Der Volkswagen-Konzern hat bei seiner Hauptversammlung einen Zukunftsplan vorgestellt, mit dem das Unternehmen bis 2030 der „weltweit attraktivste Automobilhersteller“ werden will. Vorstandschef Oliver Blume präsentierte acht zentrale Handlungsfelder, die die Volkswagen AG auf ein Umfeld mit steigenden geopolitischen Spannungen, wachsendem Wettbewerbsdruck und zunehmenden Handelsbeschränkungen ausrichten sollen. Gleichzeitig soll die finanzielle Robustheit gestärkt und Spielraum für Investitionen und Wachstum geschaffen werden.
Nach Angaben des Konzerns wurden in den vergangenen Jahren bereits wesentliche Voraussetzungen geschaffen. Dazu zählen eine umfassende Produktoffensive, Verbesserungen bei Design, Qualität und Technologie, eine neu aufgestellte Softwareorganisation, der Aufbau eigener Batteriekompetenz, eine stärkere regionale Ausrichtung sowie Performance-Programme in den Marken und Gesellschaften. Blume erklärte: „Alle zentralen strategischen Ziele wurden erreicht. Zum Teil früher als geplant. Und das in einer Zeit, in der sich die Welt rasant verändert hat.“
Die Produktoffensive setzt sich fort. Im Jahr 2025 brachten die Konzernmarken mehr als 30 neue Modelle auf den Markt, für das laufende Jahr sind weitere 20 Fahrzeuge vorgesehen. Der Konzern verweist zudem auf Fortschritte bei Technologien, Software, Batterien, Design und Qualität.
Fortschritte bei E-Mobilität und Software
In der Elektromobilität meldet Volkswagen für 2025 weltweit einen Anstieg der Auslieferungen vollelektrischer Fahrzeuge um 32 Prozent. In Europa betrug das Wachstum 66 Prozent, der Marktanteil lag bei 27 Prozent. Fünf der zehn meistverkauften Elektroautos stammten von Konzernmarken. Mit der „Electric Urban Car Family“, bestehend aus VW ID. Polo und ID. Cross sowie Cupra Raval und Škoda Epiq, will der Konzern bezahlbare Elektromobilität in die Einstiegsklasse bringen.
Auch bei Software und Elektronik wurden weitere Schritte genannt. Aufbauend auf der Kooperation mit dem chinesischen Elektroautobauer XPeng wurde demnach innerhalb von 18 Monaten eine eigene Elektronik-/Elektrik-Architektur für China entwickelt und in Serie gebracht. Die im Joint Venture mit dem US-Elektroauto-Start-up Rivian entwickelte zonale Software-Architektur für die westliche Hemisphäre liege ebenfalls im Plan.
Mit der Energietochter PowerCo baut Volkswagen seine Batteriekompetenz aus. Das Unternehmen entwickelt und produziert nach eigenen Angaben als erster europäischer Hersteller Batteriezellen im industriellen Maßstab. Der Produktionshochlauf erfolgt derzeit in Deutschland, weitere Fabriken sind in Spanien und Kanada vorgesehen. Parallel werde bereits an künftigen Batteriegenerationen gearbeitet.
Auf der Kostenseite berichtet der Konzern von Fortschritten im zweistelligen Milliardenbereich durch Performance-Programme in allen Marken. Tarifeinigungen und Personalabbau hätten 2025 nachhaltige Kosteneffekte von rund einer Milliarde Euro ermöglicht. Bis 2030 sollen zusammen mit bereits vereinbarten Kapazitätsreduzierungen jährliche Nettoeinsparungen von mehr als sechs Milliarden Euro erreicht werden. Für Volkswagen, Audi, Porsche und die Software-Tochter Cariad wurde der Abbau von rund 50.000 Stellen vereinbart, davon 35.000 bei der Volkswagen AG. Mehr als 28.000 Austritte bis 2030 seien bereits verbindlich festgelegt. Zudem wurden die Fabrikkosten an deutschen Volkswagen-Standorten im Jahr 2025 durchschnittlich um mehr als 20 Prozent gesenkt.
Zukunftsplan soll Wachstum und Robustheit stärken
Der Zukunftsplan basiert auf acht strategischen Handlungsfeldern: Reduzierung von Komplexität, Vereinfachung des technologischen Werkzeugkastens, Anpassung des Produktionsnetzwerks an die Marktrealitäten, Stärkung regionaler Verantwortung, Straffung des Beteiligungsportfolios, Steigerung der operativen Exzellenz, Förderung der Leistungskultur sowie Verbesserung der Konzernsteuerung. Dazu gehören unter anderem weniger Plattformen und Elektronikarchitekturen, der weitere Abbau von Überkapazitäten, schlankere Strukturen, klarere Verantwortlichkeiten und schnellere Entscheidungswege.
Bis 2030 strebt Volkswagen eine operative Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent an. Der Netto-Cashflow im Konzernbereich Automobile soll mehr als 60 Prozent des operativen Ergebnisses erreichen. Grundlage dafür sind Kostendisziplin, höhere Effizienz und gezielte Investitionen in Zukunftstechnologien. „Die Lage bleibt anspruchsvoll. Trotzdem haben wir es selbst in der Hand: mit unseren starken Marken und Produkten, unserer klaren Strategie und einem Team, das liefern kann. Vor uns liegen große Chancen“, so Blume.
Der CEO weiter: „Wir machen den Volkswagen Konzern noch robuster und wettbewerbsfähiger. Dafür haben wir einen klaren Zukunftsplan entwickelt. Wir stellen uns finanziell noch krisenfester auf und machen uns kostenseitig, strukturell und technologisch noch zukunftsfähiger – gegen äußere Einflüsse, gegen wachsende Risiken in einem radikal veränderten Umfeld. In den vergangenen drei Jahren haben wir den Konzern grundlegend neu strukturiert und stabilisiert. Wir sind deshalb mitten im größten Umbruch unserer Industrie handlungsfähig und führen die Transformation unseres Unternehmens entschlossen in die nächste Phase. Unser Ziel ist klar: Substanz stärken, gezielt investieren und nachhaltigen Wert schaffen, für unsere Kunden, Anteilseigner und Beschäftigten. Die nächsten Jahre entscheiden – und wir haben es selbst in der Hand.“

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