Eine schnelle Einigung bei wichtiger Regulierung für die Autobranche wird laut der Automobilwoche immer unwahrscheinlicher. Im Europaparlament soll demnach gemäß bisherigem Zeitplan erst im November abgestimmt werden. Bis dahin sollen die konservative EVP-Fraktion (Europäische Volkspartei) sowie Sozialdemokraten, Grüne und Liberale einen Kompromiss finden, wobei die Positionen derzeit weit auseinanderliegen.
„Zum Ende des ersten Quartals 2027 muss das alles in trockenen Tüchern sein“, wird der EVP-Abgeordnete Jens Gieseke (CDU) von dem Branchenportal zitiert. Ziel sei es, vor den französischen Präsidentschaftswahlen im Mai 2027 fertig zu sein. Neben Frankreich stehen auch Spanien und Polen vor Parlamentswahlen.
Die EVP will das bislang geltende „Verbrenner-Aus“ 2035 weiter aufweichen als der Vorschlag der EU-Kommission. Die Fraktion fordert unter anderem eine weitere Definition klimaneutraler Kraftstoffe sowie mehr Möglichkeiten, CO₂-Emissionen anzurechnen.
Die sozialdemokratische S&D-Fraktion (Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten) legte derweil einen Entwurf zu Unternehmensflotten vor. Dieser sieht härtere nationale Quoten für die Elektrifizierung vor und stellt die bisherige Dienstwagenbesteuerung in Deutschland in Frage. Nach Vorstellung der S&D könnten nationale Ziele für Unternehmensflotten durch den Einsatz von Dienstfahrrädern gelockert werden.
Die EVP-Position wird durch Jens Gieseke wie folgt formuliert: „Die rote Linie für uns lautet: keine Quotenvorgaben aus Brüssel für Unternehmensflotten und echte 90 Prozent beim CO₂-Ausstoß.“ Die EU-Kommission will den CO₂-Ausstoß von Neuwagen nach aktuellem, im letzten Jahr abgeschwächtem Stand ab 2035 um 90 Prozent reduzieren. Verbleibende Emissionen sollen durch grünen Stahl und synthetische Kraftstoffe – sogenannte E-Fuels – kompensiert werden.
Es wird um Details zu Privilegien bei der Anrechnung und Ausnahmen gerungen. Beispielsweise sollen kleine Elektroautos höher gewichtet werden, um Herstellern Vorteile bei der CO₂-Berechnung zu liefern. Zudem will die EVP eine neue Klasse klimaneutraler Kraftstoffe schaffen.

Steffen meint
Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion.
Mäx meint
„Die rote Linie für uns lautet: keine Quotenvorgaben aus Brüssel für Unternehmensflotten und echte 90 Prozent beim CO₂-Ausstoß.“
Ich frage mich was das Druckmittel ist.
Aktuell gilt nach wie vor 100% Reduktion in 2035
Und wenn man sich nicht einigt, bleibt es einfach dabei.
Ebenso gilt weiterhin das Ziel klimaneutral 2050.
> Also an sich läuft für die „Grünen“ alles so wie gewünscht.
Kennt jemand aktuelle Abstimmungen der übrigen Fraktionen, die die EVP blockieren könnte?
Futureman meint
Endlich mal hat es Vorteile, bis über ein Gesetz entschieden wird. Denn mit jedem weiteren Tag wird die Markt-Durchdringung durch reine E-Autos größer und damit der Sinn einer Gesetzesaufweichung geringer. Eher gibt es gerade den Vorstoß von Ländern mit bereits höheren Quoten die Gesetze zu verschärfen.
Dazu hilft jeder weitere Tag der Ölkrise bisher negativ eingestellte Verbrennerliebhaber von den Kostenvorteilen zu überzeugen.
brainDotExe meint
Im Gegenteil, wenn erst mal eine gewisse Durchdringung erreicht ist, könnte man das Gesetz auch ganz kippen und den Rest an Liebhaberfahrzeugen erlauben.
Siehe z.B. Norwegen.
M. meint
Willst du jetzt jeden 08/15 Ölverbrenner zum Liebhaberfahrzeug hochstilisieren?
Immer dran denken: der Stichtag für die ERSTzulassung ist 01.01.2035. Alles, was davor auf die Straße kommt, kann auch nach dem aktuellen Entwurf bis zum Jahr 4500 mit fossilem Sprit fahren (falls es dann noch fossilen Sprit gibt, natürlich).
Das, was du erhalten willst, ist also gar nicht betroffen. Du kannst dich komplett entspannen. Spannend werden irgendwann höchstens die Preise für ein Barrel Rohöl. Aber daran kann die EVP auch nichts drehen.
Und weil es bei diesem Gesetz um Neuwagen ab 2035 geht – wie viele Autos werden davon betroffen sein, die es zu erhalten lohnt? 99% wird mit Computern vollgestopfte Massenware sein, die nach 20 Jahren niemanden mehr interessiert.
Das übrige 1% wird dann eFuel-tauglich sein, und auch wenn man das heute nicht zu vernünftigen Preisen herstellen kann, wird das 2035 niemanden abschrecken. Die wenigen Verbrenner, die es dann noch gibt, werden schon beim Kauf so teuer sein, dass 5 Euro für einen Liter Sprit einfach nur egal sind.
Ich verstehe die ganze Aufregung nicht…
David meint
Wenn erst einmal eine gewisse Durchdringung durch Elektroautos gegeben ist und es eine Auswahl an erschwinglichen Modellen gibt, wird die Aussperrung der Verbrenner durch Gerichte erfolgen. Da braucht man das Parlament gar nicht mehr.
Überall dort, wo jetzt in Deutschland Eine große Menge Autos zusammenkommt, also zum Beispiel in Großstädten, oder die Natur besonders schützenswert ist, also in Mittelgebirge, Alpenvorland und Alpen sowie die Küstenregionen und natürlich in Naturschutzgebieten und in der Nähe davon oder die Luftreinhaltung ein besonders hohes Gut ist, wie in Kurbädern, wird man die Verbrenner aussperren. Weil die Abwägung gerichtlich immer zwischen Umweltschutz und Mobilitätsbedürfnis getroffen wurde. Dabei geht es um eine Zumutbarkeit in der sogenannten Lebenswirklichkeit.
Ich denke, mit den Vierlingen ist die so langsam gegeben. Da werden die Einschläge näher kommen…
Future meint
Das Verbrennen steht doch immer noch für eine gefühlte »Freiheit« in Deutschland. Natürlich sollt man jede Klage der DUH für das Aussperren von Verbrennern unterstützen. Aber ich bezweifle, dass die Gerichte das immer so entscheiden werden, denn die politische Einflussnahme wird besonders in den Wahlkreisen mit den empörtesten Wählern im Land doch immer großer werden. Wie werden sehen, wo das hinführt. Bisher ist Hamburg die einzige Stadt, die immerhin die Zulassung von Verbrennertaxis seit Januar 2025 verboten hat. Sowas hat sich keine andere Kommune bisher getraut. Die Vierlinge werden Deutschland wohl auch nicht von Verbrennen abbringen, weil im Konzern weiterhin 90 Prozent Verbrenner verkauft werden müssen wegen dem »Wohlstand«.