Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert von der Bundesregierung im kommenden Jahr tiefgreifende Reformen, berichtet die Welt. Angesichts anhaltender wirtschaftlicher Schwäche warnt er vor einer Dauerkrise und bezeichnet die Lage als die längste Krise seit Gründung der Bundesrepublik.
Nach zwei Rezessionsjahren in Folge wird für dieses Jahr allenfalls ein Mini-Wachstum des Bruttoinlandsprodukts erwartet, auch für das Folgejahr rechnen Ökonomen nicht mit einem spürbaren Aufschwung. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz hat wiederholt tiefgreifende Reformen angekündigt. Dazu zählt eine eingesetzte Rentenkommission, die bis Mitte 2026 Vorschläge vorlegen soll, darunter auch zur Frage eines späteren Renteneintrittsalters.
Dulger verlangt einen deutlichen Bürokratierückbau, der Unternehmen und Bürgern mehr Freiheit verschaffen solle. Zudem fordert er mehr Netto vom Brutto und spricht sich angesichts steigender Sozialausgaben für kostensenkende Reformen des Sozialstaats aus. Ziel sei ein System, das treffsicherer und gerechter funktioniert.
Arbeit müsse deutlich attraktiver werden als Nicht-Arbeit. Dulger betont, dies erhöhe die Attraktivität Deutschlands für Investoren aus dem In- und Ausland und verweist auf langfristige Effekte: Investitionen in den 2020er-Jahren könnten Wachstum in den 2030er-Jahren ermöglichen.
„Extreme Herausforderungen“ für die deutsche Wirtschaft
Die IG Metall sieht auch die Industrie in der Verantwortung, gemeinsam mit Politik und Belegschaften aus der Krise zu finden. Die Erste Vorsitzende der Gewerkschaft Christiane Benner verweist auf Belastungen durch US-Zölle, Chinas Aufholjagd und hohe Energiepreise infolge des Ukraine-Kriegs und warnt, das deutsche Exportmodell sei in Gefahr. „Es sind schon extreme Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft.“
Benner plädiert für gezielte europäische Investitionen in Digitalisierung und Zukunftstechnologien wie Batterietechnik. Sie kritisiert Werksschließungen und die Verlagerung von Forschung und Entwicklung nach Asien oder Osteuropa und warnt vor nachhaltigen Schäden an industriellen Strukturen.
Zudem fordert sie schnellere Entscheidungswege in Unternehmen. Nach Angaben aus den Betriebsräten verfüge etwa die Hälfte der Unternehmen über keine Zukunftsstrategie. „Wir brauchen echte Krisenmanager. Statt Strategien gibt es Mimimi über den Sozialstaat“, so die Chefin der größten deutschen Gewerkschaft.
Die Unternehmen und ihre Verbände fordert Benner auf, die Dauerkritik am Sozialsystem einzustellen. „Die Politik hat ja durchaus geliefert: Was die Energiekosten anbelangt, was die Förderung von Elektromobilität anbelangt, bessere Abschreibemöglichkeiten. Ja, es ist noch viel zu tun. Aber diese Entlastungssignale werden nicht ausreichend wertgeschätzt.“ Wenn stattdessen immer weitere Sozialreformen verlangt würden, richte sich das auch gegen die Beschäftigten. „Allen Sozialabbau, alle Kommentare über zu faule oder zu kranke Beschäftigte, nehmen die Menschen gegen sich selbst wahr.“

IDFan meint
Wenn die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall abgeschafft würde, wäre viel gewonnen. Da gibts in Europa gute Vorbilder: Die ersten drei Tage nichts und dann bis vier Wochen 75%.
Till meint
Warum sollte man das abschaffen?
Sinnvoller wäre es, wenn nur zahlende Mitglieder der Krankenkassen auch daraus Leistungen erhielten, jnd nicht 10 Milliarden für Bürgergeldempfänger drauf gingen.
Tt07 meint
Beide Kommentare mehr als sinnfrei.
Mary Schmitt meint
Weil das die typischen Krankschreibungen zu 95% eliminieren und das Gesundheitssystem um etwa 10 Milliarden und die Arbeitgeber um 50 Milliarden entlasten würde. Bürgergeldempfänger sind ein weiteres Thema, da hast du Recht, da ist der bisherige Umgang eine Einladung zum Nichtarbeiten. Jenseits der Gratis-Krankenversicherung. Das sind insgesamt 80 Milliarden. Wenn man davon 10 Milliarden lässt, sind viele Härtefälle abgefangen. Diese gesparten 130 Milliarden Euro würden Deutschland an die Spitze bringen.
Tt07 meint
Alice bist Du es? Hochgradiger Populismus mal wieder.
Fakten: Deutschland hat hohe Krankheitsraten, aber kein seriöser Studien- oder Regierungsbericht zeigt, dass 95 % der Krankschreibungen vermeidbar wären. Krankmeldungen haben komplexe Ursachen
Offizielle Zahlen zeigen, dass das Bürgergeld (inkl. Regelleistung, Kosten der Unterkunft etc.) deutlich unter 50 Mrd. € pro Jahr liegt – nicht 80 Mrd. ohne Belege. Für 2025 sind z. B. etwa 29 Mrd. € im Bundeshaushalt veranschlagt, laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit.
Usw und so fort.
Fakt: Mariechen hat sehr, sehr kurze Beine, will aber immer die Erste sein…
Mary Schmitt meint
Die 95% bekommst du, wenn du gegen Industrieländer ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bencht wie die USA. Die 80 Milliarden sind korrekt gerechnet. 30 Milliarden ist nur die Regelleistung. Dazu kommt Miet- und Heizkostenbeteiligung, dann sinds 50 Milliarden. Dann kommt Krankenversicherung und Pflege etwa 20 Milliarden und 6,7 Milliarden Rentenrückstellung. Das ist ohne Personalkosten für die Betreuung in Verwaltung und Jobcenter und ohne Kindergeld. Defacto schätzt man die echten Vollkosten auf über 130 Milliarden.
R2D2 meint
Welche Krise? Wir hatten doch Doppel Wums und Reformen im Herbst. Die Wirtschaft wächst doch. Zwar negativ, aber immerhin.
Ironie off.
Die Probleme die wir aktuell haben, hätten wir vor 10 Jahren schon angehen sollen. Die waren schon damals gut sichtbar. Aber bei CEO Leuten die nur in Quartalen denken kommt ein Land wie Deutschland nicht auf die Beine. Seitens Regierung sehe ich absolut nichts,nada was zur Verbesserung beitragen würde. Eine Firmen Steuerentlastung für 2028 ist eine Frechheit. Viele Firmen sind dann pleite oder im Ausland.
Future meint
Autoindustrie und Chemie stecken in der Krise in Deutschland. IT- und Gesundheitsbranche sind dagegen die Wachstumsmotoren.
Aktuelle Zahlen der ersten 3 Quartale in Deutschland:
Gewinneinbruch Automobilindustrie : – 47%
Gewinneinbruch Chemieindustrie: – 71%
Gewinnsteigerung IT-Branche: + 100%
Gewinnsteigerung Gesundheitssektor: + 40%
Es hängt halt immer von der Branche ab, wenn man sich seine Zahlen anguckt.
Quelle: SPON