Die EU gab im vergangenen Jahr 67 Milliarden Euro für Ölimporte für Autos aus, berichtet Transport & Environment (T&E). Ein schnellerer Umstieg auf E-Autos würde laut der Umweltorganisation die Ölimporte in den nächsten zehn Jahren um 45 Milliarden Euro senken.
Wer einen Benziner fährt, wird von den Preissteigerungen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt weitaus stärker betroffen sein als E-Autofahrende, zeigt eine neue T&E-Analyse. Da die Ölpreise die Marke von 100 Dollar pro Barrel überschritten haben, werden die zusätzlichen Kosten für das Betanken eines Benziners den Analysten zufolge voraussichtlich fünfmal so hoch sein wie die Mehrkosten für das Aufladen eines E-Autos.
T&E hat die zu erwartenden Auswirkungen auf die Benzinpreise analysiert und festgestellt, dass das Betanken eines durchschnittlichen Benziners 14,20 Euro pro 100 Kilometer kosten würde – ein Anstieg um 3,80 Euro aufgrund des Iran-Konflikts. Die durchschnittlichen Kosten für das Aufladen eines E-Autos würden bei 6,50 Euro pro 100 Kilometer liegen – ein Anstieg um 0,70 Euro aufgrund höherer Strompreise, die durch teureres Gas verursacht werden. Bei Firmenwagen, die weitere Strecken zurücklegen als Privatfahrzeuge, würden die Auswirkungen noch größer sein: zusätzliche 89 Euro pro Monat für jeden Benziner in der Firmenflotte. Das Aufladen von E-Firmenwagen würde nur 16 Euro zusätzlich pro Monat kosten.
Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland: „Wer diese Tage seinen Benziner tankt, muss starke Nerven haben. Jede Ölkrise ist als erstes an der Zapfsäule zu spüren. Die beste Versicherung gegen den Preisschock sind E-Autos, doch Bundeskanzler Merz will den Umstieg verlangsamen. Gleichzeitig sorgt Wirtschaftsministerin Reiche dafür, dass günstige und heimische Energiequellen wie Wind und Sonne geschwächt werden.“
Die T&E-Analyse kommt zudem zu dem Ergebnis, dass die EU im Jahr 2025 eine Milliarde Barrel Öl für Autos importierte, was Kosten in Höhe von 67 Milliarden Euro verursachte. Die acht Millionen E-Autos, die bereits auf Europas Straßen unterwegs sind, haben demnach der EU im letzten Jahr weitere 46 Millionen Barrel Ölimporte im Wert von 2,9 Milliarden Euro eingespart.
Im Dezember schlug die EU-Kommission als Teil des Autopakets vor, die Flottengrenzwerte für Pkw zu schwächen und Elektrifizierungsziele für große Unternehmensflotten festzulegen. Die Autoindustrie und einige EU-Politiker, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU, wollen, dass die Flottengrenzwerte noch weiter abgeschwächt werden, und lehnen die Ziele für Unternehmensflotten ab.
Eine solche Abschwächung würde den Umstieg auf E-Autos in Europa verzögern und die Abhängigkeit vom Öl verlängern. Ein ambitionierteres Autopaket würde dagegen den Markthochlauf von E-Autos fördern und die Ölimporte zwischen 2026 und 2035 um 45 Milliarden Euro senken, so das Ergebnis der Analyse.
T&E fordert die EU-Politiker auf, sich für die Bürger einzusetzen, die mit steigenden Kraftstoffkosten konfrontiert sind, indem sie den Druck auf die Autohersteller aufrechterhalten, mehr elektrische Autos anzubieten. Ein aktueller Bericht der Umweltorganisation ergab, dass der Durchschnittspreis für ein E-Auto in der EU zum ersten Mal seit 2020 gesunken ist. Das sei auf die Markteinführung erschwinglicherer E-Modelle zurückzuführen, mit denen die Hersteller ihre Flottengrenzwerte erfüllen wollen.
