Die kritische wirtschaftliche Lage bei Volkswagen und die mögliche Schließung deutscher Standorte führen zu Forderungen nach einer Anpassung der Handelspolitik. Der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) regt höhere Zölle auf Elektroautos aus chinesischer Produktion an, um den Erhalt des VW-Werks in Zwickau zu unterstützen.
Das Werk in Zwickau produziert derzeit Modelle der VW-Elektroauto-Reihe ID. An dem Standort sind 8000 Menschen beschäftigt, Zulieferer haben weitere 20.000 Beschäftigte.
„Ein mögliches Joint-Venture mit chinesischen Autoherstellern in Werken wie Zwickau muss attraktiv für die chinesischen Partner sein, das heißt, eine Produktion in Zwickau muss sich für sie lohnen“, so Panter gegenüber der Bild. „Wir müssen auf EU-Ebene über höhere Zölle auf Autos aus chinesischer Produktion nachdenken. Wenn mit einem Joint-Venture in Sachsen dann europäische Zölle vermieden werden können, wäre das ein Argument, mit dem man ganz anders verhandeln kann.“
Die EU hat die Zölle für Elektrofahrzeuge aus China im Jahr 2024 bereits erhöht. Zusätzlich zum allgemeinen Importzoll von 10 Prozent fallen seitdem je nach Hersteller Aufschläge zwischen 7,8 und 35,3 Prozent an. Da chinesische Fahrzeuge preislich weiterhin unter deutschen Modellen liegen, schlägt Panter eine deutliche Steigerung vor, etwa eine Verdopplung des grundsätzlichen Einfuhrzolls.
Sachsens Wirtschaftsminister fordert von der Bundesregierung einen klaren Kurs in Brüssel. Er erwartet, dass sich die Regierung bei der EU für Wettbewerb einsetzt, ohne naiv zu agieren. Unternehmen, die Zugang zum europäischen Markt suchen, sollten Verantwortung für die Wertschöpfung und Beschäftigung in der Region übernehmen. In China verdiene nur derjenige Geld, der auch in der Volksrepublik investiere und produziere. „Warum sollte Europa sich mit weniger zufriedengeben?“
Panter sieht es nicht als Ziel an, chinesische Hersteller aus Europa auszuschließen. Vielmehr möchte er sicherstellen, dass sie unter denselben Bedingungen wie europäische Unternehmen agieren und fairer Wettbewerb herrscht.

Thomas Claus meint
Die SPD hat den Protektionismus entdeckt.. Zu viel Konkurrenz wird durch höhere Zölle ausgeschaltet bzw dazu gezwungen in Europa zu bauen. Der böse Trump macht es auch so. Allerdings wüsste ich auch nicht warum der Chinese mit den Zöllen dann in Deutschland investieren sollte. Er kann ja auch nach Spanien, Italien oder Rumänien gehen.
MXD meint
Wer bei 10% Basiszoll zzgl. bis zu 35% Strafzoll noch immer nicht konkurrenzfähig ist, macht vielleicht etwas mehr falsch. Ab dem Punkt können es nicht nur die bösen Wettbewerber sein.
M. meint
Vielleicht würde es helfen, den Artikel zu lesen. Vielleicht lässt nimmt man sich auch mal 2 Minuten, um das zu verstehen.
Es geht nicht darum, chinesische Hersteller auszuschließen. Es soll erreicht werden, dass chinesische Hersteller hier das machen, was europäische Hersteller in China gemacht haben.
Aber was das ist (oder war), das steht oben.
F. K. Fast meint
Dann fluten die chinesischen Hersteller den deutschen Markt halt mit Verbrennern. Wie wäre es, bessere Produkte anzubieten, die einen unvermeidbar höheren Preis rechtfertigen? Z.B. durch besonders einfach reparierbare Modelle? Ach, nein, der ID.Polo kommt ja in der günstigen Akkuvariante mit verklebten Zellen (und ohne jegliche Ausstattung) daher. Weiters traut sich VW auch nur 2 Jahre Garantie anzubieten, Toyota bis zu 15 Jahre.
MK meint
@F. K. Fast
Was es endgültig lächerlich macht: In Zwickau montieren die selben Leute mit den selben Anlagen größtenteils mit den gleichen Bauteilen Cupra Born und VW ID.3. Bei vergleichbarer Ausstattung kosten auch beide das gleiche. Der Cupra hat aber 5 Jahre Garantie inklusive, während die beim ID.3 nur gegen Aufpreis und auch dann nur mit recht niedriger Kilometerbegrenzung gewährt wird (mehr als 150.000 km lässt sich glaube ich nicht buchen).
