CATL, der weltgrößte Batteriehersteller, prüft eine Ausweitung seiner Batteriewechsel-Technologie auf Europa. In einem Interview mit der Financial Times erklärte Manager Jiang Li, der Batterietausch habe in Europa „enormes Potenzial“, um Batterien günstiger und langlebiger zu machen.
Laut Li hat CATL mit hiesigen Autoherstellern bereits über den Einsatz der Wechseltechnologie diskutiert. In China soll das Batteriewechsel-Netz bis Ende 2025 auf 1.000 Stationen für Pkw wachsen, ergänzt um 300 weitere für E-Lkw. In Zusammenarbeit mit Partnern sollen in den kommenden drei Jahren sogar 10.000 Wechselstationen gebaut werden.
Das Prinzip unterscheidet sich deutlich vom herkömmlichen Laden: Statt fest verbauter Akkupacks ermöglichen Wechselstationen einen schnellen Tausch leerer gegen volle Batterien. Dadurch entfallen lange Ladezeiten. Kunden müssen die Energiespeicher nicht kaufen, sondern mieten, was den Preis der E-Fahrzeuge reduziert.
Außerhalb Chinas konnte sich das Modell bislang kaum durchsetzen. Der Hauptgrund sind die hohen Investitionen für die Infrastruktur. Eine Ausnahme ist der chinesische Elektroautobauer Nio, der in Europa rund 60 Stationen betreibt. CATL könnte hier jedoch eine neue Dynamik bringen – auch im Hinblick auf regulatorischen Druck aus Brüssel, der chinesische Anbieter zu Kooperationen mit europäischen Firmen drängt. „Wir sind offen für Kooperationen, insbesondere in Forschung und Entwicklung“, sagte Jiang Li.
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Bereits im Dezember 2024 hatte CATL zwei neue Akkumodule seines Choco-SEB-Systems vorgestellt, das standardisierte Tauschvorgänge ermöglichen soll. Die Blöcke mit den Bezeichnungen 20# und 25# sind für verschiedene Radstände konzipiert und sollen in mehreren Fahrzeugmodellen zum Einsatz kommen. Erste Elektroautos wie der Oshan 520 nutzen das System bereits.
Noch in diesem Jahr sollen zehn weitere Pkw-Modelle auf den chinesischen Markt kommen, die mit CATLs Wechselbatterie-System kompatibel sind. Für E-Lkw ist ein drittes Akkumodul mit der Bezeichnung 75# in Vorbereitung.
Parallel verdichten sich Hinweise, dass CATL auch am Batteriewechsel-Geschäft von Nio interessiert ist. Medienberichten zufolge könnte der Batteriehersteller die Mehrheit an Nio Power übernehmen, der Tochter von Nio für das Energiegeschäft. Beide Unternehmen hatten im März eine umfassende Partnerschaft angekündigt, die auch Investitionen von umgerechnet über 310 Millionen Euro umfasst. Nio soll zudem seine neue Kleinwagen-Marke Firefly teilweise auf das Choco-SEB-System von CATL umstellen wollen.

Sebastian meint
Wenn ich dann 10 Min. im Auto sitzen muss weil ich live dabei sein muss, wenn der tolle Akku getauscht werden wird, dann möchte ich min. 50 Euro in bar erhalten – und den vollen Akku natürlich auch dazu. Weil ich hab echt die Zeit nicht für so einen Käse! Hallo CATL, habt ich das Geld übrig? Kann sein das eure Marketing Opfer in China da voll drauf ab fahren…
Jörg2 meint
So wie beim Danebenstehenbleiben in der Verbrennerwelt?
Im Ernst:
Technisch muss kein Fahrer im Fahrzeug bleiben, wenn der Akku getauscht wird.
Warum Nio (z.B.) den Fahrer im Auto haben will, hat wohl eher etwas mit Haftpflicht etc. zu tun.
M. meint
„So wie beim Danebenstehenbleiben in der Verbrennerwelt?“
Das sind aber weder 10 Minuten, noch für 350 km. Und das Modell auf die „neue Zeit“ übertragen – was bringt das?
Bein Verbrenner geht’s halt nicht anders.
