organischen und recycelbareren Materialien etabliert. Während Kunststoffbauteile aufgrund ihres geringen Gewichts zur Kraftstoffreduzierung beitragen, wächst das Interesse an nachhaltigen Lösungen. Parallel dazu nimmt die Mediennutzung im Fahrzeug durch „Always-on“-Technologien stetig zu.

Die Entwicklung hin zum autonomen Fahren wird dem Experten zufolge langfristig strategische Veränderungen bewirken. Es könnten Shuttle-ähnliche Fahrzeuge entstehen, die zwischen Pkw und Bus angesiedelt sind und von mehreren Personen gemeinsam genutzt werden. Aktuelle Beispiele für erweiterte Innenraumkonzepte finden sich bei asiatischen Herstellern wie Zeekr mit dem Minivan 009, während solche Konzepte in Europa bisher weniger verbreitet sind.

Deutsche Autobauer keine Interieur-Vorreiter mehr

Remlinger sieht eine Verschiebung der wirtschaftlichen und technologischen Bedeutung in Richtung Asien. Er kritisiert, dass europäische Hersteller ihre Rolle als Vorreiter verloren hätten. Die Branche sei durch hohe Investitionen in die Elektromobilität und den Wettbewerb durch günstigere lokale Marken in China verunsichert. Dies führe dazu, dass deutschen Unternehmen der Mut für erste Markteinführungen von Neuheiten fehle.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Bedienkonzepte. Die breite Kritik an der Umstellung auf reine Touch-Bedienung war nach Ansicht von Remlinger absehbar. Er sieht hier eine Rückkehr zu mehr Haptik und Tasten als notwendige Reaktion auf die Erwartungen der Kunden. Zudem sei eine intensivere Modellpflege durch Software-Updates erforderlich, um besser auf Kundenbedürfnisse einzugehen.

Das Interieur-Design fungiere als Faktor für die Kundenbindung, während das Exterieur primär neue Kunden gewinne, erklärt Remlinger. Bei künftigen Mobilitätsdiensten, in denen Fahrzeuge vermehrt gemietet statt besessen werden, könne die Bedeutung des Exterieur-Designs abnehmen.

„Die Autobauer möchten möglichst viele Gleichteile und wenig Varianz sicherstellen. Andererseits gibt es auch die lokalen Importeure und Vertriebsgesellschaften, die ihren unterschiedlichen Zielgruppen spezielle Funktionen bereitstellen wollen“, so der Branchenkenner. Die Integration lokaler Navigationssysteme oder Streaming-Dienste sei notwendig, da Fahrzeughersteller in vielen Märkten nicht mehr die dominanten Anbieter seien.

Für die Zukunft wünscht sich Remlinger eine stärkere Differenzierung der Innenraumkonzepte statt einer Annäherung der Modelle. Fahrzeuge sollten stärker auf spezifische Nutzungszwecke und Persönlichkeiten zugeschnitten sein. Zudem solle ein kostengünstiger Austausch von Modulen, Funktionen sowie Upgrades möglich werden.

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Via: Automobilwoche (kostenpflichtig)
Tags: Design

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. hu.ms meint

    06.07.2026 um 12:21

    „Innenraum wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.“
    Und damit kein eiheitsbrei, sondern die berücksichtigung ganz unterschiedlicher geschmäcker.
    Gleiches gilt für das bedienkonzept.
    Bedeutet also, dass jedes modell, je nach anmutung und bedienung nur ganz bestimmte käufergruppen anspricht.

    Antworten
  2. Future meint

    06.07.2026 um 08:57

    Als Professor aus Stuttgart kann Remlinger aussprechen, was er bei Audi so nicht hätte sagen können. Die wichtigste Aussage im Interview sollte die Branche endlich mal wahrhaben wollen: »Remlinger sieht eine Verschiebung der wirtschaftlichen und technologischen Bedeutung in Richtung Asien.« Es kommt sogar noch schlimmer und er behauptet, dass europäische Hersteller ihre Rolle als »Vorreiter« verloren hätten. Es gebe Verunsicherung und Mutlosigkeit in der Branche. Dazu passt die Meldung von heute, dass Porsche weitere 4000 Mitarbeitende entlassen wolle – und zwar vor allem Manager. Ja, die Manager sind wohl auch verantwortlich für die Misere. Die Ingenieure und die Entwickler sind es natürlich auch. Es wird Zeit, dass die Branche endlich wieder Produkte entwickelt, die in den Märkten so attraktiv sind, dass sie auch wieder mehr nachgefragt werden. Es ist doch nicht nur der fehlende Mut, den Remlinger anspricht. Es ist bestimmt auch die Ideenlosigkeit.

    Antworten
    • M. meint

      06.07.2026 um 13:05

      „Es ist bestimmt auch die Ideenlosigkeit.“
      Ah. Deswegen muss man bei den Chinesen immer 3x schauen, um den Hersteller zu identifizieren.
      Jaja, es ging ursprünglich um Innenraum. Aber den Fokus hast du ja eh schon lange verloren.

