Fastned ist einer der großen Anbieter von HPC-Stromtankstellen (High Power Charging) in Europa. In seinem jüngsten Geschäftsbericht meldet das niederländische Unternehmen laut dem Portal Electrive 346 aktive Ladestandorte mit 2.109 Ladepunkten in Europa. Letzteres sei ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Allein 2024 sind den Angaben nach 50 Ladeparks hinzugekommen. Die Anzahl der Ladevorgänge stieg laut Fastned um 35 Prozent gegenüber 2023 auf gut 5 Millionen. Dabei wurden 2024 etwas mehr als 140 GWh erneuerbare Energie abgegeben (+41 % YoY).
In den Niederlanden betreibt Fastend 181 Standorte, in Frankreich und Deutschland 44 beziehungsweise 42. Im letzten Jahr kamen in Frankreich sechs, in der Bundesrepublik drei Standorte hinzu. Weitere bediente Märkte sind die Schweiz (10 Standorte), Belgien (36), Dänemark (3) und Großbritannien (30). Im laufenden Jahr sollen auch erste Stationen in Italien und Spanien entstehen. Als weitere Zielmärkte nennt Fastned Polen und Irland.
2024 hat Fastned 139 Standorte erworben und seiner „Pipeline hinzugefügt“. Im Betrieb oder in der Entwicklung hat man aktuell somit 569 Standorte. Dazu schreibt Fastned: „Im Laufe des Jahres 2024 haben wir bedeutende Ausschreibungserfolge erzielt (z. B. bei der Deutschlandnetz-Ausschreibung in Deutschland) und innovative neue Partnerschaften geschlossen, wie z. B. mit Places for London. Allein im ersten Quartal 2024 wurden mehr Standorte gesichert als im gesamten Jahr 2023.“
2024 erzielte Fastend das zweite Jahr in Folge ein positives EBITDA. Es betrug 7,4 Millionen Euro, gegenüber 4,6 Millionen Euro im Jahr 2023. Unter dem Strich ergab sich jedoch ein Minus von 26,6 Millionen Euro. Das waren 38 Prozent mehr Verlust als die 19,3 Millionen Euro im Jahr 2023. Den Umsatz beziffert das Unternehmen auf 86 Millionen Euro (+43 % YoY). Die Jahreseinnahmen pro Station stiegen auf 270.000 Euro (+21 % YoY), während das Jahresvolumen pro Station auf 440 MWh wuchs (+20 % YoY).
Die Kostentreiber im Unternehmen sind laut Electrive die mit der Netzgröße steigenden Betriebsausgaben und die Aufwendungen für die Expansion. Erstere lagen 2024 bei knapp 36 Millionen Euro (nach 21 und 12 Mio. Euro in den Jahren 2023 und 2024). Die Ausgaben für die Erweiterung des HPC-Netz beziffert Fastned auf 23 Millionen Euro (nach 15 und 12 Mio. Euro in den Jahren zuvor).
Management gibt sich zuversichtlich
Auf der Einnahmeseite nennt Fastned für 2024 unter anderem einen Kapitalzustrom von 82 Millionen Euro aus drei Anleiheemissionen, was „die anhaltende Unterstützung unserer Investorengemeinschaft demonstriert“. Das positive Finanzwachstum sei „in einem für die Branche turbulenten Jahr“ gelungen.
Michiel Langezaal, Mitbegründer und CEO von Fastned: „Ich bin sehr erfreut über unsere sehr ermutigenden Ergebnisse im Jahr 2024. Unsere Markteinführung beschleunigt sich weiter, und unsere hervorragende Wirtschaftlichkeit der Ladestationen hat zu Rekordumsätzen und einer führenden Position auf dem Schnelllademarkt geführt.“ Das Ziel von 1.000 Ladeparks bis 2030 behält Fastned bei.


Monica meint
Mit Ladesäulen lässt sich nur Geld verdienen, wenn man den Strom als ursprünglicher Energie Hersteller vermarkten kann. Oder wie dieser komischen US BEV Hersteller die Ladesäulen so saugünstig in Massen herstellen kann, das man an der A9 und A3 alle 20 KM fuffzisch Stück pro Standort davon hinstellen kann.
by the way, Fastned ist mir bisher auf den letzten 300.000 KM Langstrecke noch nie aufgefallen. Vl. auch ein Grund warum die nix an Geld machen.
