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„Ayvens Mobility Guide 2026: Steueranreize prägen Europas Flotten-Elektrifizierung

25.06.2026 in Fuhrpark, Studien & Umfragen von Thomas Langenbucher | Kommentieren

Mercedes-CLA-Elektro-Shooting-Brake

Bild: Mercedes (Symbolbild)

Der Anbieter für Mobilitätsdienstleistungen, Fuhrparkmanagement und Fahrzeugleasing Ayvens hat den „European Mobility Guide 2026“ veröffentlicht. Die jährlich erscheinende Publikation soll Fuhrparkmanagern eine umfassende länderbezogene Analyse des Tempos der Elektrifizierung in Europa bieten.

Die neue Ausgabe basiert auf operativen Daten aus 30 europäischen Ländern. Sie beschreibt eine Marktphase, in der die Verfügbarkeit von Elektro-Pkw-Modellen europaweit nicht mehr als begrenzender Faktor gilt, während Steuern und Regulierung zunehmend die Flottenstrategien beeinflussen.

Für die Ausgabe 2026 wurde die Methode zur Bewertung der E-Mobilitätsreife überarbeitet. Die Länder werden nun anhand von fünf Kernbereichen bewertet: Verbreitung von Elektrofahrzeugen, Ladeinfrastruktur, Steuern und Regulierung, Gesamtbetriebskosten von rein batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) im Vergleich zu klassischen Verbrennern (ICE) sowie die Nachhaltigkeit des Stroms. Daraus ergibt sich ein Gesamtscore von bis zu 100 Punkten. Die Staaten werden anschließend den Kategorien „Developed“ (entwickelt), „Transitioning“ (im Übergang) oder „Emerging“ (aufstrebend) zugeordnet.

Zu den wichtigsten Ergebnissen zählt, dass Steueranreize inzwischen der stärkste Treiber für Elektrifizierungsentscheidungen von Flotten in Europa sind. Zudem bleiben Norwegen, die Niederlande und Schweden die reifsten Märkte für Elektrofahrzeuge. In Osteuropa stellt die Ladeinfrastruktur weiterhin die größte Hürde dar. Gleichzeitig sprechen die Gesamtbetriebskosten in einer wachsenden Zahl von Flottensegmenten inzwischen für Elektrofahrzeuge.

Entwicklung des E-Fahrzeugmarkts weiter uneinheitlich

Die E-Mobilitätsreife ist innerhalb Europas weiterhin unterschiedlich ausgeprägt. Nord- und Westeuropa führen den Wandel an. Norwegen erreicht mit 93 von 100 Punkten erneut den höchsten Wert und liegt vor Belgien mit 78 Punkten sowie den Niederlanden mit 74 Punkten. Diese Länder verfügen über günstige steuerliche Rahmenbedingungen, ausgebaute Ladenetze und vorteilhafte wirtschaftliche Bedingungen für batterieelektrische Fahrzeuge.

Frankreich zählt mit 65 von 100 Punkten zu den „Developed“-Märkten. Das Land verbindet vergleichsweise hohe Verbreitungswerte mit wettbewerbsfähigen wirtschaftlichen Bedingungen für Elektrofahrzeuge. Batterieelektrische Fahrzeuge verursachen dort Kosten von 0,33 Euro pro Kilometer gegenüber 0,41 Euro pro Kilometer bei Verbrennern. Zudem stärken jüngste regulatorische Änderungen den Wandel hin zu emissionsärmeren Flotten.

In Südeuropa und Osteuropa verläuft die Entwicklung langsamer. Italien erreicht 54 Punkte, Spanien 53 Punkte. Unterschiede bei Steuerregelungen, Ladebereitschaft und Akzeptanz tragen zu diesen Abständen bei. Slowenien mit 46 Punkten gehört inzwischen zur Kategorie „Transitioning“, während Irland mit 59 Punkten den Abstand zu den reiferen Märkten verkleinert hat.

Die Jahre 2025 und 2026 markieren einen Wendepunkt bei den politischen Rahmenbedingungen. Regierungen ersetzen breite Förderprogramme für Elektrofahrzeuge zunehmend durch gezieltere und langfristig angelegte fiskalische Instrumente. Gleichzeitig werden Anreize für Verbrenner und Plug-in-Hybride schrittweise reduziert, während Sanktionen für Fahrzeuge mit hohen Emissionen verschärft werden. Dadurch müssen Fuhrparkmanager ihre Fahrzeugauswahl stärker an nationale Steuerregeln, geldwerte Vorteile und regulatorische Entwicklungen der EU anpassen.

Stromer in den meisten westeuropäischen Märkten wettbewerbsfähig

Die neueste Ayvens-Auswertung zeigt zudem, dass batterieelektrische Fahrzeuge in den meisten nord- und westeuropäischen Ländern bei den Kosten mit Verbrennern konkurrieren können. Verbesserte steuerliche Vorteile und niedrigere Gesamtbetriebskosten tragen dazu bei. Portugal wird dabei als einer der wettbewerbsfähigsten Elektrofahrzeug-Märkte hinsichtlich der Kosten pro Kilometer genannt. In Teilen Osteuropas bleibt die Wettbewerbsfähigkeit bei den Gesamtbetriebskosten dagegen schwieriger, da Verbrenner dort weiterhin von niedrigeren Anschaffungs- und Betriebskosten profitieren.

Die öffentliche Ladeinfrastruktur wurde europaweit deutlich ausgebaut. Bis Ende 2025 waren mehr als 1,2 Millionen öffentliche Ladepunkte installiert. Dennoch unterscheiden sich Dichte und Zugänglichkeit der Infrastruktur weiterhin stark zwischen den Ländern, erklären die Studienautoren. Diese Unterschiede trügen zu unterschiedlichen Geschwindigkeiten bei der Einführung von Elektrofahrzeugen und zu anhaltender Reichweitenunsicherheit unter Fahrern bei.

„Was die Elektrifizierung in Europa derzeit prägt, sind nicht allein die Ambitionen, sondern die praktischen Gegebenheiten der einzelnen Märkte – von steuerlichen Rahmenbedingungen über die Ladeinfrastruktur bis hin zu den Gesamtbetriebskosten. Vor dem Hintergrund wirtschaftlichen Drucks und sich wandelnder politischer Rahmenbedingungen sind diese Faktoren zu entscheidenden Hebeln in Flottenstrategien geworden“, so Amélie de Valroger von Ayvens.

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

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