Ford fährt seine Elektroauto-Pläne zurück und nimmt dafür eine Belastung von 19,5 Milliarden Dollar in Kauf. Der US-Traditionshersteller begründet das damit, dass man die Nachfrage nach rein batterieelektrischen Fahrzeugen überschätzt und die Beständigkeit von Benzin- und Dieselfahrzeugen unterschätzt habe.
Die Neuausrichtung ist insbesondere auch eine Reaktion auf politische Veränderungen im Heimatmarkt USA. Seit dem zweiten Amtsantritt von Präsident Trump im Januar wurden staatliche Förderungen für Elektrofahrzeuge gekürzt, fossile Energien stehen wieder stärker im Fokus. Zudem kündigte die Regierung an, die Verbrauchsstandards für Fahrzeuge deutlich zu lockern, was den Anreiz für Hersteller zum Bau von Elektroautos verringert.
Ford zufolge betreffen die Änderungen Werke in mehreren Bundesstaaten, sollen aber letztlich mehrere tausend Arbeitsplätze schaffen. Eine neue Fabrik in Tennessee, ursprünglich für einen neuen elektrischen Pick-up-Truck vorgesehen, soll nun ein Modell mit Verbrennungsmotor bauen. Geplante Elektro-Transporter werden gestrichen, stattdessen sollen in Ohio neue Benzin- und Hybridfahrzeuge entstehen.
F-150 Lightning wird Teilzeitstromer
Zum 2022 eingeführt, seit diesem Jahr auch nach Europa kommenden F-150 Lightning heißt es, dass dieser künftig einen benzinbetriebenen Generator erhält, der die Batterie nachladen kann. Damit wird aus dem rein elektrischen Modell ein sogenanntes Range-Extender-Elektroauto. Die Produktion der Batterie-Version der erfolgreiche Pick-up-Reihe F-150 war bereits im Oktober ausgesetzt worden. An einem erst kürzlich angekündigten mittelgroßen elektrischen Pick-up mit neuer Plattform und neuem Fertigungssystem für rund 30.000 Dollar vor Steuern (ca. 25.500 Euro) hält Ford jedoch fest. Diese Baureihe soll 2027 starten und ihre Technik auch für andere Fahrzeuge genutzt werden können.
„Der F-150 Lightning ist ein bahnbrechendes Produkt, das gezeigt hat, dass ein elektrischer Pickup immer noch ein großartiger F-Series sein kann“, sagte Doug Field, der E-Auto-Chef des Konzerns. „Unser Lightning EREV der nächsten Generation ist ebenso revolutionär. Er bietet alles, was Kunden lieben – 100 Prozent elektrische Leistung, Beschleunigung unter fünf Sekunden – und verfügt zusätzlich über eine geschätzte Reichweite von über 700 Meilen und eine Zugkraft wie eine Lokomotive. Er wird ein unglaublich vielseitiges Werkzeug sein, das auf kapitaleffiziente Weise bereitgestellt wird.“
Konzernchef Jim Farley zeigte sich überzeugt, dass Ford trotz der Kehrtwende wettbewerbsfähig bleibt – auch mit Blick auf chinesische Hersteller, deren Elektroautos in vielen Weltregionen Marktanteile gewinnen. „Sie kennen die Truck-Kunden in den USA nicht. Wir schon“, sagte der Manager zur Konkurrenz. Die neuen Pläne machten Ford „deutlich widerstandsfähiger gegenüber China.“
19,5 Milliarden Dollar Belastung
Finanziell erwartet Ford trotz der Einmalbelastung für 2025 einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von rund sieben Milliarden Dollar. Im vierten Quartal wird jedoch ein Nettoverlust ausgewiesen, da dort der Großteil der durch die Strategieanpassung verursachten 19,5 Milliarden Dollar verbucht wird. Ein erheblicher Teil resultiert aus einer Abwertung der Elektroauto-Sparte. Während ein Großteil davon nicht zahlungswirksam ist, sollen 5,5 Milliarden Dollar tatsächlich als Mittelabfluss anfallen, überwiegend im kommenden Jahr.
Zusätzliche Kosten entstehen durch das Ende eines Joint Ventures mit dem südkoreanischen Batteriehersteller SK On. Ford übernimmt eine Batteriefabrik im US-Bundesstaat Kentucky vollständig und wird sie für die Produktion großer stationärer Energiespeicher umrüsten. SK On wird alleiniger Eigentümer eines Werks in Tennessee.
Langfristig rechnet Ford damit, dass bis 2030 etwa die Hälfte der verkauften Fahrzeuge elektrisch oder hybrid sein wird, mit stärkerem Fokus auf teilelektrische Fahrzeuge als bisher geplant. Sollte die Nachfrage nach Elektroautos wieder stark anziehen, könne der Konzern nach eigenen Angaben flexibel reagieren, heißt es.