T&E erklärt zudem, dass mehr Ambitionen bei der Elektrifizierung von Fahrzeugflotten großer Unternehmen nötig seien. Die derzeitigen Zielvorgaben entsprächen lediglich den Markttrends und würden nicht dazu führen, dass Unternehmen ihre Flotten schneller elektrifizieren. Besonders der Gebrauchtwagenmarkt würde profitieren und Käufer einen schnelleren Umstieg auf sparsame und günstige E-Autos ermöglichen. Durch eine Verschärfung der vorgeschlagenen Flottenziele könnten im Jahr 2035 zusätzlich 3,6 Millionen gebrauchte E-Autos auf den Gebrauchtwagenmarkt gelangen.
Sebastian Bock: „Die Bundesregierung muss endlich erkennen, dass unsere strategische Souveränität nicht an der Zapfsäule verteidigt wird. Wer jetzt noch die Elektrifizierung bremst, zementiert Europas fatale Abhängigkeit von importiertem Öl und lässt Bürger und Bürgerinnen den Preis dafür zahlen. Wenn Kanzler Merz sich dem Druck der Autolobby beugt und eine Schwächung der Flottengrenzwerte zulässt, macht das Autofahren für Millionen Deutsche langfristig teurer, um die kurzfristigen Profite der Konzerne zu schützen.”

Elvenpath meint
„Iran-Konflikt“? Nettes Wort für den völkerrechtswidrigen Überfall auf den Iran und die Ermordung vieler unschuldiger Menschen.
Böhser Neffe meint
Abwarten was Strom-Neuverträge in 6 bis 12 Monaten kosten, unterhalb der Mittelklasse sind E-Autos immer noch 10 bis 15k teurer als vergleichbare Verbrenner.
Futureman meint
Wer zahlt denn mehr als 2€/100km? Ach, sorry, das sind ja gerade die Liter Preise an der Tankstelle. Mein Auto lädt halt günstiger zu Hause und ist immer voll. Fahrten mit Stress zur Tankstelle kennt man als e Auto Fahrer gar nicht.
Powerwall Thorsten meint
Mein „Treibstoff“ ist 8 Monate die Sonne – und das ist gut so
:-)
Daniel S meint
BEV sind im Betrieb günstuger und das Fahrgefühl ist sehr schön. Die DE Autoindustrie hat tolle Angebote für BEV. Auf was warten die 78% Neuwagenkäufer noch, die keine BEV. Kaufen?
brainDotExe meint
Es gibt halt Leute die wollen (noch) kein BEV haben.
Wie haben (noch) Wahlfreiheit.
ap500 meint
Das ist zu kurz gedacht weil viele Ihre Arbeit verlieren könnten und sich dann gar kein Auto mehr leisten können oder nur einen günstigen Verbrenner.
Jensen meint
Der angebliche Verlust von Arbeitsplätzen ist ein gern genutztes Schreckgespenst, um dringlichst benötigte Veränderungen zu verzögern. Arbeitsplätze im Zusammenhang mit Verbrennertechnik sind ohnehin hochgefährdet, weil diese Technik ausläuft. Man kann das bejammern oder sich eben nach neuen Arbeitsplätzen umsehen. Im Bereich Elektromobilität, erneuerbare Energien, Wärmepumpen etc. gibt es reichlich Arbeit und zukunftsträchtige Arbeitsplätze.
Thorsten 0711 meint
In zB Dortmund und Duisburg sieht man das mit den Verlusten an Industriearbeitsplätzen allerdings anders. Die haben heute einer der höchsten Anteile an Sozialhilfeempfängern in DE.
Großbritannien hätte auch gerne seine Industrie wieder. Dies wird aber nicht passieren, die Musik spielt immer mehr in Asien. Besonders deutlich sieht man das bei der Akkuherstellung: Alleine CATL (ca. 39%) und BYD (ca. 16%) halten über 55% des weltweiten Marktanteiles.