Was die verklebten Zellen angeht, gebe ich Ihnen grundsätzlich recht, wobei man ja auch mal fragen muss: Wie viele Akkus gehen überhaupt vor dem Auto drum herum kaputt und müssen repariert werden? Tatsächlich ist „Second Life“-Anwendung des Akkus, weil Auto Schrott und Akku gut doch sehr viel häufiger als Akkuwechsel weil Auto gut und Akku Schrott. Ist die Frage, ob man so ein Defizit nicht erstmal in Kauf nehmen muss, wenn man es schaffen will, dass zu wettbewerbsfähigen Preisen eine deutsche Firma in Deutschland Akkuzellen fertigt…und das noch dazu nicht im Oberklasse-Segment, sondern im Massenmarkt.
Ansonsten finde ich aber die Ausstattung des Basis ID.Polos recht gut. So ist z.B. ein großer Touchscreen mit DAB+ Radio und Android Auto/Apple Car Play Serie, während Sie bei Stellantis in der Serie immer häufiger nur eine Handhalterung bekommen, um dann Ihr Handy als Radio und auch das Handydisplay zum navigieren zu nutzen. Ansonsten bin ich mal gespannt, wie sich die Autos dann auf der Straße wirklich schlagen: Bei WLTP-Werten liegt man ja im Verbrauch deutlich besser als Stellantis, BYD und Co in der Fahrzeugklasse. Und als Elroq-Fahrer kann ich sagen: Zumindest da hält man, was man verspricht und im Stadtverkehr (wo Kleinwagen wie der ID.Polo ja die Mehrheit ihrer Fahrten absolvieren werden) ist auch fahren unter WLTP-Verbrauch überhaupt gar kein Problem.
PS: Was die Zölle angeht, gebe ich Ihnen recht. Schon die bisherigen Zölle sollten abgeschafft werden: Wir beklagen einerseits die hohen Kosten in Deutschland, die verhindern würden, dass sich internationale Konzerne hier ansiedeln, und wollen dann gleichzeitig Produkte mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis von unserem Markt fernhalten? SAP, Bayer, Infineon, Allianz, Lufthansa oder Deutsche Bank z.B. stehen sicher nicht besser da oder verlagern mehr Stellen nach Deutschland, wenn man für jeden Dienstwagen hier im Schnitt 5.000 € mehr ausgeben muss…
M. meint
Ich will schon mal sehen, wie ein OEM den Preis damit rechtfertigt, dass die Zellen nicht verklebt sind.
Ich denke, jetzt triften wir ins Phantasieland ab.
MK meint
Und dann?
Zölle, die für alle anderen Firmen z.B. Firmenwagen teurer und/oder schlechter machen, machen den Standort Deutschland sicher nicht wettbewerbsfähiger…und wir leben nun Mal vom Export.
Stefan meint
Viele Autofabriken in Europa lebten bisher vom Export nach Asien und Amerika. Inzwischen kaufen viele Asiaten und Amerikaner lieber wieder lokal und Europa ist wieder der Hauptmarkt.
MK meint
@Stefan:
Welche Autofabriken genau haben denn Ihrer Meinung nach im großen Stil nach Asien oder Nordamerika exportiert? S-Klassen aus Sindelfingen vielleicht. Aber dass bei VW z.B. Wolfsburg, Zwickau oder Emden jemals in bedeutender Stückzahl PKW für außereuropäische Märkte gefertigt hätten, wäre mir neu.
Adrian meint
Wenn die Chinesen so toll sind, können sie ja hier so günstig produzieren. Wir könnten sie auch wie sie uns zu „Partnerschaften“ zwingen ^^
MK meint
@Adrian:
Ich sage nicht, dass „die Chinesen so toll sind“…es gibt aber ja zehntausende Kunden, die sich jedes Jahr in Deutschland für in China gebaute Autos entscheiden und dafür ihre Gründe haben werden…zu den in China gebauten Autos gehören übrigens auch alle Smart-Modelle, der BMW iX, der Cupra Formentor usw…
PS: Den Zwang zu Partnerschaften gibt es auch in China nicht mehr und die deutschen Hersteller hatten alle die Gelegenheit, größere Anteile zu übernehmen (auch weil die chinesischen Hersteller die schlecht ausgelasteten Werke gar nicht mehr haben wollen). Bis auf BMW hat aber kein deutscher Hersteller darauf hin Anteile gekauft, weil auch für deren Bilanz die Werke bei den aktuellen Verkaufszahlen dort pures Gift sind.
M. meint
Die Zusammenhänge solltest du noch klarer ausarbeiten.
Aliveffm meint
Gegenüber China haben wir ein riesiges Defizit und soviel chinesische Autos sehe ich auch nicht in den USA
MK meint
@Aliveffm:
Und was wollen Sie damit jetzt sagen? Dass man hier kein Lego mehr kaufen soll, weil das alles „Made in China“ ist? Oder keine Smartphones, keine Kleidung usw.? Betrachtet man nur Fahrzeuge, sind die Warenströme zwischen Deutschland und China in beide Richtungen doch eher gering.