Thomas Pauer, Technikchef (CTO) Hardware bei Bosch Mobility, erwartet bei Nutzfahrzeugen auch langfristig einen breiten Antriebsmix. Bis 2030 werde weltweit voraussichtlich jeder vierte neu zugelassene Lkw über sechs Tonnen mit Batterie oder Brennstoffzelle unterwegs sein, sagte er der Automobilwoche. Für 2035 zeigten Marktprognosen, dass noch rund 50 Prozent der neu zugelassenen schweren Nutzfahrzeuge einen Verbrennungsmotor an Bord haben, allerdings nicht zwingend als alleinigen Antrieb. Neben batterieelektrischen Lösungen nennt Pauer unter anderem Hybride, Range-Extender-Elektrofahrzeuge, Brennstoffzellen und Lösungen mit Wasserstoff.
Der Hochlauf elektrischer Nutzfahrzeuge verläuft nach Pauers Einschätzung bislang verhalten. In Europa fehlten weiterhin Megawatt-Ladesäulen, zugleich seien für Betreiber die Gesamtkosten über den Lebenszyklus entscheidend. In einigen Anwendungen näherten sich elektrische Lösungen der Kostenparität, jedoch nicht überall. Bosch wünsche sich deshalb einen ambitionierteren Infrastrukturausbau sowie eine klare und verlässliche EU-weite Gesetzgebung, die auf Kostenparität hinwirkt.
Pauer hält Technologiewettbewerb im Nutzfahrzeugbereich wegen der unterschiedlichen Anwendungen für entscheidend. Batterieelektrische Antriebe eigneten sich gut für Lkw im städtischen Einzelhandelsverkehr, während lange Strecken sowie Anwendungen in Bau, Offroad und Landwirtschaft schwieriger zu elektrifizieren seien. Als Beispiel nennt er eine 900-Kilowattstunden-Batterie, die in einem Lkw schnell rund fünf Tonnen wiegen könne. Bosch bietet nach eigenen Angaben unter anderem elektrische Achsen, Elektromotoren, Brennstoffzellenmodule und Wasserstoffmotoren an.
„Eine neue Technologie braucht Skalierung und politischen Willen“
Auch der klassische Diesel soll nach Pauers Einschätzung weiter eine Rolle spielen und kann etwa mit HVO100 betrieben werden. Für andere Regionen nennt er Ethanol in Brasilien sowie Methanol- und Erdgaslösungen in China. Bei Brennstoffzellen sieht Pauer den Hochlauf ebenfalls von Infrastruktur und Regulierung abhängig. In China erwartet der Manager gegen Ende der Dekade größere Flotten, in Indien erste größere Projekte. Für Europa nennt er zu wenig Bewegung bei Infrastruktur und Tankstellen sowie unzureichende Marktanreize und sagt: „Eine neue Technologie braucht zu Beginn Skalierung und politischen Willen.“
Eine weitere Option ist für Pauer der Range Extender, bei dem ein Verbrennungsmotor elektrische Energie erzeugt und das Fahrzeug grundsätzlich elektrisch fährt. Dadurch könne die Batterie kleiner ausfallen, was er angesichts teurer und schwerer Batterien als attraktive Lösung bezeichnet.
Auch bei Pkw erwartet Pauer regional unterschiedliche Entwicklungen: In Europa nehme die Elektromobilität stark zu, China nehme dabei die globale Vorreiterrolle ein, während die Entwicklung in den USA ins Stocken geraten sei. Den Plug-in-Hybrid sieht der Bosch-CTO nicht durch den Range Extender abgelöst, da er bereits Standard und in Serie sei und seine Zulassungszahlen weiter wüchsen.
„Nachhaltige Kraftstoffe“ spielen für den Zulieferer-Riesen ebenfalls eine wichtige Rolle. Für größere Investitionen in die Produktion von CO2-armen Kraftstoffen vermisst Pauer klare regulatorische Rahmenbedingungen über 2035 hinaus. Bosch spreche sich für einen Wettbewerb unterschiedlicher Technologien sowie technologieoffene Vorgaben aus und halte eine regulatorisch festgelegte Ausstiegsfrist aus einer Technologie für falsch. Das E-Mobilitäts-Geschäft des Konzerns wächst und entwickelt sich nach Angaben des Technikchefs positiv, wobei die hohen Vorleistungen sich regional unterschiedlich schnell auszahlten.

Gernot meint
Ich habe die Überschrift korrigiert: Bosch Mobility setzt bei Nutzfahrzeugen auf den eigenen Marktaustritt.
South meint
Naja, dass nenne ich mittlerweile wohl eher Verzweiflung… Bosch ist einer der großen Verlierer… natürlich wird es noch ein paar Jahre Hybride und sogar noch Verbrenner geben, aber davon wird Bosch nicht oder nicht mehr lange Leben können. Ich kann übrigens nur sagen, mit dem Hochlauf der eMobilität kann man nur sehr, sehr zufrieden sein. Wüsste nicht, dass man da weit weg von den Prognosen vor wenigen Jahren wäre. Schon seit einigen Jahren schätzt man den BEV Anteil um 2030 rum auf 50% und nachdem wir heute schon 32% BEV haben und H Stoff offen sogar von den Herstellern als Rohrkrepierer kommuniziert werden… viel Glück und das wird euch nicht mehr helfen…
Jeff Healey meint
Da verheddert sich jemand aber ganz derbe!
Jo, macht mal „technologieoffen“, während dem Rest der Welt längst klar ist wohin die Reise geht.
Ist bei solchen Entscheidenden kein Wunder dass es immer schneller bergab geht mit unserem Laden.
Steffen meint
Ach diese „Technogieoffenheit“…wenn man sich da mal nicht (wiederholt) ins eigene Bein schießt…
cbzac meint
Das klingt alles etwas aus der Zeit gefallen. Range-Extender aufgrund „teurer Batterien“ einzusetzen ist Unsinn, denn Sprit ist mittelfristig jetzt schon teurer, während Batterien immer billiger werden. Vor allem wenn man gleichzeitig von alternativen Kraftstoffen faselt.
Er träumt von einem Mix aus „Hybride, Range-Extender-Elektrofahrzeuge, Brennstoffzellen und Lösungen mit Wasserstoff.“
Nö. BEV gewinnt, das ist absolut klar. Der Druck aus China nimmt zu und die PKW-Welt hat es bereits gezeigt. Klar gibt es noch eine Weile einen Markt für die alte Technik, aber nichts der o.g. ist in der Zukunft ein relevanter Wachstumsmarkt. Und das Ganze kann sehr schnell pro BEV kippen, denn die Technik ist jetzt bereits skaliert und ausgereift.