Und, ob Haftpflicht oder aus welchem anderen Grund, das ist mir am Ende auch egal.
Ich stehe noch dummer rum als beim Verbrenner, darf dafür monatliche Miete zahlen – aber könnte es anders haben. Witz komm raus.
Aber ist ja ein freies Land – noch.
Jörg2 meint
Dann gibts nur 20EUR an der Tanke.
M. meint
Es gibt Geld? Wofür genau?
Sebastian meint
Jörg2 meint
……
ich steh jede Woche beim Tanken neben dem Auto, dauert selbst im worst case 8 Min. (nach ingesamt 2 Mio. KM) dann hat der Pickup aber min. 890 KM echte KM im Tank. Warum sollte ich in einem Nio die selbe Zeit sitzen, dann umparken um endlich meine Ladepause nach 350 KM zu machen?
ich bitte um Aufklärung.
M. meint
In einem komplett auf Taxidienste ausgelegtem autnonomen Fahrzeug wie dem Zoox könnte ich mir das vorstellen. Das kann man dafür entwickeln, und (sobald es funktioniert) im Grunde weltweit vertreiben.
Aber nicht mal da bin ich mir sicher, dass man das braucht. Solche Taxis haben auch Standorte, an denen sie auf Fahrgäste warten, da könnte man bis 2030 ebenso gut Induktive Ladepunkte integrieren. Das läuft nochmal eine ganze Ecke einfacher als ein Wechsel der Batterie im 4- oder 8-Stunden-Rythmus. Die 3 oder 5 Minuten, das ist ja nur die reine Wechselzeit, nicht die An- und Abfahrt, die kommt dazu. Und die konkurrieren dann mit 5x 5 Minuten induktiver Ladezeit pro Stunde.
Für die meisten Privatleute sehe ich da – langfristig – keinen Usecase. Wer zu Hause (oder sonstwo…) problemlos laden kann, für den ist das System teuer und umständlich. Die Batterien werden auch immer langlebiger, das wird auch in einigen Jahren kein Thema mehr sein. Mir wäre das keinen einzigen Cent extra wert.
Bleiben noch die Menschen in Großstädten. Aber haben die nicht andere Probleme, wie z.B. überhaupt mal einen Parkplatz finden? Nicht vor der Tür, sondern überhaupt in Wohnortnähe?
In Berlin, München und Stuttgart fahre ich (wenn ich mal da bin) lieber ÖPNV. Oder Taxi.
CJuser meint
Grundsätzlich durchaus interessant, wenn es keine Insellösung von nur einem Hersteller ist. In der nächsten Dekade werden Wechselsysteme aber wohl eh uninteressant. Ich rechne dann durchaus mit einem Update der grundsätzlichen Ladetechnik in Ladeparks auf 1000-1200V und deutlich über 500 kW Ladeleistung.
Mäx meint
Also ich bin ehrlich.
Guckt man sich den AMG GT-XX an, dann hat der wohl 114kWh Akku und kann im unteren Akkubereich 850kW Durchschnitt schaffen.
Das wären kombiniert mit der 5 Minuten Angabe ca. 70kWh.
Wenn ich jetzt einfach nur mal mit 400kW also 800V und 500A rechne wären die 70kWh in 10 Minuten nachgeladen…kein Beinbruch und alles mit bisheriger Standardtechnik.
Klar wäre es schneller möglich, aber 400kW die ganze Zeit anliegend zu haben von 10-80% reicht bei den aktuellen ~100kWh Akkus allemal.
Lanzu meint
Ich sehe auch am ehesten kommerzielle Nutzung als Geschäftsfeld. In China gibt es das wohl häufiger bei Taxidiensten. Für solche Betriebe in denen die Fahrzeuge dauerhaft genutzt werden und es keine Pausen an festgelegten Orten gibt, kann das funktionieren.
Wirtschaftlich sieht es für solche System aber besser aus als vor einigen Jahren, insofern die Akkupreise deutlich nach unten gegangen sind und es Überkapazitäten in der Produktion gibt. Da sehe ich CATL auch in besserer Position als Nio. Gleichzeitig ist natürlich die Konkurrenz des Schnellladens deutlich verbessert worden.
