Deutschlands Emissionen sind im ersten Halbjahr 2026 nur geringfügig um bis zu 7 Millionen Tonnen CO₂-Äq gesunken, wie eine erste Berechnung der Denkfabrik Agora Energiewende auf Basis vorläufiger Daten zeigt. Zwar wirken sich Elektrifizierungserfolge beim Heizen und im Verkehr positiv auf die Klimabilanz aus, der größte Teil des Rückgangs ist jedoch krisen- und preisbedingt. Entwickeln sich die Emissionen weiter wie in den ersten sechs Monaten, wird Deutschland 2026 erstmals sein gesetzliches Klimaziel verfehlen.
Bis Ende Juni hat Deutschland rund 327 Millionen Tonnen CO₂-Äq emittiert, so die Analyse. Das entspricht einem Rückgang von 7 Millionen Tonnen CO₂-Äq beziehungsweise zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Haupttreiber des Rückgangs ist die erneute fossile Energiepreiskrise, ausgelöst durch die Blockade der Straße von Hormus seit März 2026 und die dadurch stark angestiegenen Öl- und Gaspreise.
In der Folge nahm die Produktionstätigkeit im Verarbeitenden Gewerbe in der ersten Jahreshälfte ab, der Lkw-Verkehr auf deutschen Straßen ging leicht zurück und der Absatz von leichtem Heizöl brach deutlich ein. Gleichzeitig erzielten Wärmepumpen und E-Autos neue Absatzrekorde mit positiver Auswirkung auf Deutschlands Klimabilanz. So erklärt etwa der zunehmende Anteil von Wärmepumpen, dass der Erdgasverbrauch in Gebäuden trotz kaltem Jahresbeginn und höherem Heizbedarf ungefähr konstant blieb.
„Das erste Halbjahr 2026 steht deutlich im Zeichen der fossilen Energiepreiskrise: Erneut wird die deutsche Wirtschaft schmerzhaft von fossilen Preisschocks getroffen“, sagt Julia Bläsius, Direktorin von Agora Energiewende Deutschland. „Gleichzeitig setzt sich mit den Verkaufsrekorden bei Wärmepumpen und E-Autos der Elektrifizierungstrend bei Verbraucherinnen und Verbrauchern fort. Diese Dynamik sollte die Bundesregierung nutzen und verstärken, indem sie ihre Energie- und Industriepolitik konsequent auf Erneuerbare Energien und Elektrifizierung ausrichtet. Nur so wird Deutschland unabhängiger von fossilen Energien und die Wirtschaft krisenfester.“
Fossile Energiepreiskrise belastet deutsche Volkswirtschaft
Die zusätzlichen Kosten für den Import von Rohöl und Erdgas seit Beginn des Konflikts Ende Februar belaufen sich laut Berechnung von Agora Energiewende auf rund 7,4 Milliarden Euro. Und das, obwohl Deutschlands Ölimporte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur um zwei Prozent gestiegen sind und Erdgasimporte sogar um 11 Prozent abgenommen haben. Höhere Ölpreise haben sich dabei unmittelbar niedergeschlagen, etwa an der Tankstelle. Beim Gas bestehen hingegen in der Regel längerfristige Lieferverträge und Preissteigerungen kommen zeitversetzt bei Verbraucherinnen und Verbrauchern an, auch auf der Heizrechnung.
Als Reaktion auf die Preissteigerungen beim Tanken hatte die Bundesregierung im Mai und Juni einen Tankrabatt eingeführt. „Der Tankrabatt zeigt die Schwächen von Deutschlands Krisenantwort: Eine teure Maßnahme, die nur kurz und wenig zielgerichtet wirkt. Schnelle Hilfen sollten vor allem an diejenigen fließen, die sie am dringendsten brauchen – zum Beispiel einkommensschwache Haushalte. Gleichzeitig braucht es Maßnahmen, die das Problem an der Wurzel packen“, sagt Bläsius.
