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Deutsche Autobauer unter Chinas Druck: „Die Glanzzeiten sind vorbei“

24.08.2026 in Autoindustrie von Thomas Langenbucher | 5 Kommentare

Mercedes-China

Bild: Mercedes-Benz

Chinesische Hersteller drängen zunehmend erfolgreich mit Elektroautos und Plug-in-Hybriden in den Markt. Laut Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule, hat die Branche die aktuelle Entwicklung der Plug-in-Hybride von China-Marken vor zwei Jahren falsch eingeschätzt. Während Ende 2024 EU-Strafzölle für in der Volksrepublik gebaute E-Autos beschlossen wurden, blieben Teilzeitstromer mit Stecker von diesen Maßnahmen ausgenommen.

Dieses Schlupfloch entstand durch eine Unterschätzung dieser Technologie als bloße Brückentechnologie, sagte die Expertin im Interview mit dem Spiegel. Viele Verbraucher schätzten die Flexibilität, bei leerer Batterie auf den Verbrennungsmotor zurückgreifen zu können – besonders wenn keine Lademöglichkeiten zu Hause vorhanden seien. Chinesische Hersteller nutzten nun ihre massiven Überkapazitäten, um Fahrzeuge mit hoher Reichweite und günstigeren Preisen nach Europa und Deutschland zu exportieren.

Der aktuelle Marktanteilsgewinn von Marken der Volksrepublik wird maßgeblich durch einen Preiskampf ermöglicht, der von China nun auch nach Deutschland schwappt. So hat in der Sparte der Plug-in-Hybride der chinesische Hersteller BYD bereits den lange führenden VW Tiguan als meistverkauftes Modell abgelöst. Die deutsche Industrie sieht sich zudem mit einem verzerrten Wettbewerb konfrontiert, da China seine heimischen Unternehmen stark reguliert und subventioniert hat.

Zusätzlich zum Preisdruck besteht eine technologische Abhängigkeit von chinesischen Zulieferern, insbesondere im Bereich der Batterien. Um den langfristigen Rückgang der deutschen Automobilindustrie und den damit verbundenen Jobabbau aufzuhalten, könnten Wisbert zufolge neue Zölle auch für Plug-in-Hybride den „extremen Preiskampf“ begrenzen und die Marktanteilgewinne chinesischer Hersteller verlangsamen.

Der Branchenkennerin glaubt nicht, dass die Deutschen nach China nun auch in ihrem Heimatmarkt die Vormachtstellung verlieren. „Vieles spricht dafür, dass es sich teilweise um kurzfristige Effekte handelt“, meinte Wisbert. „Das zeigt sich etwa bei den deutschen Förderprogrammen, von denen ausgerechnet chinesische Hersteller überproportional profitieren. Wenn sich die Preise langfristig annähern, dürfte sich das Kräfteverhältnis wieder verschieben.“

Die wirtschaftliche Situation bleibt für die lange erfolgsverwöhnten deutschen Autohersteller angespannt, da die Gewinne aus dem lange für die Branche sehr lukrativen China-Geschäft massiv eingebrochen sind. Für die Industrie gilt laut Wisbert nun das Ziel, im weltgrößten Automarkt nicht noch mehr Boden zu verlieren. Sie glaubt: „Man muss realistisch bleiben. Es wird nie wieder so, wie es einmal war. Die Glanzzeiten sind vorbei.“

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Via: Spiegel
Tags: China, EuropaAntrieb: Elektroauto, Hybridfahrzeuge

