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Herbert Diess sieht Wendepunkt beim bidirektionalen Laden

15.07.2026 in Aufladen & Tanken von Thomas Langenbucher | 2 Kommentare

Bild: VW (Symbolbild)

Das bidirektionale Laden steht nach einer Phase von Pilotprojekten vor dem Markteintritt für den Massenmarkt. Laut Herbert Diess, Verwaltungsratschef von The Mobility House und ehemaliger Volkswagen-Chef, sind die technologischen Grundlagen durch eine neue Fahrzeuggeneration sowie erschwingliche Wallboxen nun vorhanden.

Die ökonomische Grundlage für Vehicle-to-Grid (V2G) und Vehicle-to-Home (V2H) basiert auf der Wertigkeit der bereitgestellten Speicherkapazität. Diess erläutert, dass die Kunden durch die Einspeisung in das Netz ihre Haushaltsenergien wie Heizung, Kühlung oder Elektrogeräte finanzieren könnten.

Angesichts steigender Solarstromerzeugung wächst der Bedarf an flexiblen Speichern. Da es bereits Phasen mit vier bis sechs Stunden täglicher Solarstromproduktion und teilweise negativen Preisen gibt, könnten Elektroautos diese Überschüsse in ihren Batterien aufnehmen und später zurückspeisen. Diess sieht die Branche daher am „Tipping Point“. Er sagt im Video-Interview mit Electrive: „Das, was der Kunde dem Netz an Speicher zur Verfügung stellt, ist so wertvoll, dass er im Prinzip sein Elektroauto, die Wärmepumpe, das Waschen, Heizen, Kühlen, Fernsehgucken im Haus davon bezahlt kriegt.“

Kritik übt Diess an den deutschen Rahmenbedingungen, vor allem den Verteilnetzbetreibern. Er bezeichnet die Netzkosten in Deutschland als europaweit führend, mit Werten von 10 Cent pro Kilowattstunde (kWh), in Hamburg sogar bis zu 14 Cent. Im Vergleich dazu lägen die Gebühren in Frankreich bei etwa 4 Cent. Die Struktur der über 860 deutschen Verteilnetzbetreiber sei ineffizient und reformbedürftig. Diess plädiert für ein Modell mit einem zentralen Netzbetreiber nach französischem Vorbild. Zudem kritisiert er die aktuelle Ausrichtung der Rahmenbedingungen zugunsten der Energieversorger.

Für die kommenden zwei Jahre erwartet Diess eine deutliche Skalierung des Marktes, bei der Strompreise durch den großflächigen Einsatz von Speichern sinken könnten. Es entstehe ein Wettbewerb zwischen Autoherstellern, Energieversorgern und neuen Akteuren um den Zugang zum Kunden. „Es wird sich zeigen, wer den besten Zugang zum Kunden findet“, so Diess.

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Via: Electrive
Tags: Bidirektionales Laden, Kosten, StromspeicherAntrieb: Elektroauto

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Über den Autor

Thomas Langenbucher ist Experte für Elektromobilität mit beruflichen Stationen in der Automobilindustrie und Finanzbranche. Seit 2011 berichtet er auf ecomento.de über Elektroautos, nachhaltige Technologien und Mobilitätslösungen. Mehr erfahren.

Leser-Interaktionen

Kommentare

  1. David meint

    15.07.2026 um 12:25

    Der Witz an den Kosten durch den Netzbetrieb ist, der hängt vom regionalen Verteilnetzbetreiber ab. Nicht weil der berechnen dürfte, was er möchte. Aber weil viele Investitionen zu einem höheren Preis führen.

    Bei uns ist es so, dass der Netzpreis relativ niedrig ist. Denn alle Grottenolme vom Netz sitzen bei uns eingeschlossen im Büro. Der Kunde stört, und es wird Bohnenkaffee getrunken. Natürlich werden keine Investitionen getätigt, denn dann müsste man ja arbeiten. Schon schlimm genug, diese Nerversägen mit Solar, Wärmepumpe und Speicher. Und ganz schrecklich diese neuen Moden mit dem Marktstammregister.

    Man ist also gefühlt deutlich überarbeitet. Somit passiert beim Netzausbau gar nichts und ich bin weiterhin der einzige in unserem wohlhabenden Stadtteil mit einer 22 kW Wallbox. Die Genehmigung war wohl damals durchgerutscht, weil der Installateur ein Spezl war und man vermutlich auch noch gar nicht so richtig verstanden hatte, was eine Wallbox überhaupt ist.

    Antworten
  2. Futureman meint

    15.07.2026 um 12:06

    Wenn VW jetzt noch den Zugang zur Batterie länger als 5 Jahre frei gibt, könnte es auch mit einem VW rentabel sein. Ansonsten lieber bei anderen Herstellern kaufen und die gekaufte Ware auch nutzen dürfen.

    Antworten

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