Wie Klimaschutzmaßnahmen gegen die Krise wirken, machen Agora Energiewende zufolge beispielsweise Spanien oder Frankreich vor: Spanien treibe massiv den Ausbau Erneuerbarer Energien voran, während Frankreich einen Plan für die beschleunigte Elektrifizierung vorgelegt habe. „In Deutschland gibt es Nachholbedarf, um Krisenantwort und Klimaschutz gut zu verbinden. Dabei kommt es darauf an, dass die Bundesregierung Planungssicherheit für klimafreundliche Investitionen für Haushalte, Unternehmen und Kommunen schafft, die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen ausreichend absichert und Preissignale in Richtung Transformation ausrichtet.“
Deutschlands Emissionshöchstgrenze für 2026 ist laut Klimaschutzgesetz auf 625 Millionen Tonnen CO₂-Äq festgelegt. Die erste Agora-Hochrechnung deutet darauf hin, dass der CO₂-Ausstoß bei gleichbleibendem Minderungstempo lediglich auf 635 Millionen Tonnen CO₂-Äq sinken würde – was insgesamt einen Rückgang von 13 Millionen Tonnen CO₂-Äq gegenüber dem Jahr 2025 bedeuten würde. Um das Klimaziel 2030 erreichen zu können, sind jedoch jährlich Einsparungen in Höhe von rund 40 Millionen Tonnen CO₂ erforderlich.

South meint
Erst heute nen Artikel gelesen. Die Batteriespeicher wachsen international so schnell, wie es in keiner Prognose auch nur erahnt wurde. Der Grund ist simpel, PV+Accu ist einfach unschlagbar günstig, nicht nur Privat, deshalb auch ein großer Ausbau wo man das nicht vermuten würde, in den USA wie in Kalifornien und Texas.
In Deutschland ist das aber mal wieder kompliziert, weil wir mit Katharina Reiche eine astreine Gaslobbyistin im Amt haben. In den anderen Ländern und US Bundesstaaten sinken die Preise und der Anteil von Gas und sogar Kohle. In Deutschland werden die EE runtergeregelt, anstatt das Potential mit den Speichern zu nutzen….
Wir denken immer, wir wären Musterknaben bei EE…dabei sind wir weit davon entfernt. Wir müssten aus finanziellen Gründen deutlich mehr auf EE und Batteriespeicher setzen…
eBikerin meint
in den USA wie in Kalifornien und Texas.
Naja dafür sind alleine in Texas gerade zwei neue Gaskraftwerke im Bau die dann zusammen 10 GW liefern. Darf man auch nicht vergessen, gelle?
Steffen meint
In Kalifornien speisen die Batterien teils bis Mitternacht ein. Solar- und Windstrom. Das ist schon geil. In 1-2 Jahren sind es dann noch ein paar Stunden mehr.
MichaelEV meint
Wir haben in Deutschland ein Strommarktdesign, dass Akkuspeicher ineffizient bzw. falsch nutzt, deshalb das Ergebnis. Und z.B. Texas ist das komplette Gegenteil – ein effizienter Markt, indem nur gehandelt werden kann was lieferbar ist und bei Engpässe entstehen Preise, die als Anreiz für neue Erzeuger/Speicher dienen.
Julian meint
Hin oder her, wenn die Klimaziele verfehlt werden, ist das doppelt blöde. Es beschleunigt den Klimawandel nur weiter und kostet damit Geld und die Strafen kosten wieder Geld, das dann in die Haushalte anderer Staaten fleißt, damit damit mehr Klimaschutz machen können, schön von uns mitfinanziert. Und wir zahlen nur und kriegen nix gebacken. So ist Deutschland.
MainTower meint
Im ersten Satz steht ja schon alles wichtige drin: Deutschlands Emissionen sind gesunken, Punkt. Ds sollten wir feiern.
Und das ganz ehrlich ohne Rechentrick wie bei den Chinesen: Das Wachstum der offiziellen CO2-Emissionen in China seit 2020 erscheint dadurch plötzlich nur noch halb so groß wie bislang angenommen.
Paul meint
Vor diesem Hintergrund ist die kürzlich erschienene Studie der TH München interessant. Zusammenfassung: Fokus aufs E-Auto führt zu Deindustrialisierung und Verfehlung der Klimaziele.
Gilt „hört auf die Wissenschaft!!!!“ noch, oder sind das jetzt die falschen Wissenschaftler?
DIBU meint
Hier ein Vergleich mehrerer Studien von „der Wissenschaft“:
Studie Verbrenner (Systemgrenze) E-Auto (Systemgrenze) Fazit Quelle
TUM-Studie (2026) Tank-to-Wheel Well-to-Wheel ❌ Ungleiche Bilanzsysteme
ICCT (2025) Well-to-Wheel Well-to-Wheel ✅ Fairer Vergleich
UBA (2024) Well-to-Wheel Well-to-Wheel ✅ Fairer Vergleich
IEA (2023) Well-to-Wheel Well-to-Wheel ✅ Fairer Vergleich
🔹 Fazit:
ICCT, UBA und IEA nutzen gleiche Bilanzsysteme (Well-to-Wheel für beide Technologien).
