Ein Elektroauto lohnt sich in den meisten Fällen jetzt schon gegenüber einem Auto, das mit Benzin oder Diesel betankt wird – in Deutschland wie in Großbritannien. Die beiden Länder sind die größten Märkte für E-Autos in Europa. Jedoch sind die Ersparnisse der Briten bei den verglichenen Modellen deutlich höher als in Deutschland. Grund dafür ist der Vorsprung Großbritanniens bei Smart Metern und die damit verbundene Verfügbarkeit von günstigen Nachtstromtarifen.
Das zeigt die gemeinsame Analyse der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) und der britischen Organisation Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU).
Die Sparpotenziale bei einem Elektroauto gegenüber einem Auto mit Verbrennungsmotor sind demnach sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien erheblich. Dies zeigt der Vergleich der Gesamtbetriebskosten mehrerer Automodelle. Verglichen wurden folgende Modelle, sowohl im deutschen als auch im britischen Kontext (das erst genannte Modell jeweils mit Verbrennungsmotor): VW Tiguan mit VW ID.4, VW Polo mit Renault 5, Audi Q5 mit Tesla Model Y, BMW 318 mit Tesla Model 3, Hyundai Tucson mit Hyundai Kona. Bei der Auswahl der Modelle wurde auf eine ähnliche Größe und Leistung der Fahrzeuge geachtet sowie deren Beliebtheit in beiden Märkten.
Für die Vergleichbarkeit der beiden Länder wurde angenommen, dass das Laden zuhause möglich ist – allerdings mit Netzstrom und ohne eigene Photovoltaikanlage. Mit selbstproduziertem Solarstrom würden die Kosteneinsparungen demnach noch deutlich höher liegen. Berücksichtigt wurden auch weitere Parameter wie Kosten für Strom, Benzin, Kfz-Versicherung und Steuern über eine geschätzte Lebensdauer von 14 Jahren. Alles in allem zeigen sich bei allen verglichenen Modellen große Sparpotenziale bei einem Umstieg auf ein batterieelektrisches Auto.
Der VW Tiguan gehört zu den in Deutschland in den letzten Jahren meistverkauften Autos. Wer sich aber anstelle des Tiguans für einen batterieelektrischen ID.4, ebenfalls von VW, entscheidet, spart unter Einbeziehung der oben genannten Parameter 855 Euro im Jahr. Über 14 Jahre Haltedauer sind das 12.000 Euro. Gemäß dem Vergleich zwischen dem vollelektrischen Tesla Model Y und dem Audi Q5 spart der Besitzer sogar 1790 Euro im Jahr beziehungsweise 25.000 Euro über 14 Jahre. Im Durchschnitt aller verglichenen Modelle können mit einem Elektroauto jährlich 1100 Euro eingespart werden.
Vor dem Hintergrund dieser Ersparnisse werden Elektroautos auch bei höheren Kaufpreisen unter Einberechnung der Betriebskosten schon zwei bis drei Jahre nach der Anschaffung günstiger als ihr Pendant mit Verbrennungsmotor. In manchen Fällen, wie zum Beispiel bei den Vergleichen Audi Q5 vs. Tesla Model Y und BMW 318 vs. Tesla Model 3, ist der Vollstromer von vornherein günstiger. Der Betrieb, das heißt das Tanken, Steuern und Wartungskosten, eines VW-Polos ist nach sieben Jahren teurer als der batterieelektrische Renault 5.
Britische E-Auto-Fahrer sparen im Durchschnitt 56 Prozent mehr Kosten ein
Großbritannien und Deutschland sind die größten Märkte für Elektroautos in Europa. Im Jahr 2024 überholte Großbritannien Deutschland zum ersten Mal bei der absoluten Zahl der Verkäufe von Elektroautos: 84.000 gegenüber 81.000 im ersten Quartal 2024. Ein Grund dafür könnte laut der Auswertung sein, dass der Betrieb eines E-Autos auf der Insel deutlich günstiger ist als in Deutschland.