Eine mögliche Option könnten noch Bewohner von Mehrfamilienhäusern sein. Immer schnell zu laden oder eine langsame Ladestation zu suchen, ist zwar möglich, aber ggf. mit Nachteile gegenüber dem Wechseln verbunden. Groß sehe ich die Chance aber dort nicht, das hängt aber auch mit den Preisen der jeweiligen Systeme zusammen. Im Moment sieht beides eher teuer aus -.-
Dieseldieter meint
Schätze CATL kann Bedarfe und Möglichkeiten schon ganz gut einschätzen – mir käme so etwas flächendeckend ausgebaut entgegen.
M. meint
Tja, dann bin ich mal gespannt, wie viele Dieseldieters es (global) wirklich gibt, wenn die dafür den eigenen Geldbeutel aufmachen sollen.
Bei Firmenwagen kann man das ja gut abnicken. ;-)
Dieseldieter meint
Ärgerlich dass sie ein großer Konzern und Batterieexperte nun auch in eine Richtung geht, in die sich im Fall von Nio hier immer süffisant lustig gemacht worden ist.
Ach halt – ich hab die Lösung – das sind wahrscheinlich alles sächsische Glatzköpfe🤭
M. meint
Naja, es waren nicht alles blutige Anfänger, die aus China kommend dachten, sie schieben ihre Idee, ihr Geschäftsmodell oder ihr Produkt hier mal einfach über.
Da sind ein paar große Firmen dabei, die dann von einem „verwirrenden Markt“ sprechen. So, als hätte es ihnen keiner gesagt, dass das hier gar nicht China ist.
Und ich hab gar kein Problem damit, wenn die das hier machen. Ich hätte nur ein Problem damit, wenn die das mit meinem Geld machen würden. Aber das kann ich ausschließen.
;-)
Jörg2 meint
Mir fällt da für Wirtschaftsräume mit leistungsfähiger Ladeinfrastruktur, außerhalb von Speziallösungen (dann wohl eher in einem geschlossenen System: Fahrzeug, Akku, Wechselstation in einer wirtschaftlichen Hand) kein halbwegs funktionierendes Geschäftsmodell für soetwas ein.
Das chinesische Anbieter, die soetwas in ihrer Produktpalette haben, in anderen Märkten (hier EU) testen, ob es wirtschaftlichen Sinn ergibt, ist für mich nachvollziehbar. Ich vermute aber, es ist es ein Test in Richtung Testergebnis: Es geht tatsächlich nicht.
Aber vielleicht hat das alles garnichts mit uns zu tun. Vielleicht geht es im Kern um die Durchsetzung eigener Lösungen als Standardlösung (Normung) für und auf dem chinesischen Markt. Wir sind da nur ein Nebenplatz. Vielleicht gibt es auch schlich einen Fördertopf, beim dem der Boden noch bedeckt ist.
South meint
Bei PKW geben Wechselaccus und auch Accumiete im Grunde keinen Sinn mehr. Gut, ist erst wenige Jahre her, aber bei den ersten E Autos mit kleinen Accus und geringer Ladeleistung hätte das noch grob Sinn ergeben, aber die Technik hat sich rasant weiterentwickelt und es sind sogar noch weitere Sprünge zu erwarten.
Accumiete wird verschwinden (ist ja auch schon verschwunden), weil bald absehbar ist, dass die Prognosen deutlich zu niedrig angesetzt wurden. Modere, meist größere Accus halten ein Autolebenlang. Zudem sollte bei zunehmender Marktdurchdringung auch ein Markt für Accuinstandsetzung nicht lange auf sich warten lassen. Meisten sind nur ganz wenige Module defekt.
Tauschaccus geben heute schon keinen Sinn mehr. Die Accus sind viel größer geworden, eher 60kWh+ und die Ladezeiten werden, bzw. haben sich bereits schon halbiert. Der Zeitvorteil ist auf wenige Minuten geschrumpt und man bräuchte normierte Accus, aber nicht alle Kunden haben das gleiche Bedürfnis…
Bleibt noch das Argument, dass man aber im Alltag einen kleinen Accu und auf Fernreisen dann einen größeren Accu nimmt, aber zu Stoßzeiten im Massenmarkt funktioniert sowas nicht. Dann müssten viele Accus auf Vorrat gehalten werden und das kostet, dass müsste dann auch umgewälzt werden.
