Aktuelle Daten des Umweltministeriums belegen, dass ausländische Automobilhersteller bei der Vergabe der Elektroauto-Kaufprämie häufiger profitieren als deutsche Hersteller. Nach einer Anfrage des Bundestagsabgeordneten Julian Joswig wurde bekannt, dass Tesla mit 2086 bewilligten Anträgen die Liste anführt. Dahinter folgt Škoda mit 1197 Förderungen, berichtet die Süddeutsche Zeitung.
Die chinesische Marke Leapmotor belegt derzeit den siebten Platz der genehmigten Anträge und liegt damit vor Volkswagen, das auf Rang acht rangiert. Bei Leapmotor wurden 613 Fahrzeuge bezuschusst, obwohl das Unternehmen im ersten Halbjahr insgesamt nur rund 7800 E-Autos in Deutschland verkaufte. Im Gegensatz dazu wurden von den etwa 50.000 verkauften Stromern der Marke Volkswagen bisher nur 593 gefördert.
Ein Grund für diese Verteilung könnte das Angebot an preiswerten Modellen sein. Chinesische Hersteller wie Leapmotor oder BYD bieten teilweise Fahrzeuge mit monatlichen Leasingraten unter 100 Euro an. Da die Prämie an das Haushaltseinkommen gekoppelt ist, stellen diese günstigen Modelle eine attraktive Option dar.
Doch auch bei US-Hersteller Tesla ist der Anteil der geförderten Fahrzeuge im Verhältnis zu den Verkäufen deutlich höher als bei Volkswagen. Von rund 30.000 Käufern erhielten bisher mehr als 2000 die staatliche Förderung. Das in Brandenburg produzierte mittelgroße SUV-Coupé Tesla Model Y war im Juni das meistverkaufte Elektroauto in Deutschland.
Das Umweltministerium merkt an, dass sich die Rangliste der Marken im Laufe der Zeit noch verändern könnte. Das aktuelle Förderprogramm verfügt über ein bereitgestelltes Budget von drei Milliarden Euro, wovon bis Ende Juni 53,9 Millionen Euro ausgegeben wurden.

Eric meint
Die Förderung gilt bekanntlich nur für private Zulassungen. Der Vergleich mit den verkauften Pkw im selben Zeitraum zeigt u.a., welche Marken eher im gewerblichen Umfeld genutzt werden.
David meint
Schlimme Sache. Wer sind eigentlich die beiden größten Ausländer bei den Elektroautos? Richtig, Škoda und Seat.
Besser-BEV-Wisser meint
Tja, das ist so ne Sache mit den „ausländischen Herstellern“. Tesla (oder Ford) werden als ausländisch geführt, produzieren aber > 80% der hier verkauften Autos in Deutschland.
Und die in China hergestellten Smarts (50% im Besitz von Gely) werden als Autos eines deutschen Herstellers ausgewiesen.
Kurz: die Statistik kann in die Tonne.
MK meint
@Besser-BEV-Wisser:
Sehe ich genauso. Zumal auch die Aufteilung auf Marken keinen Sinn macht. Einem VW-Mitarbeiter in Zwickau ist doch vollkommen egal, dass der viel von Firmen gekaufte von ihm montierte ID.3 kaum profitiert, wenn dafür der ebenfalls von ihm auf dem gleichen Band montierte Cupra Born, der mehr von Privatkunden gekauft wird, stark profitiert.
Ich denke alleine schon der Fakt, dass ein Mitarbeiter in einer Schicht in einem Gebäude mit einem Werkzeug Fahrzeuge montiert, die mal als „deutsch“ und mal als „ausländisch“ gezählt werden, macht die ganze Absurdität der Statistik klar.
mipu meint
Naja, kein Wunder. Wie im Text steht: wer keine bezahlbaren PKW im Angebot hat, kommt halt nicht zum Zug. Das kommt halt davon, wenn man nur auf große „Premium“-Fahrzeuge für den Flotteneinsatz setzt, weil man da so schön einfach viel Geld verdienen kann. Hochmut kommt vor dem Fall ….
Torsten meint
Sollen nicht eigentlich die Käufer profitieren?
Nik meint
Nein eigentlich das Klima
F. K. Fast meint
Hat nicht die deutsche Automobilindustrie am lautesten die Kaufprämie gefordert? Hätten’s wohl erst warten sollen bis sie die bezahlbaren Auto haben.
tacjazo meint
Da ausländische Hersteller auch günstigere Autos anbieten, ist das doch kein Wunder
Thomas Claus meint
Die Zuordnung nach In und Ausländischen Herrstellern ist eh etwas komisch. Skoda gehört zu vw, die würde ich daher nicht als ausländisch einstufen, zumal die Autos auch in Europa gebaut werden. Tesla ist zwar ein US Herrsteller aber es kommt gar kein Auto aus den USA sondern aus D und ein kleinerer Teil aus China.