Mehr E-Modelle für Europa, aber kein neuer E-Transporter
Für Europa hat Ford erst kürzlich eine strategische Partnerschaft mit Renault bekannt gegeben. Die Zusammenarbeit mit den Franzosen zielt darauf ab, das Angebot an Stromern der US-Marke für europäische Kunden zu erweitern. Ford baut bereits zwei E-Autos speziell für Europa am Standort in Köln. Die Basis des SUV Explorer und des Crossovers Capri stellt im Rahmen einer bestehenden Zusammenarbeit Volkswagens E-Auto-Baukasten MEB. Der in Rumänien vom Band rollende Puma Gen-E nutzte Ford-eigene Technik.
Die Pläne mit Renault und die Kooperation mit Volkswagen werden nach aktuellem Stand weiterverfolgt. Für Europa erklärte Ford in seiner jüngsten Mitteilung, einen zuvor geplanten neuen elektrischen Nutzfahrzeug-Transporter nicht mehr Bauen zu wollen. Das bisherige Angebot an elektrifizierten Transportern für diese Region wolle man aber behalten.

Paule meint
Dann wird wohl der CT wieder auf Platz 1 der BEV Pickups rutschen (war er da mal weg?)
M. meint
Toll.
Das ist so, als wenn man auf dem Fischmarkt der ist, der am meisten Äpfel verkauft.
1 Apfel, und du hast die Obstwertung gewonnen.
Was interessieren da die 15 Tonnen Hering, die nebenan über den Tresen gehen…
Austin: <10% Auslastung.
In Musks anderen Firmen müssen jetzt alle CT fahren – und die muss man dafür nicht mal mehr b-a-u-e-n… die sind schon da.
https://futurezone.at/b2b/tesla-cybertruck-ladenhueter-elon-musk-kauft-selbst-spacex-xai-verkaufszahlen-absatz-flop/403093112
R2D2 meint
Ford ist meine Lieblingsmarke seit xxxxxx Jahren. Mit dem komischen Scorpio 1994 haben die den sargnagel eingeläutet. Zu der Zeit ist wirklich jeder zweite human in europa Focus Fiesta galaxy etc gefahren.
Heute erkennt man Ford nur noch an weißen 2,2 x 5,8 Meter Kastenwagen
Andi meint
Entfernt. Bitte verfassen Sie konstruktive Kommentare. Danke, die Redaktion.
eHannes meint
Ford hatte keine Entschlossenheit und schon gar keine Strategie für den E-Markt. Dann haben sie es auf die vermeintlich einfache Tour versucht (MEB-Plattform), Am Ende fanden sie es cool mit schwer verkäuflichen Sondermodellen aufzuwarten, die zum Beispiel dem ollen aber seinerzeit sehr erfolgreichen Capri ähneln sollten. Diese Retrotour ist schiefgegangen. Von Marktposition und Käuferschicht her war seit zwei Jahrzehnten Hyundai/KIA Fords Hauptmitbewerber (weltweit). Die sind nun Lichtjahre voraus. Aber Ford hat sich ja nicht nur im E-Markt abgemeldet. Fiesta und Focus waren richtig gute Massenautos zu ihrer Zeit. Jetzt ist da nichts mehr. Es gilt nicht einmal mehr die Abkürzung: F.O.R.D. „Für Opa Reicht Das“ ! Das sind die Folgen jahrzehntelanger „Quartalsdenke“!
Futureman meint
Warum bei der Regierung auch in die Zukunft investieren, wenn es doch eher zurück in die Steinzeit geht. Erstaunlich, was nur 1 Jahr Amtszeit anrichten kann. Nicht auszudenken, wie sich die nächsten 3 noch entwickeln. Dabei könnte ein neues Entwicklungsland entstehen.
Auf jeden Fall hat China 4 weitere Jahre, damit sie ihren Vorsprung ausbauen können.
Gernot meint
Man kann ökonomische Realitäten eine Zeit lang mit Lügen verdecken, aber man kann sie nicht beseitigen. Auch Trump kann das nicht. Auch wenn Trump das hasst: Erneuerbare boomen in den USA, gerade in Republikaner-Hochburgen.
Der Liter Benzin kostet in den USA im Schnitt ca. 0,87 US-Cent. Bei 7 Litern Verbrauch/100km ergibt das Energiekosten von 6,09 USD pro 100 km. Die kWh Strom kostet in den USA im Schnitt 0,18 US-Cent. Bei 18 kWh Verbrauch/100km ergibt das Energiekosten von 3,24 USD pro 100 km. Selbst in Kalifornien, wo die Strompreise (von den Festlandstaaten) am teuersten sind, kosten 100 km dann 5,51 USD an Strom.
Wenn BEV nahezu preisgleich sind, haben Verbrenner keine Chance mehr. Gesparte Energie- und Wartungskosten summieren sich bei BEV über ein Fahrzeugleben auf 10.000-20.000 USD Kostenvorteil, was sich durch selbst erzeugten PV-Strom noch drastisch erhöhen lässt.
