Dacia plant keine Preissenkungen, um sich gegen chinesische Wettbewerber zu behaupten. Wie CEO Katrin Adt laut Automotive News kürzlich erklärte, setzt der Mutterkonzern Renault stattdessen auf höhere Restwerte, ein etabliertes Händlernetz und das europäische Erbe. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass Marken chinesischer Fahrzeughersteller wie MG, Geely und Chery vermehrt kostengünstige Modelle einführen.
Früher waren Dacia-Modelle wie der Kleinwagen Sandero deutlich günstiger als die Konkurrenz. Dieser Preisvorteil hat sich jedoch verringert oder ist teilweise verschwunden. Ein Grund dafür ist die leichte Aufwärtsbewegung von Dacia weg von einer reinen Niedrigpreisstrategie, während chinesische Hersteller aufgrund geringerer Produktionskosten auch international preislich aufschließen.
Die Unternehmensführung lehnt Rabatte und Anreize ab, da diese die Restwerte mindern und die Gesamtkosten des Fahrzeugbesitzes erhöhen könnten. „Der beste Wert für Kunden ist mehr als nur der Preis“, sagte Katrin Adt dem Bericht zufolge während einer Presseveranstaltung. Dennoch wird die neueste Generation des Elektro-Kleinstwagens Spring zum niedrigen Basispreis von 17.990 Euro angeboten.
Zusätzliche Differenzierungsmerkmale sind laut Vertriebsdirektor Frank Marotte Modelle mit optionalem Allradantrieb, darunter der Striker, der Duster und der Bigster. Zudem bieten Verbrennungsmotoren mit LPG-Antrieb die Möglichkeit, die Betriebskosten weiter zu senken.
In Sachen Elektromobilität verfolgt Dacia inzwischen eine Strategie, bei der nach dem neuen Sandero-Hybrid nun alle Modelle auch elektrifiziert verfügbar sind. Der Spring ist dabei der erste von vier geplanten reinen Stromern bis zum Jahr 2030. Beim Sandero setzen die Rumänen zukünftig sowohl auf reine Elektroversionen als auch Hybridsysteme.

South meint
Mja, immer wieder lustig, dass genau hier zu schreiben, aber es ist für einige Hersteller offenbar immer noch überraschend, dass es das Internet gibt. Der „Rabatt“ und die Händler sind ein Relikt aus uralten Tagen, denn es reichen wenige Sekunden, dann kann man im Internet den finalen Preis sehen. Vielleicht geht’s man noch um nen Hunderter hin und her, aber ich würde mal steil behaupten, auf der kostenintensiven Show bleiben mittlerweile die Hersteller sitzen. Wenn überhaupt ein Effekt, dann Schrecken die enormen Listenpreise die Kunden eher ab, sich überhaupt ein Modell anzukucken. Ich war witzigerweise auch wieder bei dem Händler vor Ort und das wissen auch beide, halte mit oder kein Geschäft…
Im Endeffekt sucht man sich die infragekommenden Modelle aus, kuckt sich das, sogar die Fahrberichte, ADAC Test, ist ja alles da und dann entscheidet man sich…
Future meint
Dacia ist jetzt ein weiterer Premiumhersteller. Prestige und Ansehen in der Hofeinfahrt kosten eben immer etwas mehr. Die stolzen Besitzer eines Dacia wissen das und bezahlen für das gute Gefühl, etwas »besseres« als der Nachbar zu fahren. Alles ist eben Marketing, wenn man nur daran glaubt.
Sk meint
Dacia ist schon lange nicht mehr der günstigste Anbieter. Da es keine Rabatte gibt und immer 1500€ Überführung dazu kommt. Dazu kommt die sehr magere Grundausstattung und die meisten Extras gibt es nur in hohen Ausstattungslinien. Nur mal als Beispiel, einen Polo, Fabia oder Seat bekomme ich unter 15000€. Da ist dann alles schon dabei, Farbe, Klima, Überführung…. Und wenn ich getönte Scheiben will buche ich die einfach noch dazu für wenig Geld.