Die sehr niedrige Förderquote überrascht mich aber schon.
MK meint
@Thomas Claus:
Die Frage ist ja auch, wie es Ende des Jahres aussieht.
Zählt man die Zahlen zusammen (der Artikel der Süddeutschen, wo noch mehr Zahlen stehen ist ja verlinkt), kommt man auf rund 15.000 genehmigte Anträge. Das entspricht nicht mal ganz der Zahl der am ersten tag gestellten Anträge (laut Presseberichten rund 17.000).
Tesla hat dabei sehr kurze Lieferzeiten. Ein Großteil der in 2026 erstzugelassenen Teslas wurden also nach Beschluss der Prämie im Dezember 2025 bestellt und es dürfte ein entsprechend großer Anteil seine Kaufentscheidung auch von der Prämie abhängig gemacht haben.
VW z.B. wiederum hat sehr lange Lieferzeiten: Kaum ein bis Mitte Mai ausgeliefertes Auto dürfte nach Beschluss der Prämie bestellt worden sein. Die Kunden, die da berechtigt sind, sind also nicht auf die Prämie angewiesen. Und wer nicht drauf angewiesen ist, schlägt sich vielleicht weniger dringend direkt am ersten Tag nach einem Arbeitstag noch mit immer wieder zusammenbrechenden Servern rum, sondern wartet mal ein paar Tage mit der Beantragung.
Das andere ist der Weg der Beantragung: Gestellt werden kann dieser nur Online und benötigt einen digitalen Personalausweis und die Ausweis-App auf dem Smartphone. Der Anteil der Leute, die das für andere Zwecke schon startklar eingerichtet haben, dürfte bei Leuten, die auch offen für neue chinesische Marken oder Tesla sind deutlich höher sein als bei eher konservativen Kunden…auch das dürfte die Antragsstellung vieler VW-Käufer etwas verzögert haben, so dass die bei den bisher bewilligten Anträgen aus den ersten Stunden des Förderportals nicht berücksichtigt sind.
Alles in allem muss man ja drauf hinweisen, dass die Zahl der GENEHMIGTEN Anträge ins Verhältnis zur Anzahl berechtigter Fahrzeuge gesetzt wird. Sind erst mal alle Anträge bearbeitet, dürfte die Förderquote bei allen Herstellern noch deutlich nach oben gehen.
hu.ms meint
Für mich falscher ansatz.
Entscheidend ist nicht in- oder ausland. Entscheidend ist gebaut in EU (sichert wertschöpfung und arbeitsplatze) oder per schiff – meist aus china -angekommen.
BEV meint
warum in der EU, wenn es eine deutsche Förderung ist?
achso, weil dein lieblings-OEM vieles im Ausland produziert und in Deutschland Werke schließen wird
MK meint
@BEV:
Es ist Ihnen vielleicht entgangen…aber nach dem ganzen Pressegeheul über angebliche Werkschließungen ohne Grundlage hat sich der VW Vorstand am Wochenende erstmals selber zu dem Thema geäußert und Werkschließungen als dumm abgetan.
BEV meint
ist doch klar, die deutschen brauchen viel zu lange
abgesehen davon werden die Model Ys in Deutschland produziert, viele Autos von „deutschen“ OEMs nicht
Daniel meint
Deutsche Politiker, einfach unterirdisch. In Frankreich profitieren die eigenen Marken.
Die derzeitige Politikergeneration ist so unfähig, das tut schon weh.
Torsten Schmidt meint
naja, die tun doch nur, wofür sie bezahlt werden…
croniac meint
Naja, die Attraktivität des Angebots bestimmt eben die Kaufentscheidung, weniger die Vaterlandliebe – auch bei gleichzeitiger Förderung. Das Blatt kann sich aber auch ganz schnell wenden: VW kommt ja jetzt erst so richtig in die Puschen mit neuen, eher bezahlbaren Modellen: ID.3 Neo, ID.Polo, ID.Cross… (+ Konzerngeschwister). Da wurde ja noch gar nichts ausgeliefert, also kann auch noch keiner Prämien in Anspruch nehmen.
Wenn ich mir allerdings die Lieferzeiten dazu anschaue bei gleichzeitigem Hochlauf der Zulassungen ist die Gefahr für VW & Co eher, dass die Kunden auch weiterhin zu deutlich schneller verfügbareren „ausländischen“ Modellen greifen, weil sie Panik haben bei den Lieferzeiten hierzulande im Frühjahr 2027 schon nichts mehr vom Prämientopf abgreifen zu können, bzw. der Stabilität der Regierung(sbeschlüsse) nicht trauen.
Jannik meint
„bzw. der Stabilität der Regierung(sbeschlüsse) nicht trauen.“ Das hat u.a. mich z.B. dazu bewogen ein nicht deutsches Auto zu kaufen