Fred Feuerstein meint
Wenn man mit einem Dacia Sandero durch die Gegend fährt, braucht man wohl keine Ladesäule.
Monica meint
Ruf Burny an, und sag Wilma das du Hunger hast.
McGybrush meint
Aufgrund der Preise ist Fastned für mich defacto nicht existent.
In meiner Wahrnehmung existiert diese Firma nicht. So doll das ich die Preise aktuell nicht mal mehr weiss ob sie immer noch absurd hoch sind. Aber 2020/2021/2022 unbezahlbar. Daher hab ich sie in meiner Alltagsroutine nicht im Kopf und die App in einem Ordner verschoben.
Bei mir ein schlechtes Zeichen wenn eine App in einem Ordner verschwindet.
Gunnar meint
Geht mir ganz genauso mit dem kleinen Unterschied, dass ich die App gelöscht habe.
Elvenpath meint
Schade. Und nicht sehr intelligent. FastNed bemüht sich massiv um den Aufbau der Ladeinfrastruktur.
Und falls dir das nicht klar ist: Das kostet richtig viel Geld. Eine DC-Ladesäule liegt bei über 100.000 mit allem drum an dran.
MichaelEV meint
Deswegen ist der Vergleich mit Tankstellen so herzzerreißend naiv.
Alleine die HYC400 kostet ungefähr 100.000 €. Für eine Zapfsäule hatte ich letztens ungefähr einen Preis von 20.000 € gefunden. Die Zapfsäule liefert 40 l/min, die Ladesäule 400 kW/h.
Bei 8l beim Verbrenner und 20 kWh beim BEV würde die Zapfsäule 500 km Reichweite pro Minute abgeben. Eine gleich leistungsfähige Ladesäule müsste ungefähr 6 MW haben. Auf die selbe Abgabeleistungen von 500 km Reichte pro Minute gebracht steht es 20.000 € zu 1.500.000 € (Faktor 75).
Peter meint
Allerdings muss der Sprit auch zur Zapfsäule kommen (nur der Transport). Und das erzeugt halt auch Folgekosten bei der Zapfsäule, die in Summe nach gewisser Zeit sicherlich höher sind, als ein Netzanschluss einer Ladesäule.
Aber die Betrachtung in „gelieferter Reichweite pro Zeit“ ist dennoch ein interessante Betrachtungsweise.
MichaelEV meint
Für Tankstellen hätte man ja schon immer Pipelines nutzen können, wäre wohl ein Vielfaches teurer gewesen. Und auch wenn der Transport an der Stelle ein Vorteil wäre, ist hier der Knackpunkt die Auslastung. Hohe Kosten für den Netzanschluss und geringe Auslastung = hohe Kosten pro kWh
Um das zu kompensieren bräuchte es Speicher. Und hier kommt man zum nächsten großen Vorteil für Tankstellen: große und im Vergleich sehr günstige Speicher.
Die Betrachtungsweise ist speziell, soll aber zeigen, wie groß die Unterschiede sind und eine Ahnung geben, wie wichtig die Auslastung der Ladeinfrastruktur ist.
Möchte man z.B. punktuell (z.B. an einer Raststätte) den Spitzenbedarf im Reiseverkehr, der 100-200h im Jahr auftritt, von 100 Autos pro h mit einem Reichweitenbedarf von 500km abdecken:
100 Autos/h mit einem Bedarf von 40l benötigen 4000 l/h. Der Bedarf wird von 1,6, aufgerundet 2, Zapfsäulen abgedeckt. Kosten 40000€.
100 Autos/h mit einem Bedarf von 100kWh benötigen 10000 kWh/h. Der Bedarf wird von 25 HYC 400 (mit 50 Ladepunkten, Fläche kostet) abgedeckt. Kosten 2,5 Millionen.
Es kann nicht verwundern, dass die Fixkosten pro kWh bei Ladestrom einen ganz anderen Stellenwert einnehmen (und extrem problematisch bei niedrigen Auslastungen werden).
Gunnar meint
Warum nicht sehr intelligent? Soll man freiwillig jemandem mehr Geld zahlen, obwohl anderswo der Strom günstiger ist? Was soll der Mist? Das ist ein harter Kampf. So ist es nun mal. Wenn ich wo anders adhoc anstatt 73 ct nur 49ct zahle, dann ist mir egal, wie sehr sich FastNed bemüht.
