In den Niederlanden wurde ein groß angelegtes Pilotprojekt gestartet, bei dem Elektroautos als mobile Heimbatterien dienen. Kia und Hyundai führen diese Untersuchung gemeinsam mit dem Energieunternehmen Vattenfall durch. Die Teilnehmer können den Strom aus ihren Fahrzeugen sowohl an das eigene Haus als auch an das öffentliche Stromnetz zurückgeben.
Mit dem Vorhaben schaffen die Niederlande laut dem Portal NL Times einen Meilenstein, da es das erste Land sei, das eine solche Verbraucherstudie in diesem Umfang durchführt. 80 Konsumenten nehmen an dem Projekt teil. Die erste Phase beginnt in der zweiten Hälfte 2026 und umfasst 40 private Besitzer eines Kia EV9 oder des technisch eng verwandten Hyundai Ioniq 9. Die Teilnehmer erhalten während des sechsmonatigen Testzeitraums kostenlose Lademöglichkeiten für ihre E-Autos zu Hause. Dort während des Pilotprojekts geladene Kilowattstunden werden bis zu einem Höchstbetrag von 500 Euro erstattet.
Der Pilot nutzt Technologien für das bidirektionale Laden, bekannt als Vehicle-to-Grid (V2G) und Vehicle-to-Home (V2H). Dadurch können die Elektrofahrzeuge tagsüber günstigen Solarstrom speichern und diesen am Abend bei hoher Last im Haushalt oder im Netz wieder abgeben. Der Kia EV9 ist dabei das erste Modell, das offiziell für diesen Zweck bei den niederländischen Netzbetreibern registriert wurde.
Die technische Umsetzung erfolgt über eine vorzertifizierte Ausstattung, die eine bidirektionale Ladestation im Haus sowie eine intelligente Kia-App umfasst. Über letztere legen die Fahrer einen Mindestladestand für ihre nächste Fahrt fest. Innerhalb dieser Grenzen kann Vattenfall die verfügbare Energie nutzen, um das Stromnetz zu unterstützen.
Das niederländische Stromnetz steht aufgrund von Überlastungen zunehmend unter Druck. Eine Flotte von E-Fahrzeugen, die kollektiv als verteilte Batterien fungieren, könnte helfen, Angebot und Nachfrage durch das Glätten von Spitzen und Abfällen im Stromverbrauch auszugleichen. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Kapazität der Fahrzeugbatterie. Diese ist typischerweise vier bis zehnmal größer als die einer herkömmlichen, teuren Heimbatterie an der Wand.
„Elektroautos stehen den Großteil des Tages“
„Elektroautos stehen den Großteil des Tages“, unterstreicht Jeroen van Loonvon von Vattenfall Netherlands. „Gleichzeitig verfügen sie über eine große Batterie: Während eine Hausbatterie in der Regel etwa 10 Kilowattstunden fasst, kann ein Elektroauto problemlos 50 bis 60 Kilowattstunden speichern. In diesem Pilotprojekt untersuchen wir, wie wir die Flexibilität dieser neuen Fahrzeuggeneration nutzen können, und sammeln Erfahrungen mit einem Energiesystem, das sich besser an Angebot und Nachfrage anpassen lässt.“
Das Projekt zielt Vattenfall zufolge darauf ab, technische und rechtliche Barrieren zu überwinden. Bisher behinderten Regulierungen und eine doppelte Energiesteuerung das bidirektionale Laden in den Niederlanden, da Nutzer sowohl beim Laden als auch bei der Rückspeisung belastet würden. Das Pilotprojekt soll eine breitere nationale Einführung vorbereiten.

South meint
Auch das hatten wir schon oft. Bevor man ein riesig komplexes Geflecht aus zigMillionen von eAutos und Heimspeicher vernetzt, mit all den Abrechnungen und teuren technischen Schnickschnack und Verwaltung, sollte man besser die Kapazitäten in Speichersysteme oder Kraftwerke (eFuels, eGas etc.) stecken. Komplexität ist teuer, verwundbar und irgendwann verstehts keiner mehr. Zudem gibt es deutlich günstigere und auch umweltfreundlichere Accus, anstatt da teure für den Einsatz in Autos konzipierte Accus zu verschleissen….
Da denken wir in der BRD viel zu kleinteilig…
eBikerin meint
Ich gab dir da vollkommen recht, allerdings liest man auch hier sehr gerne, dass einige genau dass haben wollen. Verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht. Kurz mal Google angeworfen: BYD 24 kWh Batteriespeicher gibts für 6500 Euro – wenn man ne PV hat, hat man den Rest drumrum ja eh schon. Hab extra den BYD genommen, weil ich die Marke kenne. Von mir unbekannten Herstellern gibts das noch deutlich billiger.
Warum also seinen teuren Auto-Akku belasten? Ach und in einigen Bundesländern gibts auch noch Förderung für Heimspeicher.