Im Durchschnitt sparen demnach Autofahrer im Vereinigten Königreich mehr als 1700 Euro im Jahr. Damit sparen Briten jährlich über 600 Euro mehr gegenüber deutschen E-Autofahrern. Mit einem batterieelektrischen VW ID.4 anstelle eines Tiguans sparen die britischen Autofahrer umgerechnet 1145 Euro im Jahr und 19.040 Euro über 14 Jahre. Das sind 7040 Euro mehr als bei den deutschen Nutzern. Der Vergleich Tesla Model Y und Audi Q5 ergibt 2606 Euro im Jahr und 36.684 Euro über die angenommene Lebensdauer von 14 Jahren.
Smart Meter ermöglichen geringere Stromkosten
Ein wichtiger Grund für die Ersparnisse in Großbritannien gegenüber Deutschland ist der Vorsprung bei Smart Metern und die damit verbundene Verfügbarkeit von günstigen Nachtstromtarifen. 62 Prozent der Briten hatten 2024 einen Smart Meter verbaut, in Deutschland waren es im selben Jahr nur ein Prozent. Das hat zur Folge, dass dynamische Tarife hierzulande kaum verfügbar sind, da ein Smart Meter fast immer die Voraussetzung dafür ist. Er erfasst den Stromverbrauch in 15-Minuten-Intervallen und übermittelt die Daten an den Anbieter, um die Kosten direkt an die stündlichen Börsenpreise zu koppeln und so das Sparen durch das Verschieben von Verbräuchen zu ermöglichen. Nur 7 Prozent der deutschen Haushalte nutzte 2024 einen flexiblen Stromtarif.
Im Vereinigten Königreich gibt es günstige Nachtstromtarife. Diese sind aus mehreren Gründen günstiger: Zum einen wegen einer geringeren Nachfrage, zum anderen einer zeitweisen hohen Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien, wie zum Beispiel Offshore-Windenergieanlagen. Dank der Kombination aus Smart Meter und flexiblem Stromtarif können Elektroautos in Großbritannien für 8 Cent pro Kilowattstunde (7 Pence/kWh) aufgeladen werden. Das bedeutet, dass sie für weniger als 1,4 Cent pro Kilometer (2 Pence/Meile) betrieben werden können, verglichen mit etwa 11 Cent pro Kilometer (15 Pence/Meile) für ein Benzin- oder Dieselauto.
Deutsche Fahrer von Elektroautos, die ihre Fahrzeuge zu Hause aufladen, zahlen ohne dynamischen Stromtarif der Analyse zufolge in der Regel circa 33 Cent pro Kilowattstunde. Das entspricht etwas mehr als 5 Cent pro Kilometer. Zwar ist das immer noch deutlich günstiger als das Fahren mit einem mit Benzin- oder Diesel betriebenen Auto, aber im Durchschnitt immer noch 600 Euro teurer als im Vereinigten Königreich.
„Wo Stromnetze digitalisiert sind, sinken die Ladekosten“
„Der Blick ins Vereinigte Königreich zeigt: Wo Stromnetze digitalisiert sind, sinken die Ladekosten. Dort senken Smart Meter und flexible Tarife die Betriebskosten von Elektroautos spürbar und bringen auch die Dekarbonisierung des Verkehrssektor weiter in Fahrt“, so die Studienautoren.
„Für Deutschland bedeutet das: Ohne einen beschleunigten Rollout intelligenter Messsysteme und ohne marktgängige flexible Stromtarife bleiben zentrale Kostenvorteile der Elektromobilität ungenutzt. Dabei zeigt der Kostenvergleich, dass ein moderneres Stromsystem die Wirtschaftlichkeit von Elektroautos unmittelbar verbessert und Haushalte dauerhaft entlasten kann.“
Eine zügige Digitalisierung der Netze hierzulande würde die bestehende Preisvorteilsstruktur des elektrischen Antriebs verstärken und damit Investitionsentscheidungen im Verkehrssektor erleichtern – für Verbraucher ebenso wie für Unternehmen. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten und der anstehenden Modernisierung des Fahrzeugbestands sei Handlungstempo entscheidend, damit deutsche Autofahrer den vollen wirtschaftlichen Nutzen des Elektroautos realisieren können.