MichaelEV meint
Und sind die 49 Cent vergleichbar (Standort, Ladeleistung, Ausstattung, Anzahl Ladesäulen bzw. deren Verfügbarkeit) oder ggf. subventioniert (kommunale Ladeinfrastruktur, Supermärkte)?
Thorsten 0711 meint
MichaelEV: Gemeint sind die Ladesäulen von JET Tankstellen.
MichaelEV meint
Danke für die Antwort.
Die Relevanz von JET ist aber doch ziemlich dürftig, aber das darf jeder für sich persönlich bewerten.
Das JET und Fastned in direkter lokaler Konkurrenz zueinander stehen gibt es aus meiner Sicht nur ein Mal in Deutschland (Giengen an der Brenz).
Thorsten 0711 meint
MichaelEV
Gerne!
Ich sehe JET jetzt auch als nicht als sonderlich relevant an, könnte nicht einmal eine einzige in meiner Umgebung benennen.
Jedoch sehe ich als Laternenparker das Signal als sehr gut an. Tankstellen sind etabliert, bieten Toiletten und Shops und wenn in Zukunft die Ladezeiten näher an den Tankzeiten liegen so dürften das mehr Menschen ansprechend finden. Ran an die Tanke, Auto bequem per P&C oder Ad hoc laden und kurz ein Käffchen trinken, würde sicher für viele passen.
0,49 Cent / kWh sind außerdem auch günstiger als Diesel/Benzin und in etwa gleichauf mit LPG.
MichaelEV meint
Ich kann Tankstellen nichts abgewinnen. Das Rennen werden andere Lokationen machen (Supermärkte, Einkaufszentren, Restaurants).
„0,49 Cent / kWh sind außerdem auch günstiger als Diesel/Benzin und in etwa gleichauf mit LPG“
Das ist doch mal eine Erkenntnis. Die Ladepreise sind häufig konkurrenzfähig, das Problem liegt bei zu hohen Preisen für die BEVs. An der Schraube muss gedreht werden.
E.Korsar meint
Du fühlst Dich intelligent, wenn Du 0,73€ pro kWh bezahlst? Interessant. Aber bitte nicht das Gold-Member-Abo benutzen, sonst treibst Du FastNed noch in den Ruin. 30% Rabatt! Da werden die Anleger erfrieren und verhungern.
Thorsten 0711 meint
Ad hoc: € 0,73
„Gold Member“: 30% Rabatt auf den Standard-Tarif plus € 11,99 pro Monat
fastnedcharging.com/de/laden/tarife
Keine weiteren Fragen!
Karl S. meint
Zitat Fastnetcharging.com/de/tarife:
Zum 3. März 2025 haben wir unsere Preise als Antwort auf die Inflation und die gestiegenen Kosten für Netzentgelte wie auch den Bau unserer Stationen angepasst. Wir sind entschlossen, die Energiewende und den Umstieg auf elektrisches Fahren weiter zu beschleunigen und für alle möglich zu machen. Daher haben wir beschlossen, nur einen Teil der effektiven Kostensteigerung auf unserer Seite weiterzugeben. Diese Anpassung ermöglicht es uns, weiterhin das beste Ladeerlebnis zu bieten. Unsere aktuellen Preise findest du hier auf der Website, in der Fastned App und auf den Bildschirmen der Ladesäulen.
Thorsten 0711 meint
Ja, und Karl? Man kann mehr Gewinn auch mit mehr Umsatz bei weniger Marge realisieren.
55 Cent für das kW/h bei 11,99€ Grundgebühr ist ein Kundenverhinderer. Bei neuen Geschäften ist es völlig normal erst einmal kräftig zu investieren bevor die Gewinnzone erreicht wird. Dazu gehört auch Kundengewinnung und nicht Kundenvermeidung.
Wie viele Jahre hat zb Tesla gebraucht um Gewinne zu erwirtschaften?
MichaelEV meint
„Man kann mehr Gewinn auch mit mehr Umsatz bei weniger Marge realisieren“
Oder, sehr viel wahrscheinlicher, man erzielt deutlich weniger Umsatz und Gewinn (weil die Nachfrage sehr unelastisch ist).
