Frankreich warnt vor einer weiteren Aufweichung der europäischen Klimaziele für den Automobilsektor. Die Regierung des Landes spricht laut einem Bericht der Financial Times von einem „schrecklichen Signal“, sollte das geplante Auslaufen von Benzin- und Dieselmotoren weiter abgeschwächt werden. Hintergrund sind steigende Verkaufszahlen bei Elektrofahrzeugen, die während des Konflikts im Iran eine Dynamik entwickelten.
Im Dezember hat die Europäische Kommission ihre ursprüngliche Ambition angepasst: Anstatt den Verkauf von Neufahrzeugen mit Auspuffemissionen bis 2035 vollständig zu beenden, unterstützt sie nun eine Reduktion der CO₂-Emissionen von Autos und Transportern um 90 Prozent. Zudem wurden Anforderungen für die Nutzung von CO2-armem Stahl sowie Anreize für kleine, in der EU produzierte E-Fahrzeuge vorgeschlagen.
Frankreich betrachtet die aktuellen Vorschläge der Kommission als ausgewogen. Die französische Klimaministerin Monique Barbut warnte kürzlich vor weiteren Lockerungen, wie sie von Teilen der Automobilindustrie sowie aus Rom und anderen europäischen Hauptstädten gefordert werden. Sie betonte den Anstieg der Verkaufszahlen in ihrem Land.
„Nach der Krise, die wir gerade mit Hormuz durchgemacht haben, gab es in Frankreich eine Explosion der Verkäufe von Elektrofahrzeugen“, erklärte Barbut laut der Financial Times. Ein Rückzug von dieser Regulierung wäre ein „schreckliches Signal“. Um den aktuellen Entwurf der Kommission zu schützen, hat Frankreich zusammen mit sieben weiteren Mitgliedstaaten eine Blockade-Minderheit gebildet. Zu diesen Ländern gehören unter anderem die Niederlande, Spanien, Schweden und Dänemark. In einem Brief forderten sie eine „starke Elektrifizierung“ des Automobilsektors.
Der EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra bezeichnete die Verkaufszahlen in den wichtigsten europäischen Märkten als „wirklich spektakulär“. Er sieht darin ein Argument gegen eine Verwässerung der Ziele. Die Registrierungen neuer Elektroautos stiegen in Frankreich im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 93 Prozent und machten 29 Prozent des Marktes aus. Die Entwicklung geht mit hohen Kraftstoffpreisen und verstärkten Subventionen einher, wie etwa einem Leasingprogramm für Elektroautos in Frankreich.
In ganz Europa machten reine Stromer im Mai 22 Prozent des Marktes aus. Das entspricht einem Zuwachs von fünf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Von Januar bis Mai 2026 beliefen sich die Zulassungen von Elektroautos in Europa insgesamt auf fast eine Million Fahrzeuge. Dennoch fordern etwa Deutschland und Italien weniger strenge EU-Regeln. Die Länder sprechen sich für die Berücksichtigung von Biokraftstoffen oder auch eine Lockerung der Vorschriften für Plug-in-Hybride aus.

Jörg meint
Ich habs grad nicht im Kopf, diese Länder repräsentieren wie viel Prozent vom EU Automarkt?
Und falls sich Berlin und Rom, um die beiden geht es ja hauptsächlich, doch durchsetzen bleibt noch der nationale Weg ala NL.
Mäx meint
In einer potentiellen Abstimmung für sowas ist es wichtig, wie viele Länder an sich und wie die Länder die Bevölkerung in der EU repräsentieren.
Also es können nicht einfach nur die kleinsten Länder zustimmen die mengenmäßig zwar viele sind, aber zu wenig Bevölkerung repräsentieren und andersherum können nicht einfach nur die paar größten Länder zustimmen die zwar genug Bevölkerung repräsentieren aber die kleinen Länder übervorteilen.
Will heißen: Mit Frankreich und Spanien sind zwei wirklich große Länder gegen weitere Aufweichung über den Kommissionsvorschlag hinaus.
Jetzt ist die Frage auf was für einen Vorschlag zur Abstimmung man sich einigt.
Aktuell gilt weiterhin 0gCO2/km ab 2035 und erneuerbare eFuels sind möglich und es muss ja erstmal per Abstimmung gekippt werden.
Entschließen sich dann Frankreich, Spanien, Niederlande, Dänemark, Schweden und noch ein paar weitere dagegen zu stimmen, weil weitere Aufweichungen aufgenommen wurden, könnte die Abstimmung scheitern und somit weiterhin bei 0gCO2/km bleiben.
Somit kann man davon ausgehen, dass es eher sehr nah am Vorschlag aus Dezember 2025 bleiben wird ohne große zusätzliche Aufweichungen.
Futureman meint
Deutschland braucht den Verbrenner, den es geht nichts über Rekorde. Selbst wenn es immer neue Temperaturrekorde oder Hitzetote sind.
Jeff Healey meint
(…) „Dennoch fordern etwa Deutschland und Italien weniger strenge EU-Regeln. Die Länder sprechen sich für die Berücksichtigung von Biokraftstoffen oder auch eine Lockerung der Vorschriften für Plug-in-Hybride aus.“
Diese Regierungen haben nichts verstanden. Wo soll die benötigte Menge an Biokraftstoff herkommen? Ein rosafarbenes Einhorn!
Und die geforderten Lockerungen für die Plug-in-Hybride verfolgen doch nur das Ziel, irgendwie noch den absehbar auslaufenden Verbrenner künstlich eine Zeit lang im Spiel zu halten, weil unsere Dinosaurier-Industrien davon immer noch zu hohe Kapazitäten haben.
Das ist ein Bärendienst jener Regierungen, denn die Ablösung der Verbrenner ist längst im Gange.
Till meint
…aber, aber… …die Emotionen, die ich doch empfinde, wenn ich mit meinem 911 Cabrio wochenends bei 41 Grad mit offenem Klappenauspuff durch die ausgedörrten Wälder lärme…
heul
M. meint
Sachlich zwar richtig, aber die in homöopathischen Stückzahlen auftretenden 911 Cabrios sind eher nicht das Problem, verglichen mit den Millionen Standardverbrenner, deren Eigentümer auf den E-Gebrauchtmarkt und auf eine wohnortnahe Ladeinfrastruktur warten (umsonst, zumeist)*.
Das ist ein weitaus größerer Hebel.
Die paar 911er würde ich tatsächlich auf eFuel für 5€ / L umstellen, und fertig. Entweder man dokumentiert, dass man sich das leisten kann, oder man nimmt halt was elektrisches.
*ganz im Gegensatz zu: Laden per Datenkrakeapp beim Einkauf, Laden irgendwo in der Stadt, AG wechseln zu einem, der Ladeplätze für AN hat, Blockiergebühr an AC ab 3:00 Uhr nachts, wenn voll,… inkl. Bekämpfung aller Konzepte, die das Problem angehen wollen, siehe Ladebordstein, Ladebrücke über den Fußweg, usw.
Jensen meint
Danke an Frankreich und die anderen Länder, die sich damit insbesondere auch gegen unsere eigene, aktuell rückwärtsgewandte Energie-und Wirtschaftspolitik richten.