Das Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen University (ika) hat im Auftrag des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik den künftigen elektrischen Energie- und Leistungsbedarf des deutschen Logistiksektors untersucht. Der betrachtete Transformationszeitraum reicht von 2025 bis 2045. Das Modell erfasst die Elektrifizierung von Lkw-Flotten, Wärmepumpen und Kühlleistungsbedarf von Logistikimmobilien, den Schienengüterverkehr sowie Aufdach-Photovoltaik.
Für die Modellierung wurden öffentlich verfügbare Daten, Metastudien und umfangreiche Nutzerbefragungen verwendet. Die Berechnungen erfolgten für die drei Szenarien Konservativ, Baseline und Grün. Sie unterscheiden sich vor allem durch die Geschwindigkeit, mit der batterieelektrische Fahrzeuge in den Fahrzeugbestand gelangen.
Im mittleren Baseline-Szenario steigt der jährliche Strombedarf des Logistiksektors von rund 22 Terawattstunden im Jahr 2025 auf rund 186 Terawattstunden im Jahr 2045. Abhängig vom Szenario liegt der modellierte Jahresstrombedarf 2045 zwischen rund 181 und rund 187 Terawattstunden. Das Wachstum verläuft nicht linear, wobei sich die größten Zuwächse auf die 2030er-Jahre konzentrieren.
Die Unterschiede zwischen den Szenarien sind im Jahr 2030 mit Werten von rund 49 bis rund 59 Terawattstunden pro Jahr am größten. Annahmen zu Logistikimmobilien, Schienengüterverkehr und Photovoltaik-Photovoltaik sind in allen drei Szenarien identisch. Sämtliche Abweichungen entstehen durch den unterschiedlich schnellen Hochlauf batterieelektrischer Fahrzeuge.
Das Modell berechnet den Energiebedarf in einer zeitlichen Auflösung von 15 Minuten, um wöchentliche Lastgänge zu quantifizieren. Treffen an Winterwerktagen abendliches Depotladen, Gebäudebetriebslasten und Schienentraktionslast bei ungeregeltem Laden gleichzeitig aufeinander, ergibt sich für 2045 eine modellierte Überlagerungsspitze von rund 57 Gigawatt. Dies entspricht rund 70 Prozent der heutigen deutschen Systemspitze und stellt eine obere Abschätzung der Netzlast dar. Demand-Side-Management und stationäre Batteriespeicher wurden nicht in das Modell einbezogen. Beide könnten die tatsächliche Netzlast an Logistikstandorten reduzieren.
„Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten ist ein wesentlicher Baustein im Technologie-Mix, um den Güterverkehr ökologisch und ökonomisch nachhaltig zu dekarbonisieren“, erklärt ika-Institutsleiter Lutz Eckstein. „Zugleich steigt damit der elektrische Energiebedarf stark an und erreicht nach unseren Modellierungen bis 2045 etwa das Achtfache des heutigen Werts der Branche. Die auf Logistikdächern verfügbare Fläche bietet mit Aufdach-PV Potential zur Eigenproduktion, reicht aber nicht aus, um diesen Bedarf mehr als teilweise zu decken.“
Die auf Logistikdächern installierbare Photovoltaik-Leistung steigt den Berechnungen zufolge von rund 5,8 Gigawatt-Peak im Jahr 2025 auf rund 22,6 Gigawatt-Peak im Jahr 2045. Für 2045 wird eine jährliche Stromerzeugung von rund 20,5 Terawattstunden ausgewiesen. Der Anteil der Photovoltaik-Erzeugung am Gesamtbedarf sinkt dennoch von rund 24 Prozent auf rund 11 Prozent, weil der fahrzeugseitige Strombedarf stärker wächst als der Ausbau der Anlagen.

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