Es ist davon auszugehen, dass Fastned die eigene individuelle Situation am besten einschätzen kann.
Thorsten 0711 meint
Schon klar MichaelEV.
Andere können es wohl besser oder werden quersubventioniert?
3 Beispiele:
Ionity 69 Cent Ad hc
EnBW 59 Cent ohne Grundgebühr oder 49 Cent mit 2€ günstigerer Grundgebühr
EWE Go 52 Cent ohne Grundgebühr
MichaelEV meint
Zu den drei Beispielen dann bitte noch ähnlich detaillierte Geschäftsberichte wie bei Fastned, anhand der Preise kann man nicht ansatzweise bewerten, wer es besser kann.
20 Millionen mehr oder weniger gehen bei EnBW schnell unter, bei Fastned entscheidet sich damit ggf. die Existenz.
Das tolle an Fastned aus externer bewertender Sicht ist, dass Fastned vergleichsweise transparent ist. Das Problem aus der Sicht von Fastned wiederum ist, dass sie so transparent sind. Bei schlechten Zahlen ziehen Anteilseigner und Gläubiger schnell die Vollbremse, während bei der Größe von EnBW die schlechten Zahlen verschwinden und das frische Geld kaum ein Problem ist.
Ionity ist durch die Beteiligung vieler Autohersteller sowieso ein ganz anderes Thema.
Thorsten 0711 meint
MichaelEV
Mit Geschäftsberichten kann ich jetzt nicht diesen, auch bin ich kein Betriebswirt um diese fachkompetent bewerten zu können. Daher mein Hinweis auf die Quersubventionierung.
Generell begrüße ich jede neue Ladesäule und mir sind durchaus die hohen Kosten für den Aufbau, Anschluss und den Unterhalt eines HPCs bewusst. Mir persönlich bringt es aber rein garnichts wenn die aufgerufenen Preis unattraktiv sind. Als ein auf öffentliche Ladepunkte angewiesener Laternenparker wider Willen der zudem auch nicht auf den Luxus einer Lademöglichkeit beim Arbeitgeber zurückgreifen kann… bleibe ich außen vor. Ein Kaufmann in der Industrie ordert wegen wenigen Eurocent Ersparnis bei einem anderen Lieferanten. Und ich soll für das öffentliche Laden 100% Aufschlag (mal mehr, mal weniger) zahlen? Eine derart agierende Firma wäre in absehbarer Zeit insolvent oder sogar pleite.
MichaelEV meint
Bei Fastned sollte man sich als Deutscher vielleicht einfach nicht so wichtig nehmen. Niederländisches Unternehmen, mehr als die Hälfte Umsatz in NL bzw. 2/3 NL+BE, nur in NL ein dichtes Netz (da dafür richtig) und in DE liegen die Fastned-Stationen hauptsächlich an den Hauptreiserouten Richtung Süden für BENELUX.
Wirkt ganz so, als würden deutsche Kunden BISHER gar nicht im Fokus steht (mit den vielen neu geplanten Standorten in DE scheint sich das zu ändern, ggf. verbunden mit anderen Preisen).
Auch sollte man als Laternenparker nicht jedes Ladeangebot auf den eigenen Bedarf projizieren. Ladeinfrastruktur fürs Alltagsladen lässt sich durch die Ausprägung der Auslastung als Ladeinfrastruktur für Fernreisen, die ggf. für Spitzenbedarfe ausgelegt sind, die nur selten auftreten (wenig Auslastung = teuer).
100% Aufschlag zu was? Der Preis an öffentlicher Ladeinfrastruktur inkludiert alle Kosten. Und ein Vergleich nur mit dem Arbeitspreis zu Hause funktioniert nicht.
MichaelEV meint
Da sind die ausufernden unmoralischen Gewinne der Ladesäulenbetreiber. Leider ist aber das Vorzeichen das falsche.
Mäx meint
Nun ja
> Jahreseinnahmen pro Station stiegen auf 270.000 Euro
> EBITDA von 7,3 Mio. €
Man expandiert eben, daher bleibt unterm Strich ein Minus.
Der Geschäftsbetrieb ist aber erstmal positiv.
MichaelEV meint
Würdest du ein Unternehmen führen oder zur Arbeit gehen, wenn dich oberflächlich ein kleiner Gewinn anschaut, nach Abzug aller Kosten aber ein dickes Minus übrig bleibt?