Futureman meint
Verbrenner Fahrer fahren wegen 1 Cent/Liter Ersparnis zig Kilometer, um am Ende die Ersparnis wieder verfahren zu haben.
Beim E-Auto geht das ganz automatisch zu Hause und morgens ist das Auto günstigst geladen. Dazu per App noch eisfrei.
Das elektrische Fahren hat so viele Vorteile und jetzt hilft es auch noch das Stromnetz zu unterstützen.
eBikerin meint
„Verbrenner Fahrer fahren wegen 1 Cent/Liter Ersparnis zig Kilometer,“
Nein tun sie nicht. Es gibt da einige wenige die auf die entsprechenden Seiten schauen, aber die fahren dann wegen einigen Cent durch die Gegend und nicht wegen einem.
„Beim E-Auto geht das ganz automatisch zu Hause und morgens ist das Auto günstigst geladen. Dazu per App noch eisfrei.“
Ich weiss nicht was du für ne Garage hast – aber irgendwie kenne ich kein Auto welches in der Garage vereist.
R2D2 meint
Bei welchem Anbieter kann man eigentlich überhaupt nennenswert flexibel Strom einkaufen in Deutschland? Wenn ich mir die Kurse bei Tibber anschaue, ist das echt eine Lachplatte. Gelegentlich mal für ganz kurze Zeit unter 25 cents, sonst eher 30 bis 40 kWh. Da brauchste keinen flex Kurs, das schafft jeder 0815 Ökotrarif der fix ist.
Wenn das in Deutschland überhaupt mal ein Thema werden sollte, dann müssen die Stromkosten massivst runter. Und dann braucht es auch noch Stromversorger die sich dem Thema SmartMeter wohl gesonnen sind.
Aber schön das es anderswo in Europa, wie eigentlich sonst auch immer, besser läuft als in Schland.
Steffen meint
Da bist du nicht gut informiert…
Für mich könnte nächstes Jahr der Wärmepumpentarif von Octopus Energy interessant werden, der ohne extra Zähler läuft und explizit das ganze Haus inkl. BEV einschließt. Bei mir:
18,6 Cent pro kWh von 2 bis 6 Uhr und 12 bis 16 Uhr
25,6 Cent pro kWh von 6 bis 12 Uhr und 12 bis 16 Uhr
30,59 Cent pro kWh von 18 bis 21 Uhr
14,1 € Grundpreis monatlich, 24 Monate Laufzeit.
Man muss also nur die drei Stunden von 18 bis 21 Uhr überbrücken, ansonsten hat man einen günstigeren Tarif als alle Standardtarife (da ist der günstigste 25 Cent bei mir). Mit meinem Hausspeicher kann ich die drei Stunden locker überbrücken, d.h. im Winter (November bis einschließlich Februar), wenn die PV-Anlage den Speicher kaum befüllen kann, dann lade ich mir den nachmittags automatisiert voll. BEV wird nachts geladen. Somit liege ich grundsätzlich zwischen 19 und 26 Cent im Bezug.
Da die Eichfrist meines Zählers dieses Jahr ausläuft, werde ich ein Smart Meter bekommen (habe jetzt schon eines, das aber noch nicht zertifiziert ist und daher nicht teilnehmen kann an solchen Tarifen).
Steffen meint
Ein weiterer Tarif Octopus Go ist mehr für BEV gedacht, da ist der Preis in der Niedrigphase nochmals etwas günstiger: 16,60 Cent pro kWh zwischen 0 und 5 Uhr und ansonsten in der restlichen Zeit 26,58 Cent pro kWh.
