Der „Battery Booster“ der Europäischen Union soll Europas Produktion von Batteriezellen mit 1,5 Milliarden Euro in Form zinsloser Kredite stützen. Doch das Geld ist bislang nicht geflossen – die Automobilwoche hat recherchiert, warum.
Infrage kommen laut dem Branchenportal faktisch nur drei Unternehmen: die Volkswagentochter PowerCo sowie die französischen Hersteller Automotive Cells Company (ACC) und Verkor. Nach den Insolvenzen von Northvolt und Britishvolt sowie dem Aus für die Porsche-Tochter Cellforce ist das Feld der europäischen Anbieter deutlich geschrumpft.
ACC gehört zu je einem Drittel Stellantis, Mercedes und TotalEnergies. Verkor wird unter anderem von Renault getragen. Auf diesen drei Anbietern ruhen große industriepolitische Erwartungen der EU. Sie sollen maßgeblich dazu beitragen, die Widerstandskraft der Region gegenüber Chinas Dominanz im Batteriezellmarkt zu stärken.
Offiziell nennt die EU-Kommission keine Firmennamen, doch im Papier zum „Battery Booster“ heißt es, die 1,5 Milliarden Euro sollten „zur Finanzierung der Unterstützung europäischer Batteriezellenhersteller in der Anlaufphase“ dienen. Gemeint sind damit dem Bericht zufolge die oben genannten drei Hersteller. Die erste Tranche der Förderung soll laut Strategiepapier in diesem Jahr ausgezahlt werden. Nach bisherigen Informationen ist jedoch kaum Fortschritt bei der Umsetzung erkennbar.
Die Förderung ist an konkrete Meilensteine beim Hochlauf zur Massenproduktion geknüpft – der kritischsten Phase in der Batteriezellfertigung. Gerade hier ist der Finanzbedarf besonders hoch. Gleichzeitig kämpfen die Unternehmen mit gedämpfter Nachfrage nach Elektroautos und starkem Preisdruck durch chinesische Anbieter. ACC hat daher in diesem Jahr die Pläne für Großfabriken in Kaiserslautern und Termoli aufgegeben und konzentriert sich zunächst auf den bestehenden Standort im französischen Douvrin.
PowerCo produziert seit Dezember 2025 erste Zellen und arbeitet am Produktionshochlauf. Eine zweite Fertigungshalle in Salzgitter wird vorerst nicht realisiert. Am geplanten Produktionsstart der zweiten Fabrik in Spanien im Herbst dieses Jahres hält das Unternehmen nach dem aktuellen Stand fest.
Dass die Mittel bislang nicht fließen, könnte laut der Automobilwoche auch an der institutionellen Konstruktion liegen. Mit dem „Battery Booster“ betritt die EU Neuland in der aktiven Industriepolitik. Zuständig sind zwei Ressorts: Das Team von Industriekommissar Stéphane Séjourné treibt die Initiative voran, während das Ressort von Klimakommissar Wopke Hoekstra über den Innovationsfonds entscheidet, aus dem die Kredite stammen sollen. Beide Seiten müssen sich auf Förderbedingungen einigen – offenbar stockt dieser Prozess bislang.
Ab 2028 plane die EU eine neue Förderlogik, schreibt das Branchenportal. In der Budgetperiode 2028 bis 2034 solle eine direkte Unterstützung je produzierter Kilowattstunde nach dem Vorbild des „Inflation Reduction Act“ der USA eingeführt werden, um die Batteriezellfertigung in der EU dauerhaft zu stärken.

Jeff Healey meint
„Auf diesen drei Anbietern ruhen große industriepolitische Erwartungen der EU. Sie sollen maßgeblich dazu beitragen, die Widerstandskraft der Region gegenüber Chinas Dominanz im Batteriezellmarkt zu stärken.“
Was für ein Witz. Mindestens 10 Jahre zu spät und viel zu wenig, um ein Gegengewicht zu chinesischen Unternehmen aufzubauen. 1,5 Milliarden Euro ist ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts einer Mammut-Aufgabe.
Das wissen ACC und Kompagnons auch, und streichen ihre Projekte reihenweise, ACC zuletzt die einstmals geplante Produktion in Deutschland und Italien.
Und Stellantis, einer der ACC-Partner, macht demnächst zusammen mit der Expertise von CATL in Spanien sein eigenes Ding.
Das sagt alles.