      Antworten
      • Future meint

        06.07.2026 um 16:29

        Wo sind sie denn, die »Ideen« der Europäer? Natürlich geht es um den Innenraum. Remlinger bringt es auf den Punkt, weil er eben so unabhängig darüber reden kann. Das gelingt den Branchenvertretern natürlich nicht so gut, weil vermutlich der Abstand fehlt. Ich bin gespannt, wann sich das endlich ändert.

        Antworten
        • M. meint

          07.07.2026 um 13:23

          Wo sind denn die Ideen der Chinesen? Da sieht eine Kiste aus wie die andere. Wenn ausnahmsweise mal nicht, dann nach 3-fachem Überschlag oder Lego-Experiment in groß.
          Aber wenn man einen modernen UND funktionellen Innenraum sehen will, kann man sich z.B. (um deine Frage zu beantworten) den Innenraum des iX3 anschauen.
          Chinesen kopieren entweder die Tesla-Fails, oder bauen eher klassisch. Das sieht oft „nett“ aus, aber nicht innovativ.

  3. blue shadow meint

    06.07.2026 um 08:46

    So wie Vinyl wieder ein Comeback erlebt….so wird auch der Käufer von morgen wieder das clean Design von Früher feiern. Der ganze „Gimmik“ mit 3 qm Bildschirm im PKW. „Cloud“. und mit „grok“ inside.
    Fahrwerk. Kurvenfreude. Effizienz. Ergonomie…sind Dinge die viel Höher in der Wertung zählen sollten.

    Wir werden sehen ob E Autos jemals ein H Kennzeichen tragen. Viele erreichen nicht mal würdig die 15 Jahre. Selbst nach 5 Jahren ist die „Elektronik“ schon veraltet. Ein Defekt und Du hast ein Totalschaden. Ich liebe Analog Zeiger gepaart mit „Handy“. Wie im Besten E von VW eGolf.

    Antworten
  4. Dunkel-O meint

    03.07.2026 um 19:12

    Ich habe gerade kürzlich erst in der AMS gelesen, daas deutsche Premiumhersteller sich eine dicke Scheibe von Genesis abschneiden könnten.
    Dabei ging es um den 100.000 km Dauertest des Genesis Electrified GV70.

    Antworten
  5. FrankyAC meint

    03.07.2026 um 17:22

    Ein gemütlicher Innenraum war mir schon immer wichtiger als die äußere Optik.

    Imho sind die deutschen Hersteller da seit Jahrzehnten festgefahren, für mich wirken sie so modern wie Omas Schrankwand. Grau, Schwarz und bieder. Daran ändern auch ein paar bunte LED nichts.

    Antworten
  6. NeutralMatters meint

    03.07.2026 um 14:59

    „Deutsche Autobauer keine Interieur-Vorreiter mehr“ – das kann man leider mit einem gesunden Blick schnell feststellen. Weder Mercedes, noch BMW, noch Audi bieten ansatzweise einen wertigen, stilistisch und ästhetisch guten Innenraum.

    Das wirkt in erster Linie geradezu billig von Haptik und Optik, effekthascherisch und absolut zerrissen, VW scheint mit dem neuen Interieur von ID.Polo und ID.3 Neo sich zu bessern.

    Antworten
    • Simon meint

      04.07.2026 um 12:17

      Der Innenraum ist ein Nachteil für die deutschen Hersteller. Billiger als bei Mercedes oder Audi kann man Innenräume ja fast nicht mehr bauen. Immerhin hat man sich beim GLC etwas verbessert, aber lm Vergleich zu den Chinesen ist der Hartplastikanteil hoch. Ich finde auch das man manche Designentscheidungen stark kritisieren muss. Warum so eingebaute Displays wie im CLA? Nehme ich das zweite Display nicht, dann kriegt man eine Hartkunststoffblende. Das kann man cleverer lösen.

      Antworten
      • MK meint

        06.07.2026 um 16:39

        @Simon:
        Woher kommt eigentlich diese fetischhafte Ablehnung von Hartplastik: Es ist stabil, lässt sich gut abwischen. Ich muss sagen, dass das ist, was mich bei meinem Elroq am meisten stört: Dass da irgendein *** meinte, einen Stoffbezug übers Amaturenbrett spannen zu müssen, der schon nach der ersten Tour zu den Pferden bei Unwetter versifft war und sich schlecht reinigen lässt.

        Antworten
    • Fra p. meint

      05.07.2026 um 09:54

      Das verrückte ist das nahezu jeder fahrzeug designer über Deutsche Fahrzeugbauer gingen. Es ist für mich eher ein Manager Problem als ein Designer.

      Antworten
    • Ben meint

      06.07.2026 um 05:39

      Ja nach dem Matze Müller Compliance ID.3 Innenräumen hat sich VW wieder verbessert, mein 25er ID.4 GTX hat noch nen Haufen Klavierlack, den ich abgedeckt hab, aber die neuen innenräume sind echt gut.

      Antworten

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