Die europäische Automobilbranche zeigt sich zunehmend besorgt über die geplanten Änderungen im Rahmen des EU-„Automobilpakets“. Besonders die neuen Regelungen für gewerbliche Flotten sorgen für Widerstand bei großen Unternehmen wie Sixt und dem Verband der Automobilindustrie (VDA). In ihren Schreiben an das Bundeswirtschaftsministerium, die der Automobilwoche vorliegen, bringen die beiden Akteure ihre Kritik zum Ausdruck und sprechen sich gegen die geplanten Vorschriften aus.
Kernpunkt ihrer Ablehnung ist die geplante Quotenregelung für gewerblich registrierte Fahrzeuge, die künftig zu einem erheblichen Teil emissionsfreie Autos umfassen müssen. Laut der EU-Kommission sollen die Unternehmen bis 2030 ihre Flotten zu 83 Prozent aus sogenannten Zero- oder Low-Emission Vehicles (ZEV und LEV) bestehen lassen. Dies würde de facto ein Verbrenner-Verbot für große Flotten bis 2030 bedeuten. Autovermieter Sixt spricht von einer „Vorziehung und Verschärfung des Verbrennerverbots“ und sieht das als eine „plötzlich“ weitreichende Maßnahme an, die „fünf Jahre oder sogar mehr“ vorgezogen wird.
Nach bisherigem Stand sollen ab dem Jahr 2035 nur noch Pkw in der EU neu zugelassen werden, die keine Auspuffemissionen haben. Das wird von einigen als „Verbrenner-Verbot“ oder „Verbrenner-Aus“ bezeichnet, da in der Praxis der Umstieg auf Elektroautos und Wasserstofffahrzeuge nötig wäre. Die EU-Kommission hat allerdings 2 Jahr erklärt, die Vorgaben aufweichen zu wollen.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) kritisiert ebenfalls die weiter von der EU angestrebte Regelung für gewerbliche Flotten und sieht diese als unrealistisch an. Neben großen Unternehmensflotten wären auch Leasing- und Mietwagenflotten betroffen, wodurch die Quotenregelung auf einen Großteil der Fahrzeugflotte in der EU ausgeweitet würde. Der VDA warnt vor einer massiven Verbreitung dieser Vorgaben, die seiner Einschätzung nach nicht nur rund 60 Prozent, sondern vielmehr einen erheblichen Anteil der Neuwagenflotte betreffen würden.
„De facto eine Elektroquote von 83 Prozent“
Ein weiteres Problem ist die Unklarheit bei der Umsetzung der Anforderungen. Die EU sieht eine Kombination aus Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden vor, um die Quoten zu erfüllen. Allerdings gibt es nur wenige Modelle von Plug-in-Hybriden, die den strengen CO₂-Vorgaben der EU entsprechen. Die von Sixt und dem VDA berechneten Zahlen deuten darauf hin, dass diese Quoten in der Praxis einer Elektroquote von 83 Prozent gleichkämen, was die Flexibilität und den Spielraum für die Unternehmen erheblich einschränken würde.
Sixt befürchtet zudem, dass die geplante Regelung zu einer drastischen Erhöhung der Mietpreise führen könnte, da die höheren Produktionskosten für emissionsfreie Fahrzeuge auf die Endkunden umgelegt werden würden. Eine zusätzliche Herausforderung stellt der Mangel an Infrastruktur dar, insbesondere an Schnellladestationen. Diese sind für Mietwagenunternehmen von entscheidender Bedeutung, da Flughäfen, an denen etwa 50 Prozent des Geschäfts abgewickelt werden, oft unzureichend ausgestattet sind.


Haubentaucher meint
Wenn der VDA etwas schlecht findet dann ist es sicher eine richtige und gute Sache.
F. K. Fast meint
Genau der Gedanke ging mir auch durch den Kopf.