Karsten meint
Polo, Fabia unter 15000? Das halte ich für ein Gerücht, nicht mal komplett nackig.
EVrules meint
Sind die VW Bots schon wieder fleißig unterwegs, nicht wahr?
Du hast auch noch nie in den Dacia Konfigurator geschaut oder?
Sprechen wir von Verbrennern – das du zweifellos tust – wäre der Sandero vollausgestattet bei 16k Eur, da kommt kein Fahrzeug im VW Konzern heran, vorallem nicht mit „schon alles mit dabei“ – sprechen wir vom Basis Sandero liegen wir bei unter 14k Eur.
Aber Verbrenner sind nicht die Zukunft auch nicht bei der VAG – die vier Werke schließen muss, wohingegen Dacia sehr wirtschaftlich ist.
F. K. Fast meint
Bei Herstellern, die hohe Rabatte gewähren, muss man sich doch verar…t vorkommen, wenn man nur 10 oder 15% bekam. Ich verstehe den Reiz, gar keine Rabatte zu geben.
Aber dass keine Rabatte zu geben, der Wertstabilität dienen würde, ist an den Haaren herbeigezogen. Der mögliche Verkaufserlös wird definiert durch Nachfrage, preisliche Mitbewerber und nicht zu letzt durch Qualität. Mit letzterer ist Dacia in der Vergangenheit bei diversen TÜV-Reports nicht sehr positiv aufgefallen. Aber immerhin konnten sie manchen Tesla hinter sich lassen. Wenn ich also als Konzern auf Werterhalt Wert lege, dann muss ich in (Langzeit-) Qualität investieren.
Htr35 meint
Falsch :) Die Regierung läßt bezahlbare Eautos nicht zu und verhängt Zölle darauf. Warum sollte Dacia den Preis senken? Für fiktive bezahlbare Eautos sicher nicht.
eBikerin meint
Oh Gott – ja klar wir lassen hoch subventionierte chinesische Autos zu – dann stirbt noch die letzte Branche wo wir vielleicht noch etwas generieren. Ja warum denn nicht 100% aus China kaufen – ist ja nicht mehr so viel unterschied.
Kleiner Tipp für dich: ohne irgendeine Industrie strikt auch dein China-Influenzer Job
Future meint
Wieso sollte es denn nun gerade in der Automobilbranche so ganz anders sein als bei den vielen Industriebranchen, die bereits weniger geworden sind? Mir fällt da kein Grund ein. Strukturwandel ist etwas ganz normales.
Außerdem muss man den Menschen im Land erklären, wenn sie für ein einfaches heimisches Produkt einen so viel höheren Preis bezahlen müssen, als für ein importiertes Produkt. Das hat bei den Fernsehern oder den Pullovern doch auch schon nicht geklappt. Und der Anteil der Autoindustrie an der Wertschöpfung beträgt auch nur etwa 5 Prozent.
MK meint
@eBikerin:
Laut VDA, also dem Lobbyverband der Automobilindustrie, hängen inklusive indirekter Jobs bei Zulieferern und Dienstleistern rund 800.000 Jobs in Deutschland an der Automobilindustrie. Das sind weniger als 2% aller Jobs. Pharmaindustrie, Maschinenbau, Elektroindustrie und auch IT-Branche sind längst wichtiger in Deutschland. Wenn der chinesische Staat mit chinesischen Steuergeldern diesen deutschen Firmen mit der Bereitstellung z.B. biligerer Mietwagen helfen will: Warum nicht? Wenn aus chinesischen Steuermitteln finanziert wird, dass unsere Pflegekassen entlastet werden, weil ambulante Pflegedienste ihren Fuhrpark für 12.000 € statt für 25.000 € pro Fahrzeug elektrifizieren können: Warum nicht?
