Chinesische Automobilhersteller stehen in Deutschland vor der Herausforderung schwacher Restwerte. Die Fahrzeuge verlieren kontinuierlich an Wert, was für Käufer hohe Kosten zur Folge haben kann. Innerhalb von gut zwei Jahren sank der Restwert von Plug-in-Hybriden und rein elektrischen Fahrzeugen laut der Automobilwoche von 61 Prozent Anfang 2024 auf 47,2 Prozent Anfang April 2026.
Dieser Rückgang um 14 Punkte ist deutlich stärker als die Entwicklung im Gesamtmarkt für diese Antriebstechnologien, der im gleichen Zeitraum lediglich um sieben Punkte sank. Ursächlich für den Wertverlust war dem Branchenportal zufolge zunächst eine geringe Modellvielfalt, während zunehmend austauschbare Modelle den Druck erhöhten. Zudem trägt die allgemeine negative Wertentwicklung nach dem Höchststand während der Chip- und Lieferkrise zum Rückgang bei.
„Es reicht nicht, ein gutes Produkt auf den Markt zu bringen, man muss auch die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen“, erklärt Martin Weiss, Leiter Fahrzeugbewertung beim Marktbeobachter Deutsche Automobil Treuhand (DAT). Zu diesen Bedingungen zählten ein funktionierendes Händlernetz sowie ein Gebrauchtwagenprogramm.
Die Auswirkungen des Wertverlusts treffen entweder die Hersteller, die in den Markt gedrückten Fahrzeuge zurücknehmen müssen, oder Leasinggesellschaften, deren Erwartungen nicht eintreffen. Letztere sind Weiss zufolge vorsichtiger geworden und lassen Angebote teilweise vorab vergüten, um Fahrzeuge in ihre Systeme aufzunehmen.
Fehlendes Verbraucher-Vertrauen
Ein zentrales Problem ist das fehlende Vertrauen der Verbraucher. Christian Schüssler vom Leasing- und Flottendienstleister Arval Deutschland sagt: „Die Restwertlücke ist im Kern ein Vertrauensproblem. Wo kein stabiles Markenvertrauen existiert, gibt es keine stabile Gebrauchtmarktnachfrage – und ohne Nachfrage keinen belastbaren Preis.“ Laut einem DAT-Report 2026 befürchtet knapp jeder zweite Verbraucher, dass in fünf Jahren viele chinesische Marken nicht mehr existieren werden.
Die Vertriebswege beeinflussen das Risiko zusätzlich, erläutert die Automobilwoche. Viele Fahrzeuge werden demnach über Kurzzeitkanäle wie Eigenzulassungen oder Auto-Abos abgesetzt, was die Gefahr erhöht, dass junge Fahrzeuge mit hohen Abschlägen auf den Markt gelangen. Arval begegnet diesem Risiko durch konservative Restwertansätze und Lifecycle-Management.
Die hohe Innovationsgeschwindigkeit chinesischer Hersteller kann den Wertverlust beschleunigen. DAT-Experte Weiss mein, dass aktuelle Modelle durch die schnelle Abfolge von Nachfolgern schneller veraltet wirken. Zudem fehlen noch Langzeiterfahrungen mit älteren Modellen hinsichtlich der Qualität im Alter.
Eine schnelle Angleichung der Werte an den Durchschnitt gilt als unrealistisch. Schüssler von Arval hält eine schrittweise Annäherung über mindestens fünf Jahre für realistisch, sofern Hersteller eine stabile Marktpräsenz, positive Langzeiterfahrungen mit Batterien und Software sowie ein verlässliches Servicenetz nachweisen können. „Restwerte sind das Ergebnis von Markenvertrauen, Servicenetzqualität und Gebrauchtmarkterfahrung – und das alles braucht Zeit“, so der Branchenkenner.


David meint
Das kann ich mir nicht vorstellen. Wir lernen doch hier von Kommentatoren, die ursprünglich eine amerikanischer Marke bevorzugten, die aber nicht mehr ernsthaft als Waffe verwenden können, sondern dafür den chinesischen Stab schwingen, dass die deutschen Hersteller in allen Bereichen rettungslos verloren sind.
Auch hier haben wir wieder ein Feld, wo die Schwäche der Chinesen zu Tage tritt. Wer kauft einen gebrauchten Nio, wenn er nicht mehr sicher sein kann, dass es in drei Jahren noch die Marke Europa gibt? Wer glaubt an eine gute Ersatzteil-Logistik? Wer glaubt an kompetente Werkstätten? Und natürlich sind die Modelllaufzeiten extrem kurz, was insgesamt nicht in diesen Themen hilft. Übrigens auch nicht der Marge der Hersteller.