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. South meint

    24.08.2026 um 10:36

    Prinzipiell stimmt die Einschätzung… aber nicht die der Hybride. Bei den Hybriden sind wir schon seit Jahren immer um die 10% Anteil bei den Neuzulassungen. Es sind also nicht vermehrt Kunden auf Sicherheit aus, denn dann müssten ja die BEV stagnieren und die PHEV steigen, aber beides ist ja nicht der Fall. Hybride stagnieren und die BEV steigen stark an.
    Durch die Zölle auf chinesische BEV sind die chinesischen Hersteller nun verstärkt auch auf Hybride umgestiegen, welche, wie er auch selber schreibt, nun heimische Hybride verdrängen, eben weil sie schlicht billiger sind. Die Zölle auf chinesische BEV waren also ein echter Boomerang für die Branche, denn genau an den Hybriden verdienen die Deutschen ja am besten, weil sie genauso teuer wie BEV sind, aber eben deutlich mehr Wartungsaufwand nach sich ziehen.
    Fehlt nur noch eine Rückkehr der Deutschen zum alten Verbrenner, wie es gerade Porsche vormacht, dann dürften so ziemlich alle Wünsche der Chinesen in Erfüllung gegangen sein.
    Aber man muss auch betonen, dass ist nicht in Stein gemeisselt. Die Chinesen haben enormen Druck und machen auch nur wenig Gewinn. Die Deutschen dürfen nen Schnaps teurer sein, aber es muss die eTechnik, die Qualität passen und nur wenn da die Hausaufgaben gemacht werden, gehts auch weiter…

    Antworten
  2. David meint

    24.08.2026 um 09:46

    Das ist ja was ganz Neues. Ein Land vorher ohne eigene Autoindustrie hat dann eine eigene Autoindustrie. Natürlich verändert das die Gewichte. Andererseits wusste man das längere Zeit, denn man kann ja nicht sagen, dass es über Nacht kam. Der Landwind 2005 war das erste Produkt für ausländische Märkte. Trotzdem war und ist die Strategie richtig, weiterhin zu verkaufen, was dort zu verkaufen ist. Zumal man ja durch die Partnerschaften und Gesetze gar nicht im eigenen Risiko steht, wenn man sich von Kapazitäten trennt.

    Klar macht man, was möglich ist – die Autos für China in China von einem chinesischen Team mit chinesischen Partnern entwickeln lassen. Und vor allen Dingen die Verbrenner stehen lassen. Aber am Ende wird der Markt perspektivisch klein und durch Indien ersetzt werden – und nicht zu vergessen durch Brasilien und Südafrika. Langfristig bietet selbst Russland wieder Potenziale. In Indien hat man schon mal einen guten Anker.

    Jetzt ist es eine Phase, die für alle Automobilhersteller herausfordernd ist, zumal Amerika seinen Markt mit Zollschranken abgrenzt. VW steht aber gegenüber den anderen Herstellern glänzend da, man macht mehr Gewinn pro Auto als Tesla, wo ja angeblich die Autos mit 40 % Rendite im Millisekundentakt aus der Druckgussmaschine fallen. Insofern gilt es jetzt nur, die Politik und die Gewerkschaften auf Kurs zu bringen und dann läuft alles. Und das macht man gerade.

    Antworten
  3. Futureman meint

    24.08.2026 um 09:26

    Bei den steigenden Hybrid-Verkaufszahlen der Chinesen zeigt sich, wie schnell dort reagiert wird. Kaum gab es die Zölle auf E-Autos wurde das Modell sehr schnell auf die Hybrid-Autos ausgeweitet. Denn gerade in dem Bereich gehen die Verkaufszahlen in China zurück und die Hersteller freuen sich, in Europa ihre Resterampen los zu werden. Bei den Entwicklungszyklen in China sind Autos, wenn sie beim Kunden in Deutschland ankommen eigentlich schon wieder veraltet aber trotzdem meist moderner als die Modelle der deutschen Hersteller. Das Auto entwickelt sich halt immer mehr zu einem Elektronikprodukt.

    Antworten
    • Htr meint

      24.08.2026 um 09:58

      Und wie du passend beschieben hast zum Wegwerfauto mit einer kürzeren Lebenszeit. Das kubelt den Absatz und Gwinn an :)

      Antworten
    • eBikerin meint

      24.08.2026 um 10:41

      Ich weiss ja nicht wo du so deine Information her hast – aber zum Beispiel schreibt Electrive zum Mai, dass dort sowohl BEV als auch Plug-In Verkäufe (nicht Exporte ) in China gewachsen sind. BEV zar stärker aber irgendwie passt das nicht zu deiner Aussage.

      Antworten

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