Der US-Ladesäulenhersteller ChargePoint agiert in einem global herausfordernden Marktumfeld. Während die Trump-Regierung in den USA die Förderung für Elektroautos gekürzt hat, stockt der Ladeinfrastrukturausbau in Europa. Gleichzeitig drängt Konkurrenz aus China in das Geschäft. CEO Rick Wilmer glaubt aber weiter fest an sein Unternehmen und die E-Mobilität.
„Ich bin weiter voll davon überzeugt, dass Elektroautos Verbrennern überlegen sind, und am Ende wird sich das bessere Produkt durchsetzen“, so Wilmer im Gespräch mit dem Manager Magazin. Europa sei für ChargePoint entscheidend, die Rahmenbedingungen seien hier für das Unternehmen aktuell besser als in den USA.
Um in Europa erfolgreich zu sein, setzt man auf technologische Innovationen. Mit der neuen Schnellladearchitektur „Express“ plant ChargePoint, Anbieter wie Alpitronic herauszufordern. Die Stationen zeichnen sich durch eine hohe Energiedichte aus und können sehr eng gestellt werden, was die Baukosten für Betreiber senken soll. Ein Produkt der Serie ist ein Monolith mit bis zu 600 Kilowatt Leistung, bei dem zwei Autos parallel oder bis zu vier Autos gleichzeitig über separate Dispenser geladen werden können.
Ein Hindernis für den Ausbau der Ladeinfrastruktur sind laut Wilmer die Kapazitäten des Stromnetzes, da auch Rechenzentren für Künstliche Intelligenz um Ressourcen konkurrieren. Um den Netzausbau und die Installation von Ladestationen zu beschleunigen, ist ChargePoint eine Kooperation mit dem Energiemanagement-Unternehmen Eaton eingegangen.
Finanziell verzeichnete ChargePoint im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von knapp 102 Millionen Dollar bei einem Verlust von 43,2 Millionen Dollar. CEO Wilmer gibt an, dass die Verluste quartalsweise sinken und das Unternehmen über ausreichend Reserven verfügt, um die angestrebte Profitabilität zu erreichen. Er ordnet die aktuelle Marktsituation einer Konsolidierung zu, in der weniger, aber dafür widerstandsfähigere Akteure übrig bleiben werden.
Aktuell werde weniger investiert, und große Unternehmen erwägen den Ausstieg. „Ich bekomme praktisch jede Woche Anrufe von Bankern, die mir ein Asset aus der Branche verkaufen wollen“, berichtet Wilmer. „Am Ende werden weniger Akteure übrig bleiben, die dafür größer und widerstandsfähiger sind. Und wir sehen uns ganz klar als einen davon.“ ChargePoint wolle „so schnell wie möglich“ profitabel sein, dafür gebe man alles.

Ihre Meinung