Einzig im LKW Bereich und da auch eher auf Fernstrecke könnte sich sowas noch lohnen, aber auch hier schreitet die Ladetechnik deutlich voran. Man darf ja eh nur 4,5h am Stück fahren. Trotzdem hier könnte sich es sich vielleicht in einer Nische lohnen. Aber wer geht denn bitte das Risiko ein, in ein solches Wechselnetz zu investieren, wenn die Entwicklung das vermutlich überholen wird…. man wird sehen….
M. meint
„Man darf ja eh nur 4,5h am Stück fahren.“
Aber dann braucht man einen Stellplatz. Die sind mitunter selten.
Am besten einen mit Ladesäule. Und den gibt es nicht immer, schon gar nicht über Nacht.
Da könnten Wechselakkus Sinn machen, zumindest in der Nische. Nicht für die Mehrzahl, die Abends wieder zurück in der Firma ist.
South meint
Über Nacht bräuchte man ja nicht unbedingt den schnellsten Lader…aber bevor wir da in Details einsteigen…. im Grunde ist das ganze Fern-LKW Konzept aus der Zeit gefallen. Es funktioniert immer noch wie vor 100 Jahren, also ein Fahrer in einem LKW und das ist eigentlich extrem ineffizient und müsste gar nicht mehr sein. Früher ging das auch nicht anders…
Am cleversten wäre es, die LKW ohne Fahrer oder einen „Leit-LKW“, wo viele selbstfahrende Laster ohne Führerhaus digital angehängt sind über Nacht fahren zu lassen. Mit E Antrieb, entsprechenden Reifen und langsamer Fahrt wäre sowas leise und vielleicht auch über Nacht möglich.
Das wäre deutlich billiger, würde den Verkehr und auch das Netz entlasten.
Einfach den Verkehr von E auf Diesel umzustellen, ist zu eindimensional gedacht…
M. meint
Ne, den schnellsten Lader nicht. Aber die Straßenlaterne am Straßenrand im menschenleeren Industriegebiet, was das zufällige Ziel für die Übernachtung wird – die bekommt die Batterie nicht fit bis zum nächsten Morgen – selbst wenn man es versucht.
Beim Thema Fern-LKW gebe ich dir recht, Platooning hat man vor Jahren mal entwickelt, das ist scheinbar eingeschlafen. Das Thema wird sich nicht parallel zu E-Mobilität entwickeln.
„Einfach den Verkehr von E auf Diesel umzustellen, ist zu eindimensional gedacht…“
Ja, da stimme ich zu ;-)
South meint
Man könnte einfach selbstfahrende LKW auf fester Strecke über Nacht von Depot zu Depot fahren lassen und im Depot würden sie über den Tag geladen. Da sollte man dran forschen und nicht an OberleitungsLKW mit Führerhaus…
M. meint
„einfach selbstfahrende LKW…“
Hier im Internet ist das einfach. Aber da reden wir von Level 5.
Man könnte immerhin sagen: beim LKW ist das näher als beim PKW:
– fährt langsamer
– ist sowieso schon teurer, so dass die ganze Sensortechnik á la Waymo gar nicht wirklich auf den Preis auswirkt
– erhöht die Produktivität, wenn das Ding dann mehr Betriebsstunden schafft
Und da die Route vorgegeben ist und vielleicht auch ständig wiederholt würde, könnte man das auch mit HD-Maps machen, und der LKW kann das regelmäßig selbst aktualisieren, wenn er die Strecke abfährt.
Anti-Brumm meint
Sehe das System auch nützlich bei den Öffis, wo an wenigen zentralen Punkten Busse schnell nachgeladen werden können um den Fahrplan einzuhalten.
Im PKW-Bereich braucht man einen enormen Standardisierungsaufwand, der wieder auf Kosten der Innovation geht.
Batteriemiete beim PKW… bin mir unsicher. Nimmt aber vielleicht vielen die Angst vor einem Totalschaden aufgrund defekter Batterie.