**Die TUM-Studie nutzt verschiedene Bilanzsysteme – und das ist wissenschaftlich fragwürdig.
Während bei E-Autos die gesamte Vorkette in die Bilanz der TUM Studie eingeflossen ist, berücksichtigt die TUM Studie bei den Verbrennern nur die reinen Betriebsmittel, nicht wie das Benzin entstanden ist, und somit auch nicht die CO2-Emissionen zB. bei der Umwandlung von Rohöl in Benzin. Das ist nicht verboten, aber zumindestens sehr fragwürdig.
Das ist unfair zu Gunsten des Verbrenners und zum Nachteil des E-Autos.
M. meint
Was hier falsch ist, ist deine Zusammenfassung.
Geringerer Klimanutzen: Die Analyse von 19 Studien und 47 Szenarien zeigt, dass batterieelektrische Fahrzeuge die CO₂-Belastung im Vergleich zu Verbrennern im Durchschnitt nur um 41 Prozent senken, statt wie von der EU angenommen klimaneutral zu sein.
–> das hat damit zu tun, dass aktuell noch zu viel Strom aus fossilen Quellen hergestellt wird
Lebenszyklus-Betrachtung: Die TUM-Forscher kritisieren, dass die aktuelle EU-Regulierung (Verordnung 2019/631) Emissionen aus Rohstoffgewinnung, Produktion, Stromverbrauch und Recycling ignoriert und sich zu einseitig auf die Abgase am Auspuff konzentriert.
Rohstoffgewinnung erfolgt oft in Drittländern, in denen unsere Klimaschutzziele nicht gelten und demnach die Emissionen höher sind. Das gilt z.B. auch für das Recycling von Batterien – ein klares Votum, so viel Wertschöpfung wie möglich nach Europa zu verlagern.
Folgen für Industrie und Klimaziele: Durch den Fokus auf E-Autos würden wichtige Dekarbonisierungspotenziale in der Lieferkette vernachlässigt, was zu ökonomischen und ökologischen Fehlsteuerungen führt. Sollte die EU am aktuellen Ansatz festhalten, drohen die Klimaziele massiv verfehlt zu werden, da die Fahrzeugflotte auch in vier Jahren noch zu 78 Prozent aus Verbrennern bestehen wird.
–> ein klares Votum pro BEV, es geht zu langsam!
Was aber solche Fake-Medien wie „Tichy“ usw. falsch wiedergeben: nein, für die EU fahren Autos nicht emissionsfrei, sondern LOKAL emissionsfrei. So werden Verbrenner ja auch gehandhabt – auch dort sind die Emissionen vor Vorkette nicht berücksichtigt. Der Rest ergibt sich (bei BEV) aus dem Strommix, der zu dreckig ist, und mit den Halbhirnen dort auch nie sauber würde.
Willst du etwas davon vertiefen?
Matze68 meint
Da wäre natürlich ein Link hilfreich oder mit welchen Schlagworten man diese Studie finden kann. Ansonsten ist es nur eine unbewiesene Behauptung zu der man nichts erwidern kann…
Paul meint
Dass die TU München sich damit keineswegs gegen das Verbrenneraus positioniert, sondern im Gegensatz schnellere und stärkere Maßnahmen zur Erreichung der Neutralität bei Veröffentlichung der Studie am Dienstag fordern wird, geht bei eurem Beißreflex mal wieder komplett unter. Klar kommen Umweltverbände bei ihren, oder von ihnen in Auftrag gegebenen Studien zu anderen Ergebnissen als eine neutrale, staatliche Hochschule. Meiner Einschätzung nach führt das ganze wenn dann zu ambitionierten zielen, und dazu dass Fahrer von Bebs für ihren Co2-Ausstoss, der ungleich null ist, ebenso zur Kasse gebeten werden wie Verbrennerfahrer. Würde ich vorsichtshalber mal in die TO einrechnen.
Und wer nicht „Uni München Studie E Auto“ bei Google eintippen kann, dem sende ich nach Veröffentlichung der Studie gern den Link.
Oder um es im Duktus eines fleißigen Kommentators hier auszudrücken:
„Sag warum meint die Uni München E Autos heißen deindustrialisierung? Ach nein will sie gar nicht, sie sagt uns nur dass wir schneller CO2 sparen sollen und vielleicht erklärt sie auch, warum ich mit meinem (hier monatlich eine neue Automarke außer Tesla einsetzen) zum OTA Update in die Werkstatt muss?!?!?“
Peter meint
Da die Studie noch nicht raus ist, kann man das nicht vollumfänglich prüfen. Was aber bereits klar zu sein scheint: aus einer offenbar in der Studie herausgefundenen Reduktion von 41% (von was auch immer, bei welcher Berechnung auch immer) macht die Schlagzeile (und interessierte Seiten) die lauthals vorgebrachte Behauptung „bringt nix“. Und das ist offenbar eine gezielt falsche Aussage in der Schlagzeile.