Jensen meint
Dann bleibt nur die Hoffnung, dass die EU das 1:1 durchzieht und gerne schnell auf 100% erhöht, damit auch Sixt und der VDA die gewünschte Planungssicherheit bekommen.
M3P_2024 meint
Sixt spielt leider in dem Bereich für mich nicht mehr die Musik.
Sixt Frankfurt am Flughafen, Mitte Mai: Ergebnis: 0 elektrische Fahrzeuge zur Auswahl. Gleicher Zeitraum Zürich Flughafen, da wird gerade mal ein bescheidener Volvo EX30 gelistet – nicht unbedingt das Fahrzeug was ich mir als Vielfahrer aussuchen würde.
Das macht z.b. Europcar beispielsweise in der Schweiz deutlich besser, da ist auch an kleinen Standorten bereits eine grosse Auswahl elektrisch buchbar, und man bekommt dann auch tatsächlich ein entsprechendes Fahrzeug – häufig sogar genau 1:1 wie gebucht und nicht wie so oft „oder ähnlich“.
Zudem kann bei Europcar in der Schweiz das Auto ohne Kostenfolge mit 0% Akku zurück gebracht werden, man muss es einzig zur Filiale schaffen. Das nenn ich sehr kundenfreundlich, besonders in Fällen wo man z.b. einen Flieger erreichen muss will man sich am Rückgabeort nach Möglichkeit nicht noch mit einer Ladepause beschäftigen müssen.
Sixt hätte es mit seiner Markmacht in der Hand, mit einem nennenswerten Ladepartner ein brauchbaren Deal auszuhandeln, damit man dem (häufig unerfahrenen) Kunden ein brauchbares und kalkulierbares Ladeerlebnis anbieten kann. Wieso nicht grad eine Ladekarte in die Sixt-App integrieren, oder zumindest eine Ladekarte mit dem Fahrzeug abgeben, womit der Kunde zu einem vernünftigen Fixpreis überall laden kann, ohne sich mit tausend Apps rumschlagen zu müssen? Das würd insbesondere einem Tourist aus Fern doch das Leben deutlich erleichtern.
Werdet doch bisschen kreativ liebe Sixtler, da könnte man deutlich mehr rausholen als einfach nur zu jammern…
Jeff Healey meint
Das wäre ja glatt so was wie Unternehmertum…., nee, so was wollen wir dann doch nicht, wo kommen wir denn da hin?
Future meint
Daran sieht man, dass bei Sixt nur Druck von außen hilft. Von alleine haben die keinerlei Interesse und lobbyieren gegen den Antriebswandel. Brüssel muss hart bleiben und dann wird Sixt auch ganz sicher »kreative« Lösungen finden. Ohne Druck macht Sixt nichts. Aber deren Werbesprüche sind immerhin schon mal kreativ – aber die denken sie sich ja auch nicht selber aus.
Utx meint
Dass diese Quoten in der Praxis einer Elektroquote von 83 Prozent gleichkämen, finde ich auch nicht gut. Es sollten 100 % sein.
Futureman meint
Bin leider auch schon bei Sixt reingefallen. Mit tollen E-Auto geworben, bekommen aber ein anderes Modell mit schlechteren Funktionen und Werten. Auch nach vielen Anfragen konnten sie das beworbene Fahrzeug gar nicht anbieten.
Und selbst bei den anderen Fahrzeugen musste man die Funktionen vom Fahrzeuge dem Techniker von Sixt erklären und nicht umgekehrt.
MK meint
Kam denn von Sixt auch schon mal ein konstruktiver Vorschlag?
PS: Wir können über die Firma nur bei Sixt mieten. Ein eAuto hatte ich da noch nie. Nicht, weil ich ein teureres Fahrzeug hätte haben wollen, dass die Firma nicht bezahlt oder weil ich keine Ladestationen gefunden hätte, sondern einfach, weil Sixt kein verfügbares eAuto hatte…es liegt also wohl eher an „nicht wollen“.