Oft wird leider nur auf die offensichtlichsten Komponenten geschaut und der Rest vergessen, auch wenn dieser „Rest“ der Hauptteil der Wertschöpfung ist. Mal ein paar konkrete aktuelle Beispiele aus meinem Heimatbundesland Hessen:
– Bei der Solarindustrie wird immer so getan, als käme da alles aus China. Für die eigentlichen Paneele, die ein vergleichsweise einfaches Massenprodukt sind, stimmt das größtenteils. Für die ganze Technik dahinter nicht. Da hat z.B. die hessische Firma SMA am Stammsitz in Hessen erst diese Woche eine 80 Mio. € teure neue Produktionsanlage in Betrieb genommen
– Bei Rechenzentren wird immer auf die Anlagen von Nvidia und Co verwiesen. Was nicht geschaut wird: Wo kommt der Rest her, wenn z.B. die Schwarz-Gruppe Rechenzentren baut? Gebäude von Goldbeck (Bielefeld), Rittal (Wetzlar) profitiert massiv und vor Allem Siemens: Vor wenigen Wochen wurde gemeldet, dass das bestehende Werk für Rechenzentrumskomponenten von Siemens in Frankfurt massiv ausgebaut wird und zusätzlich in Offenbach ein neues entsteht. Im ersten Schritt braucht es laut Siemens 700 zusätzliche Mitarbeiter.
– In der Pharmabranche ist Hessen eines der wichtigsten Zentren der Welt für die Herstellung von Medikamenten auf Basis von menschlichem Blutplasma (z.B. CSL Behring und Biotest): Keine Wirkstoffe aus Asien, sondern Blutplasma von Menschen ist hier die Basis. In der Vergangenheit kam das hauptsächlich von der Südgrenze der USA, wo das für Mexikaner eine lukrative Einnahmequelle war. Durch Donald Trumps Grenzschließungen ist man auf den Trichter gekommen, dass es doch gut wäre, davon unabhängig zu sein. CSL z.B. hatte Anfang des Jahres 10 Spendezentren in Deutschland, aktuell 17 und Ende des Jahres sollen es 19 sein. Hört sich erstmal nicht nach Industrie an, letztlich ist es das aber: „Produziert“ wird das Grundprodukt für alleine bei CSL rund 25 verschiedene Medikamente. Wenn man dann hört, dass pro „Spende“ dem „Spender“ mindestens 25 € gezahlt werden und pro Spendezentrum hunderte Spenden pro Woche gesammelt werden, sieht man auch, was für eine Wertschöpfung da dahinter steckt. Es taucht halt nur nicht in der Statistik auf, weil die Zahlungen als steuerfreie „Aufwandsentschädigung“ und nicht als Gehalt gelten. Was aber ürbrigens auftaucht: Diese Medikamente werden immer wichtiger. Alleine CSL investiert grade alleine im mittelhessischen Marburg über 300 Millionen Euro in den Ausbau der Produktion.
– Nochmal Pharmaindustrie: Sanofi baut seit 2024 ein neues Insulin-Werk in Frankfurt für rund 1,4 Milliarden €. Vor wenigen tagen kam die Nachricht: Das Werk wird vom Bund subventioniert. Die Gegenleistung, die Sanofi dafür zusätzlich zur Investition in Hessen bringt: Bis mindestens 2042 werden Lagerbestände vorgehalten, die es erlauben, ein Jahr lang weiterzuproduzieren, auch wenn aus dem Ausland keine Rohstoffe mehr kommen sollten. Und: Europa wird in diesem Zeitraum bevorzugt beliefert, egal wer auf der Welt vielleicht einen Engpass hat und mehr Geld bietet.
Übrigens ist die Schwarz-Gruppe ein gutes Beispiel, wo es auch in die andere Richtung geht: Auch Lidl und Kaufland setzten erst auf Serverkapazitäten von AWS und Co und Cloudsoftware von Microsoft. Jetzt baut man Rechenzentren selber, hat eine eigene Cloudsoftware und sogar einen eigenen Bezahldienst, der auch die bei Kartenzahlungen obligatorischen US-Konzerne Visa und Mastercard in dem Bereich überflüssig macht.