R2D2 meint
danke für die Info.
Der ersten Satz im ersten Posting hättest übrigens sich sparen kann… es war eindeutig und freundlich als Frage verpackt.
MK meint
Zu Anfang 2025 ein noch von der Ampel beschlossenes Gesetz in Kraft getreten, dass Stromversorger verpflichtet, dynamische Tarife anzubieten (§41a EnWG)…und Ihnen auf Wunsch binnen kurzer Zeit einen solchen Smartmeter einzubauen. Damit einher ging auch, dass der Stromzähler tatsächlich gar nciht von Stromanbieter/Netzbetreiber installiert werden muss, sondern auch hunderte private Firmen in Deutschland Ihnen diesen Service schneller und billiger anbieten (eine Änderung, die die aktuelle von einem großen Netzbetreiber kommende Wirtschaftsministerin grade wieder abschaffen will). Aber ja, finanziell attraktiv sind diese Tarife oftmals nicht.
R2D2 meint
Es gibt auch ein Recht auf einen Kita Platz. Nur was bringt mir das wenn es keine Kitas oder Personal dafür gibt? DAS ist ja das Problem in Deutscheland… es werden Dinge beschlossen, die niemand umsetzen kann.
bzg. smartmeter sehe ich überall nur fragende Gesichter.
LarsDK meint
Seit dem 1.10.2025 ändert sich der Strombörsenpreis übrigens auch im 15 Minuten Takt.
eBikerin meint
Eine Sache macht mich stutzig. Warum wird der e-Kona mit dem Tucson verglichen, und nicht mit dem Kona? Der Tucson ist eine Klasse höher als der Kona.
MK meint
Ich finde die Vergleiche generell recht kreativ: Ein Tesla ist nun mal deutlich windschnittiger gebaut als ein BMW-SUV, umgekehrt ist ein Renault 5 recht teuer in der Anschaffung, rein auf Optik gebaut und das ineffizienteste eAuto von dem ich je gehört habe, während der Polo für einen Benziner schon echt gut ist. Ich finde auch, plausibler wäre es, nur innerhalb einer Marke mit möglichst gleicher Ausstattung gleich große Modelle zu vergleichen. Außerdem fehlt mir die Angabe der Motorisierung. Z.B. ID.4 und Tiguan. Beide gibt es mit unterschiedlichen Motorisierungen. Während der Tiguan als Verbrenner mehr Sprit braucht je höher die Motorleistung, sinkt der Verbrauch beim ID.4 mit besserer Motorisierung, weil der größere Motor mehr rekuperieren kann, aber auch weil der größere Motor APP550 einfach neuer und technologisch besser ist. Auch der Kaufpreis hängt natürlich grade beim eAuto stark von dieser Wahl ab, ist mit der Motorisierung doch meist auch die Kapazität des Akkus verbunden, die erheblicher Kaufpreistreiber ist.
Von daher: Ich bin überzeugter eAuto-Fahrer und spare meiner eigenen Auswertung nach in meinem ganz persönlichen Fall einen Haufen Geld…aber diese Studie hier sagt rein gar nichts aus.
Gernot meint
Je nachdem, wie der lokale Verteilnetzbetreiber die zeitvariablen Netzentgelte ausgestaltet hat, bieten diese in vielen Fällen ein deutlich höheres Einsparpotenzial als dynamische Stromtarife, aber die meisten hierzulande haben noch nie davon gehört.
Anders als bei dynamischen Stromtarifen geht man kein Risiko ein. Die zeitvariablen Netzentgelte stehen immer für ein Kalenderjahr im Voraus fest. Es gibt kein Risiko, dass sie wetterbedingt (Windarmes Jahr) oder durch disruptive Ereignisse (Ukraine-Krieg) dann doch höher ausfallen, als erwartet. Voraussetzung ist aber auch da ein Smartmeter (ggf. mit Steuerbox). Man kann die zeitvariablen Netzentgelte auf Smartstromcheck abfragen.