Selbst in Saudi-Arabien, dem Land mit den weltweit niedrigsten Ölförderkosten, ist Elektromobilität bereits billiger, als Verbrenner fahren. Game over.
Rein theoretisch könnten sich die USA natürlich dauerhaft vom Weltmarkt abkoppeln und endlos weiter auf Verbrenner setzen. Aber das nimmt ihnen Wettbewerbsfähigkeit, weil Transportkosten in den USA dann höher als anderswo sein werden und weil das Geld, was US-Haushalte für Verbrennermobilität zusätzlich aufwenden müssen, eben nicht für anderes ausgegeben werden kann. Deshalb werden die ökonomischen Realitäten Trumps Kurs korrigieren.
Wenn Ford weiter auf Verbrenner setzen will und sich in Europa 3 verschiedene Plattformen gönnt, auf denen Ford jeweils nur relativ geringe Stückzahlen produziert, dann wird Farley als Totengräber von Ford in die Geschichte eingehen.
Steffen meint
Hört sich alles sehr nachvollziehbar und richtig an.
Halber Akku meint
Sehr gut auf den Punkt gebracht.
Halber Akku meint
„„Sie kennen die Truck-Kunden in den USA nicht. Wir schon“, sagte der Manager zur Konkurrenz. Die neuen Pläne machten Ford „deutlich widerstandsfähiger gegenüber China.““
Weshalb sollte man sich in China auch mit einem Auslaufmodell beschäftigen? Die lachen sich höchstens kaputt, wenn sie solche Sätze lesen.
IDFan meint
Sämtliche Hersteller der Welt mussten der Realität ins Auge sehen, dass das Elektroauto nicht so schnell in die Masse kommt, wie man das geglaubt hatte. Es kommt aber und ich spüre aktuell bei uns in Deutschland wieder ein positives Momentum wie es zuletzt 2021-2022 war. Ford ist da wie BMW, die Reden der Chefs kann man nicht aushalten. Aber wie bei BMW ist auch bei Ford bei der Elektromobilität auf den zweiten Blick eine erstaunliche Dynamik in den Absatzzahlen.
Ford wird dieses Jahr bei uns dank der überlegenen MEB-Plattform bei den BEV an Tesla vorbeiziehen. Das hätten sogar große Anhänger der Marke Ford nicht für möglich gehalten. Wenn man den Capri nicht wie die Tesla, sondern schön designed hätte, wäre sogar noch viel mehr drin gewesen.
Mäx meint
Da ist gar nix an Dynamik. Die BEV Zahlen waren im Q3 QoQ rückläufig > von 60k auf 50k.
BMW hatte einen BEV Anteil von 18% in Q3 2025 und stetig steigende Zahlen.
Ford hatte trotz des erstaunlichen Erfolgs den du da sehen willst, gerade mal ca. 6% BEV Anteil.
Das ist wirklich alles andere als erfolgreich.
Der Capri und Explorer sind an sich aber wirklich keine schlechten Autos.
Fred Feuerstein meint
Bitte komm doch nicht dem Trio (Mary, David und IDFan) mit Fakten…Diese werden ohnehin negiert. So ist das bei Fans (fanatisch)
Jörg2 meint
IDFan
Du spürst ein positives Momentum?
Na dann….
ID.4 statt Golf meint
Ohne die Bilanz zu lesen oder zu verstehen kommt es mir als Leser dieser Meldungen so vor, als würde Ford die ganzen Verluste(anfängliche Investments) mit den E-Autos umgehend verbuchen und gar nicht über mehrere Jahre abschreiben. So kann man die E-Autos dann schön als Sündenbock hinstellen und die Verbrenner vermarkten. Gut bei den Kunden in den USA kommt das vermutlich sogar positiv an. Vielleicht sollte Ford aber auch einfach den Mustang optisch so aussehen lassen wie einen „Mustang“ und dann die Technik auch mal verbessern, gefühlt ja schon vor 5 Jahren nicht aktuell. Den F-150 nun als BREV zu verkaufen könnte aber tatsächlich aufgehen – die (weisichtigen US-)Kunden werden ihn wegen dem Verbrenner als Back-Up kaufen und dann nur elektrisch fahren.
Cupra meint
Also wenn ich einen Tipp abgeben sollte, welcher Automobilhersteller über die Klinge springt, reiht sich FORD inzwischen ganz vorne ein…das Konzept ist die Konzeptlosigkeit. So kann man eigentlich nicht überleben
Deine Mudder meint
Ford Europa vielleicht. Ford und GM werden (mit Verbrennern) weiter existieren und wenn nur in Amerika und Australien.
banquo meint
Das ist so übel wie die Trump-Regierung mit der Industrie umgeht. 0 Kompetenz in der Politik führt zu 0 Zukunftsaussichten der amerikanischen Fahrzeugindustrie.