Future meint
@MK, diese konkreten Beispiel sind so interessant, weil sie doch zeigen, dass es für die Wertschöpfung so viele Möglichkeiten gibt. Die Automobilindustrie steht also nur für 2 Prozent der Jobs. Das ist zwar nicht wenig, aber eben auch nicht so viel, wie diese Industrie immer behauptet. Pharma, Maschinenbau, IT, Rüstung, usw. – es gibt so viele Erfolgsbranchen. Jetzt geht es darum, dass die Regionen mit Autoindustrie eben neue Perspektiven bekommen – das ist was ganz normales beim Strukturwandel. Allerdings muss das jetzt jemand den Menschen im Land erklären und da drücken sich die Politiker gerade, weil man die Leute wohl nicht überfordern will. Alles man kann eben auch nicht nicht kommunizieren, wie es ein berühmter Psychater mal umschrieben hat.
South meint
Mja, und die Wahrheit liegt genau dazwischen. Natürlich dürfen wir uns von den Chinesen nicht über den Tisch ziehen lassen und wir müssen unfaire Praktiken sanktionieren und das haben wir zum Teil schon getan, z.B. mit Zöllen. Dabei muss man auch noch beachten, dass die Chinesen erst von ganz unten, also von Null, angefangen haben, bedeutet, zum Teil waren die chinesischen Subventionen sogar fair. Andere wie das beschränken von seltenen Erden, sicher nicht.
Auf der anderen Seite muss sich die europäische Autoindustrie zukunftsfähig aufstellen und das ist klar die Aufgabe der Hersteller. Die Umstellung auf das eAuto, sprich Lieferketten zu diversifizieren, Kosteneffizienz und natürlich wieder erstklassige Autos, die technisch voraus sind, denn über den Preis werden wir auf Dauer nicht mithalten können. Dass die heimischen Hersteller keine Subventionen bekommen haben stimmt ja nicht und zudem haben sie jahrelang enorme Gewinne erwirtschaftet. Es hat sich geradezu eine Selbstbedienungsmetalität entwickelt, die Gewinne wurden verbraten und alles andere macht der Staat. Wirklich Dreist.
In Kürze. Es gibt kein Schwarz/Weiß. Der Markt muss grob beide Seiten faire Chance geben, aber den Rest muss der Wettbewerb machen. Überregulieren wir, dann würden wir eine ineffiziente europäische Autodustrie dauersubventionieren und die Kunden müssten zuviel bezahlen. Auf der anderen Seite müssen wir natürlich nicht unsere Industrie ruinieren lassen.
In der Praxis wird es eher so sein, dass eben mit dem Techniksprung nicht alles beim alten bleibt. Einige Hersteller werden schrumpfen oder sogar verschwinden, einige neuen werden kommen. Und es werden sehr sich chinisische Hersteller sein, weil die eben vorher gar keinen Teil vom Kuchen hatten, was ja auch in dem Sinne nicht fair war… das ist nicht populär, aber das is so….
Futureman meint
Oder anders gesagt, sie können den Preiskampf nicht mitgehen.
M. meint
Oder anders gesagt, wir vergleichen mal, wenn die Chinesen dazu gezwungen sind, hier zu bauen.
Oder anders gesagt, nicht mal Dacia hat es nötig, sich alleine über den Preis zu positionieren.
Jörg meint
Vielleicht schon.
Den Preis-Leistungs Kampf mit Sicherheit nicht.
Ich habe OTAs und Online Navi bezahlt beim Kauf und bekomme das auch ein Fshrzeugleben lang.
Beim Blick in den Konfigurator eines hiesigen Herstellers sieht das dann im Kleingedruckten nach ein paar Jahren völlig anders aus.
Oder anders ausgedrückt, es sind nicht die Energiekosten, Gehälter oder was sonst gern und oft genannt wird. Es fehlt das Produkt, das fehlt den Herstellern in China und auch hier.
EVrules meint
Warum sollte man als Unternehmen die Preise senken, wenn die Unternehmenszahlen gut sind?
Manchmal fragt man sich schon, woher das ganze Wirtschaftswissen hier in den Kommentaren herkommt.