Mary Schmitt meint
Sixt soll aufhören zu weinen. Sie haben irgendwie schon immer ein Problem mit der Elektromobilität und meine nächste Sixt-Station ist da ein gutes Beispiel, weil man es in den vielen Jahren nicht geschafft hat, substantiell Ladestationen zu bauen. Machbar wäre das, wie der Vermieter in einem Statement offiziell und klar gesagt hatte, nachdem ihm Einlassungen von Sixt sublim eine Schuld zugeschoben hatten.
Justin Case meint
Als häufiger Sixt-Kunde muss ich leider feststellen: Sixt hat keine Ahnung, wie Elektromobilität aktuell funktioniert. So wie es heute läuft fragt jeder Mietkunde nach einem Verbrenner. Das hat auch damit zu tun, dass der schlechte, fragmentierte mit Apps, Karten und Subscriptions zugepflasterte (kaputte) Lademarkt so ist wie er ist. Der Elektroauto-Unerfahrene kennt das einfache bezahlen vom Tanken und ist mit diesem Chaos überfordert.
Damit es funktioniert, braucht Sixt meines Erachtens 2 Sachen:
1) Lademöglichkeiten an den Sixt-Standorten, damit die Fahrzeuge vor Ort nachgeladen werden können und der Kunde nicht am Ende „tanken“ muss
2) EINE funktionierende Ladekarte (mit idealerweise tragbaren Konditionen), die Sixt stellt, abrechnet und die quasi zum Auto gehört
Mäx meint
Punkt 1: Man muss das BEV nicht vollgeladen zurückbringen. Die Differenz zur Übernahme wird in Rechnung gestellt. Allerdings orientieren sich die Gebühren an den Ladestationen im Umkreis und es könnte sein, dass das dann auch sehr unattraktiv sein kann.
Punkt 2: Das ist glaube der viel wichtigere Punkt. Halbwegs planbare Kosten ohne sich viel mit beschäftigen.
EWE ist ja auch so eine Allerweltskarte. 62 Cent/kWh an anderen Ladesäulen, 52Cent/kWh an den eigenen.
Wenn man da eben eine Kondition verhandeln könnte mit 50Cent/kWh im Ladeverbund von EWE, Ionity, Aral, EnBW, Fastned und anderen die ich vergessen habe wäre viel gewonnen.
Und da Sixt ja groß ist und das BEV Angebot wachsen wird und die Fahrzeuge oft auch unterwegs geladen werden müssen, könnte ich mir schon vorstellen, dass sich da was aushandeln lassen könnte.
Besser-BEV-Wisser meint
Damit könnte Sixt leicht ein Vorreiter für die E-Mobilität werden.
Und da die Hersteller ja auch Quoten erfüllen müssen, glaube ich nicht an das Märchen, dass die E-Autos teuer sind für Sixt und damit die Mietpreise steigen würden.
ap500 meint
@Besser-BEV-Wisser natürlich sind Eautos teuer und schmälern den Gewinn.
Wäre es anders gäbe es nur noch Eautos und teurere Verbrenner.
Mäx meint
Wenn ich so drüber nachdenke könnte man das auch als Service verkaufen.
Standardmiete ohne Ladekarte, Aufpreis für eine Ladekarte.
Preis 1€ pro Tag oder so für den Aufwand und evtl. Konditionen mit den Partnern.
Der Mieter kann dann selbst entscheiden ob er günstiger laden kann oder nicht.
Besser-BEV-Wisser meint
@ap500
Perspektivisch nicht.
MK meint
@ap500
Aber woran liegt es denn, dass ein eAuto den Herstellern aktuell weniger Gewinn bringt als ein Verbrenner? Alleine an der Stückzahl und den Fixkosten. Die reinen Herstellkosten sind schon heute meist (natürlich ein bisschen abhängig von der Akkukapazität) deutlich niedriger.
