Mit dem PV5 betritt Kia erstmals den globalen Markt für Nutzfahrzeuge und plant, ein umfassendes Ökosystem aus Flotten- und Ladelösungen für die vollelektrische Transporter-Baureihe aufzubauen. Sjoerd Knipping, COO von Kia Europe, sprach mit dem Portal Autohaus.de über die Strategie der Südkoreaner und die Herausforderungen beim Einstieg in den Markt.
Knipping nannte die unterschiedliche Geschwindigkeit der Elektrifizierung in Europa als größte Herausforderung. „Früher oder später wird aber der gesamte Markt elektrifiziert, bei Pkw wie bei Transportern“, meinte er. „Entscheidend ist das Gesamtbild aus Schnellladen und öffentlichem AC-Laden.“ Für gewerbliche Nutzer sei vor allem das Depotladen entscheidend, während Unsicherheiten bei staatlichen Förderprogrammen zusätzliche Hürden darstellten. Kia sehe die Elektrifizierung dennoch als Chance, auch Flottenkunden zu gewinnen, die bisher keine Kia-Pkw nutzen.
„Wir behaupten nicht, die ersten bei Elektrotransportern zu sein. Aber wir bieten im C-Segment die größte und erste Plattform dieser Art“, so Knipping. „Trotz kompakter Außenmaße sind bis zu acht Kubikmeter Ladevolumen möglich. Das ist ein spürbarer Vorteil, weil es keine Kompromisse bei Radstand oder Aufbaulänge gibt. Unsere EV-Plattform ermöglicht niedrige Einstiegshöhen sehr gutes Verhältnis aus Außenmaß und Ladevolumen. Andere Wettbewerber werden diesen Schritt irgendwann ebenfalls gehen.“
Ein Teil der Fahrzeugumbauten erfolgt in Korea, ein Teil in Europa. Nischenmodelle wie rollstuhlgerechte Fahrzeuge, Mannschaftstransporter oder spezielle Kombis für den Fahrdienstleiter Uber entstehen direkt im Werk. Für Kunden bedeutet dies ein einheitliches Bestell- und Liefermodell. Gleichzeitig arbeitet Kia mit europäischen Partnern wie Sortimo oder Bott zusammen, teilweise mit Ein-Rechnungs-Lösungen.
Kia unterstützt Unternehmen bei der Umstellung auf E-Fahrzeuge auch durch Ladeangebote und das Business-Ökosystem des PV5. Knipping: „Über eine zentrale Schnittstelle lassen sich Programme wie Fleet Suite oder Charge Business aktivieren und Echtzeit-Informationen über den Zustand oder Wartungsbedarf der Flotte abrufen.“ Ergänzt wird dies durch ein Flottenmanagementsystem, das auch Fuhrparks mit Fahrzeugen unterschiedlicher Marken verwalten kann.
Für Service und Wartung baut Kia auf sein bestehendes Netz von mehr als 2.000 Partnerbetrieben in Europa. Rund 650 davon sind bereits für PBV („Platform Beyond Vehicle“) zertifiziert. In Deutschland sollen bis Jahresende etwa 100 PBV-Partner verfügbar sein. Knipping betont, dass Service im Geschäft mit leichten Nutzfahrzeugen zentral sei, da die Einsatzzeit der Fahrzeuge über den wirtschaftlichen Erfolg entscheide.

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