Jetzt kann man fragen, warum die TU München das kommunikative Feld den Leugnern überlässt.
Steffen meint
Übrigens hat ein Spezialist aus dem Team an der Uni widersprochen und die Ergebnisse in Frage gestellt. So ganz koscher scheint die Studie nicht zu sein…
David meint
Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion.
Future meint
Jeder »Verein« oder Verband ist natürlich ein Lobbyist. Wozu sollte es den denn auch sonst geben. Die Frage ist dabei nur, auf welcher Seite der jeweilige Lobbyist nun steht: auf der guten Seite oder auf der schlechten Seite. Es ist mit der Zukunft eben so wie immer im Leben.
brainDotExe meint
Was die „gute“ und „schlechte“ Seite ist, ist aber Ansichtssache. Sowohl bei der Autolobby als auch der Umweltlobby.
Unsere Ansichten diesbezüglich sind zum Beispiel komplett gegensätzlich.
Tt07 meint
Bei der Umweltlobby gibt es keine schlechte Seite. Die Autolobby hat ausschließlich schlechte Seiten.
Future meint
Und die Klimalobby hat auch nochmal ganz andere Ansichten als die Umweltlobby oder die Tierschutzlobby oder die Veganer.
Was gut oder schlecht ist, hat aber überhaupt nichts mit Lobbyismus zu tun, sondern ausschließlich mit den internationalen Fachgruppen aus Wissenschaft und Forschung.
SB meint
Agora Energiewende?
Die haben vor einigen Jahre eine Studie rausgegeben, dass die Energiewende Batteriespeicher erst ab 90% EE-Anteil braucht.
Soviel zu den Studien von diesem Lobbyverein.
Justin Case meint
Gibt es noch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Artikel?
Verfehlt Deutschland nun Klimaziele oder nicht?
Gerne Fakten.
Mäx meint
Wie lange ist die Studie her?
> Ah, 2014
Kernergebnisse der Studie:
> Der Ausbau der Erneuerbaren Energien muss nicht auf Stromspeicher warten
> Der Markt für neue Energiespeicher wird dynamisch wachsen
> Speicher müssen gleichberechtigten Zugang zu Märkten für Flexibilität erhalten
> Im Verteilnetz sollten Speicher ein Element im Baukasten der Netzbetreiber werden
Das klingt irgendwie ganz anders als deine unterstellte Aussage.
Die 90 Prozent werden im Kontext eines untersuchten Szenarios genannt.
Dort heißt es dann, dass ohne Speicher dann EE nicht mehr einzubinden ist.
DIBU meint
Ja, diese Studie kenne ich auch, die war aus dem Jahre 2014, also mittlerweile 12 Jahre alt. Damals haben die Batteriespeicher noch gefühlt das 50-fache von heute gekostet. Es ging bei der Studie auch nicht darum zu ergründen ab wann wir Batteriespeicher brauchen, sondern ab wann sie sich lohnen. und das hat sich seit 2014 grundlegend aufgrund der Preise geändert. Ich zitiere aus der Studie (2.Absatz):
„Im Hinblick auf den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien stellt sich daher die Frage, wann wir wie viele Stromspeicher für die Energiewende brauchen. Diese Frage hat Agora Energiewende von einem Konsortium führender Experten untersuchen lassen. Der Schwerpunkt lag dabei auf einer Betrachtung der Kosten des Stromsystems bei einem Ausbau der Erneuerbaren Energien bis zu 90 Prozent in Deutschland.“
Nochmals der entscheidende Satz: „Der Schwerpunkt lag dabei auf einer Betrachtung der Kosten des Stromsystems bei einem Ausbau der Erneuerbaren Energien bis zu 90 Prozent in Deutschland.“
Es wurde also davon ausgegangen, dass das Stromsystem bereits 90% Erneuerbare beinhaltet und von dieser Ausgangslage ausgehend wurde untersucht, ob sich Batteriespeicher lohnen.
Anstatt diese von dir genannten „Lobbyverein“ zu diskreditieren solltest du die Studie vielleicht nochmals lesen.
Tt07 meint
Falsch!