Der Chef von Umicore, ein führender europäischer Verarbeiter kritischer Mineralien, fordert strengere Bedingungen für chinesische Unternehmen beim Zugang zum EU-Binnenmarkt. Im Interview mit dem Portal Euractiv plädiert Bart Sap dafür, dass China-Firmen technologische Kontrolle abgeben und Joint Ventures mit europäischen Partnern eingehen müssen, wenn sie im Markt der 450 Millionen EU-Verbraucher tätig sein wollen. Dies solle die Beziehungen zwischen der EU und China „neu ausbalancieren“.
Sap argumentiert, dass solche Auflagen die seit Jahren bestehenden Investitionsbeschränkungen Pekings für ausländische Unternehmen spiegeln würden. „Die Realität ist, wir liegen zurück“, sagt er. Sein in Brüssel ansässiges Unternehmen raffiniert 17 Mineralien, darunter Kobalt, Nickel und Antimon, die von der EU als strategisch kritisch eingestuft sind.
China kontrolliert rund 70 Prozent der weltweiten Verarbeitung kritischer Mineralien und verfügt damit über erheblichen Einfluss auf Rohstoffe, die für zivile und militärische Hochtechnologien benötigt werden. Vor diesem Hintergrund fordert der Umicore-CEO, zentrale Technologien und Unternehmen stärker nach Europa zu holen.
„Müssen sicherstellen, dass wir diese Technologien hier ansiedeln“
„Wir müssen sicherstellen, dass wir diese Technologien hier ansiedeln; dass wir, wenn wir öffentliche Gelder ausgeben, diese Unternehmen und Technologien in Joint Ventures nach Europa bringen“, so Sap. Dafür brauche es „klare lokale Inhaltsvorgaben“. Subventionen und öffentliche Aufträge sollten demnach an Bedingungen geknüpft werden, die europäische Wertschöpfung stärken.
Die Debatte fällt in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Brüssel und Peking. Chinas hoher Handelsüberschuss und seine Dominanz in Zukunftsbranchen – von Elektrofahrzeugen bis zur Rohstoffverarbeitung – belasten die Beziehungen, während hohe Energiepreise und US-Zölle die industrielle Basis Europas schwächen.
Zusätzliche Unruhe entstand, als Peking im April als Reaktion auf umfassende Zölle von US-Präsident Donald Trump strenge Exportkontrollen für Seltene Erden verhängte. Dieser Schritt alarmierte europäische Entscheidungsträger und beschleunigte die Bemühungen der EU, ihre strategische Abhängigkeit von China und den USA durch „Made in Europe“-Vorgaben zu verringern.
Auf EU-Ebene wird der Kurs laut Euractiv intensiv diskutiert. Ein informelles Gipfeltreffen befasste sich demnach bereits mit protektionistischeren Ansätzen, die insbesondere vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron unterstützt werden. Deutschland und andere Staaten sollen zurückhaltender sein. Auch der geplante „Industrial Accelerator Act“ der Europäischen Kommission soll laut einem Entwurf strenge lokale Inhaltsvorgaben für Subventionen und öffentliche Ausschreibungen enthalten, etwa bei Elektroautos, Batterien und Aluminium.
„Nicht mehr der Professor, sondern der Student“
Sap, dessen Unternehmen als einziger europäischer Raffinierer von Germanium gilt, fordert von der EU ein Umdenken im Umgang mit Chinas technologischem Vorsprung. „Wir müssen anerkennen, dass wir nicht mehr der Professor sind, sondern der Student“, sagt er. „Und wenn man Student ist, verfolgt man einen anderen Ansatz und möchte lernen.“
Europa müsse „mutig genug“ sein, gegenüber seinem zweitgrößten Handelspartner klare Bedingungen zu setzen, so Sap. Zugleich betont er, die Maßnahmen richteten sich nicht „gegen“ die Volksrepublik, sondern seien als Angebot zur Zusammenarbeit zu verstehen. Während die USA versuchten, China aus ihren Lieferketten auszuschließen, biete sich Europa eine „Chance“: „Wir können dagegen kämpfen oder wir können zusammenarbeiten.“

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