Der Diebstahl von Ladekabeln an öffentlichen Ladepunkten hat in den vergangenen Monaten zugenommen, schreibt das Portal Edison. Hersteller und Betreiber von Ladesäulen ergreifen zunehmend Gegenmaßnahmen, um dem Kupferdiebstahl entgegenzuwirken.
Die EnBW verzeichnete bislang mehr als 1400 gestohlene Kabel an über 200 Standorten, so der Bericht. Die Schadenssumme liegt im mittleren einstelligen Millionenbereich. Martin Roemheld, verantwortlich für Themen der Elektromobilität bei dem Energiekonzern, sagte gegenüber Edison: „Das tut schon weh und schadet besonders den Kunden, die über Tage nicht an der gewohnten Stelle laden können.“
Auch die Pfalzwerke sind an mehr als 140 Standorten betroffen, wobei die Schäden im mittleren sechsstelligen Bereich liegen. Damit befinden sich die Schadenssummen weit über dem Niveau einer Umfrage des Portals Energate aus dem Vorjahr, als die Schäden meist noch in den Zehntausenden lagen.
Die Ladesäulenbetreiber rüsten gegen die Diebstähle auf, um sowohl Materialkosten als auch Imageschaden durch nicht verfügbare Stationen zu vermeiden. Tank-E berichtet laut Edison von Engpässen bei Lieferanten und Technikern für die Instandsetzung, wodurch Ladepunkte teilweise für mehrere Wochen ausfallen.
Zusätzlicher Aufwand entsteht durch die notwendige erneute Eichung der Station nach einer Neuinstallation des Kabels. Daher ist eine schnelle Verfügbarkeit von Ersatzteilen entscheidend, um Ausfallzeiten kurz zu halten.
Software, Kameras, Sirenen und Stahl gegen Diebe
Der Hersteller Alpitronic hat eine Softwarefunktion zur Diebstahlerkennung entwickelt, die bei Manipulationsversuchen einen Alarm auslöst. „Betreiber können dann – je nach Einstellung – schneller reagieren, denn die Funktion hilft dabei, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und weitere Schritte einzuleiten“, erklärt eine Sprecherin. Weitere Maßnahmen sind Warnhinweise, akustische Sirenen oder mechanische Schutzvorrichtungen für die Kabel mit Stahlkomponenten.
Alpitronic-Wettbewerber ADS-Tec-Energy weist darauf hin, dass zusätzliche Schutzvorrichtungen die Alltagstauglichkeit einschränken könnten. Eine Sprecherin betonte gegenüber Edison: „Entscheidend ist dabei, Sicherheitsaspekte sinnvoll mit Nutzerfreundlichkeit und Praxistauglichkeit zu verbinden.“
Der Energieversorger Stawag verzeichnete dem Bericht zufolge zwischen Januar und September 2025 Schäden im niedrigen sechsstelligen Bereich durch abgeschnittene Kabel. Seit September sei die Situation nach der Installation von Videokameras und Kabelschutzsystemen ruhiger geworden. Die Stadtwerke Düsseldorf reagierten auf den Diebstahl von 32 Kabeln im April 2026 mit einer schwer zu knackenden Ummantelung.
Überregional tätige Unternehmen sind dem Bericht zufolge überwiegend betroffen, wobei kein genereller Zusammenhang zwischen Standortwahl und Diebstahlgefahr gesehen wird. Enercity berichtet jedoch von stärkeren Vorfällen in Gewerbegebieten und an Fachmarktzentren.
Schwerpunktregionen der Diebstähle sind Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt und der Leipziger Raum. Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft meldete seit 2024 insgesamt 87 gestohlene Kabel in ihrem Versorgungsgebiet.

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