„Der Geschäftsbetrieb ist aber erstmal positiv.“ Nun ja, beim Geschäftsbetrieb kann man Abschreibungen etc. nicht einfach exkludieren. Unterm Strich ist der Geschäftsbetrieb bisher hoch defizitär.
Dieses Geschäft bedingt sehr hohe Investitionen. Die Abschreibungen auf diese Investitionen auszublenden, was soll man mit dieser Perspektive anfangen, die ist doch nichts wert.
Das Thema ist, das man mit den angeblich so großen Gewinnen (selbst das EBITDA ist nicht groß) niedrige Preise ableiten will. Der Durchschnittspreis waren laut meiner Rechnung 61,4 Cent/kWh. Alleine eine Preisreduktion auf 51,4 Cent/kWh würde 14 Millionen weniger Umsatz bedeuten. Damit wäre der Verlust knapp 40 Millionen bei 72 Millionen Umsatz und sogar beim EBITDA steht ein Verlust von 6,6 Millionen.
David meint
Entfernt. Bitte verfassen Sie konstruktive Kommentare. Danke, die Redaktion.
Gunnar meint
Durch eine Reduzierung der Preise geht normalerweise die Auslastung hoch. Den konkreten Anstieg vorauszusagen, ist die Gretchenfrage.
Milchmädchenrechnung: halbierter Preis und dadurch evtl. doppelte Auslastung ergibt die gleichen Einnahmen.
MichaelEV meint
5,x% Preisreduktion reichen, damit das EBITDA negativ ist.
Eine Halbierung im Schnitt auf 30,7 Cent/kWh wurde erstmal 43 Millionen Umsatz, ein EBIDTDA von -35,6 und ein Verlust von 65,6 bedeuten (größer als der Umsatz).
Die Nachfrage speist sich erstmal nur aus dem BEV-Bestand und die Ladesäulenanbieter haben überwiegend ähnlich schlechte Auslastungen. Wenn Fastned sich mehr vom Kuchen nehmen will, bekommen andere noch weniger. Konkurrenten geben auf oder wehren sich durch Preisanpassungen, womit der Ausgangszustand bzgl. der Auslastungen wiederhergestellt wird (und die Anbieter finden sich in einer destruktiven Situation wieder).
Die niedrigeren Preise reizen BEV-Neufahrzeuge an. Die Frage ist, in welchem Umfang und mit welcher zeitlicher Verzögerung. Wann kehrt man zum jetzigen Gewinn (oder eher Verlust) zurück und wie viele Millionen hat man in der Zeit in den Sand gesetzt, ohne erstmal überhaupt für das Unternehmen etwas positives erreicht zu haben? Wie honorieren meine Stakeholder diese Entscheidung? Würde die Investorengemeinschaft noch Unterstützung demonstrieren und 82 Millionen in einem Jahr investieren oder sind die raus bzw. was wollen sie als Risikoaufschlag sehen? Was passiert mit der Aktie, wie weit prügelt es die runter? Ggf. so tief, dass der Wert der Ladeinfrastruktur den der Aktie bei weitem übersteigt, Fastned wird aufgekauft und unter neuem Namen zu alten hohen Preisen weitergeführt.
Und wer sagt überhaupt, dass dieser Anreiz bis zum Kunden durchschlägt? Die Autohersteller wollen bisher nur ihre Zwangsvorgabe durch die CO2-Flottengrenzwerte erzielen. Wahrscheinlicher ist, dass dieser Anreiz einfach in die Tasche der Hersteller wandert, weil sie die selbe Menge absetzen wollen und durch den Anreiz leicht höhere Preise erzielen können.
Der Kern der Frage ist doch überhaupt, warum die Ladesäulenanbieter überhaupt für einen BEV-Anreiz sorgen sollen. Die Initialen 43 Millionen Verlust durch eine Halbierung ist für Fastned existenzbedrohend, für die Autohersteller sind 43 Millionen bei Milliardengewinnen kleine Peanuts.
Die Ladesäulenanbieter können einfach in die vorhandene zu große Ladekapazität hineinwachsen, wenn sie den Ausbau drosseln/einstellen. Das wäre der einzige gangbare Weg in der Situation der Ladesäulenanbieter um die Preise zu senken.