Mal ein konkretes Beispiel: Sagen wir mal, die Entwicklung eines neuen Verbrenner-Golfs und die Entwicklung eines neuen ID.3 kosten jeweils 1 Milliarde Euro. Dazu kommen sagen wir jeweils 500 Mio. dafür, Lieferanten zu finden, ein Logistiknetz aufzubauen und mit Crashtests, Windkanaltests etc. eine Zulassung zu erhalten.
Verkauft man dann 3 Mio. Golf, aber nur 300.000 ID.3, muss man für diese Fixkosten 5.000 € pro ID.3, aber nur 500 € pro Golf erwirtschaften…Mehrwertsteuer, Kosten für Kapitalbindung, Händlerprovision usw. oben drauf, macht das beim Händler dann schnell 6.000 € für den Endkunde aus. Schon wenn aus den 300.000 ID.3 600.000 Stück werden, sinkt dieser Anteil um die Hälfte und VW macht entweder 2.500 € zusätzlichen Gewinn pro ID.3 oder kann die Preise senken…und das ist dann die Verbesserung, wenn immer noch 5mal mehr Verbrenner als eAutos verkauft werden. Langfristig wird sich dieses Verhältnis aber vollkommen umkehren und plötzlich sind es die Verbrenner, deren Preise durch die Decke schießen müssten.
Also: Nie aus auf Vergangenheitsdaten der Automanager auf die Zukunft schließen.
ap500 meint
@Besser-BEV-Wisser JA wenn es echte Volumenmodell mal gibt sind diese günstiger. Aktuell aber ist das nicht in Sicht bzw. erst ab 2030-2035.
Was bleibt ist das Eauto den Gewinn schmälern.
Besser-BEV-Wisser meint
Wenn die Stückzahlen stimmen, macht man auch mit E-Autos Gewinn. Siehe Tesla. Oder auch Volvo/Gely und Hyundai/Kia.
Wenn der Autokonzern dazu noch die Batterie selbst herstellt wird der Hersteller sogar zum Hai im Goldfischchenteich: BYD
PS. Auch BMW behauptet mit E-Autos Geld zu verdienen.
MK meint
@ap500: Warum sollte das so llange dauern? Wenn man sich den Bestelüberhang und die Lieferzeiten der MEB-Fahrzeuge anschaut, wäre VW längst am Ziel, hätten sie denn genügend Akkus bestellt…
ap500 meint
Ich wollte in Frankreich für 8h ein Eauto mieten aber ich sollte es vollgeladen wieder bringen! Damit war das Thema durch und ich habe dann nur nach Verbrennern gesucht.
Mäx meint
War das bei Sixt?
Ansonsten lügst du, denn bei denen muss man das nicht.
ap500 meint
Ja war bei Sixt in Bordeaux. im Juli 2025!
M3P_2024 meint
kann je nach Filiale oder Land teils unterschiedliche Anmiet- / und Rückgabebedingungen geben, aber ich kenne es von Sixt auch so dass das Auto zu 80% geladen zurück muss. Europcar in der Schweiz kann leer zurück, Europcar in Finnland hiess 2025 auch 80% retour.
Mäx meint
Bei Sixt auf der Homepage steht:
„Wir würden es begrüßen, wenn Sie das Fahrzeug aufgeladen zurückbringen, aber Sie müssen es nicht vollständig aufgeladen zurückgeben.“
Das steht ebenfalls genau so auf französisch auf deren Seite.
Dazu hab ich mir jetzt mal auf der FR Seite in Bordeaux einen Aceman Electric „gebucht“.
Also ganz klar gelogen, zumindest nachdem was Sixt sagt.
Übrigens kann man für 15€/Tag unlimited an 400 Electra Stationen laden
> Also etwa das was wir oben skizziert haben nur teurer und etwas weniger umfassend
ap500 meint
@Mäx ich war in Bordeaux bei Sixt und du Roller halt nicht.