Die Autohersteller dagegen sind auf Wachstum des BEV-Absatzes angewiesen, um mit hohen Stückzahlen die Stückkosten zu senken und im zukünftigen Automarkt selber eine Zukunft zu haben. Hier besteht eigentlich das originäre Interesse für BEV-Anreize und bisher auch viel Spielraum durch Milliardengewinne, um diesen auch leisten zu können.
Tommi meint
@Gunnar: „halbierter Preis und dadurch evtl. doppelte Auslastung ergibt die gleichen Einnahmen.“ Doppelte Auslastung bedeutet doppelt so viel Strom im Einkauf. 61 Cent/kWh bedeutet nicht 61 Cent/kWh Einnahmen.
Kaufe ich Strom für 20 Cent und verkaufe für 60, dann habe ich einen Deckungsbeitrag von 40 Cent.
Halbiere ich den Preis verkaufe ich dann 2 kWh für 60 Cent, muss aber 40 Cent bezahlen. Bedeutet dann einen Deckungsbeitrag von 20 Cent.
Ob die Zahlen irgendwas mit der Ralität zu tun haben, weiß ich nicht. Das ist einfach nur Kostenrechnung.
MichaelEV meint
Unter der sehr optimistischen Annahme, dass sich bei einer Halbierung des Preises die Absatzmenge verdoppelt, bleiben Umsatz und Fixkosten gleich, die variablen Kosten aber verdoppeln sich.
Aus meiner Sicht sollten die variablen Kosten (Strombeschaffung, Arbeitspreis) 13 Cent/kWh sein. Multipliziert mit 140 GWh ergeben sich zusätzliche variable Kosten von 18,2 Millionen €, die das Ergebnis mindern.
Preise werden ja nicht gewürfelt. Es ist davon auszugehen, dass Fastned mit den jetzigen Preisen für sich das bestmögliche Ergebnis erzielt (zumindest nimmt Fastned das an, eine Bestätigung dafür kann es geben).
Gunnar meint
Deswegen schrieb ich „Milchmädchenrechnung“.
MichaelEV meint
eine Bestätigung dafür kann es NICHT geben
Elvenpath meint
Ladesäulen wachsen nicht auf Bäumen. FastNed investiert massiv und muss auch zusehen, dass dieses Geld einigermaßen wieder reinkommt.
MichaelEV meint
Klar, genau darum geht es mir ja.
E.Korsar meint
Wenn man ein Produkt verkauft, welches bei jedem Verkäufer die selbe Qualität hat, dann sind die Kunden preissensitiv. Da bezahlt der Kunde nicht einfach so 20% mehr. Dann gehen die Stückzahlen – hier kWh – runter und am Ende auch der Umsatz.
MichaelEV meint
Was bedeutet denn „selbe Qualität“? Gleicher Standort, gleiche Ladeleistung, gleiche Ausstattung?
Und wer sagt, wie viel der andere Anbieter dabei drauflegt?
Airbrush meint
Wer nicht Zuhause laden kann ist also auch in Zukunft der Gelackmeierte, weil die Preise an den Ladesäulen immer weiter steigen, egal wie günstig der Strom eingekauft wird?
Future meint
Ich lade nur öffentlich und zahle dafür an AC in meinem Stadtviertel an den beiden Hubs in der Nähe 42 Cent. Das ist ok und immer noch viel billiger als Benzin, denn ich habe einen Jahresverbrauch von 12,5 kWh/100 km. Natürlich ist es auf Fernstrecken teurer an DC – aber das betrifft ja alle.
MichaelEV meint
„weil die Preise an den Ladesäulen immer weiter steigen, egal wie günstig der Strom eingekauft wird?“
Das ist eine unsinnige Stammtischparole. Die Lösung ist ziemlich einfach, Autohersteller müssen mehr Autos verkaufen, mit höheren Auslastungen werden niedrigere Preise möglich.
Der Hochlauf der Ladeinfrastruktur und der BEVs muss möglichst synchron passieren, ein auseinander driften erzeugt entweder zu hohe Ladepreise (wenn zu viele Ladesäulen) oder andersherum zu wenig Ladesäulen.
Wenn Autohersteller einseitig ihre Planungen zurückfahren, entsteht die jetzige Situation.