SuperPanther wurde 2022 vom früheren Continental-, Stihl- und Daimler-Manager Chao Liu gegründet. Das chinesische Unternehmen bringt nun den Elektro-Lkw eTopas 600 auf den europäischen Markt. Liu beschreibt SuperPanther im Gespräch mit dem Portal Edison nicht primär als klassischen Herausforderer für Lkw-Hersteller, sondern als Technologieunternehmen in einer Phase kontinuierlichen Lernens. Man setzt auf Software, „Intelligenz“ und speziell entwickelte E-Architekturen für Nutzfahrzeuge.
„Die Zeit des Verbrennungsmotors geht zu Ende“, so Liu. SuperPanther konzentriert sich auf elektrische schwere Fernverkehrs-Lkw, weil dort nach seinen Angaben besonders hohe Anforderungen an Energiedichte, Gesamteffizienz und Gesamtbetriebskosten bestehen. Die Technologien des Unternehmens werden den Angaben nach bereits seit mehr als zwei Jahren in E-Lkw im kommerziellen Betrieb bei chinesischen Kunden eingesetzt. Zudem bindet SuperPanther Kunden wie die DHL Group früh in die Produktdefinition ein.
Der eTopas 600 ist eine voll homologierte 4×2-Sattelzugmaschine mit europäischer Gesamtfahrzeug-Typgenehmigung und befindet sich schon im täglichen Flotteneinsatz. Sein Batteriepaket verfügt über 621 Kilowattstunden (kWh) Kapazität und soll im realen Betrieb bis zu 560 Kilometer Reichweite bei einem Verbrauch von rund 0,94 kWh pro Kilometer ermöglichen. Über zwei gleichzeitig nutzbare CCS2-Anschlüsse sind bis zu 660 kW Ladeleistung möglich. Die Hochvoltarchitektur ist zudem für das Megawatt-Ladesystem (MCS) vorbereitet.
Für Europa wird der eTopas 600 bei Steyr Automotive in Österreich montiert. Liu bezeichnet die Entscheidung als strategischen Ansatz nach dem Prinzip „Local for Local“ und verweist auf Steyrs Erfahrung im Fahrzeugbau sowie dessen Fertigungsqualität und Validierung. Steyr verfügt nach seinen Angaben über eine Produktionskapazität von bis zu 50.000 Einheiten pro Jahr.
Beim Produktionshochlauf verfolgt SuperPanther einen kontrollierten „Safe Launch“. Bis Ende dieses Jahres sollen rund 100 eTopas 600 ausgeliefert werden, für 2027 sind insgesamt 1000 Fahrzeuge geplant. Erste Einheiten fahren bereits in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz, Polen und Tschechien. Beim Preis will sich das Unternehmen ausdrücklich nicht als Billiganbieter positionieren, sondern über Systemeffizienz und wirtschaftlichen Gesamtnutzen differenzieren.
Zur Senkung der Betriebskosten betrachtet SuperPanther den Lkw als Teil eines Energie-Ökosystems und stattet den eTopas 600 ab Werk mit Vehicle-to-Grid-Fähigkeit (V2G) aus. Der E-Lkw soll dadurch Energie speichern, bei Spitzenlasten Strom ins Betriebsnetz zurückspeisen oder Netzdienstleistungen ermöglichen.
Gemeinsam mit DHL Freight will SuperPanther „Truck Brain“ unter realen Bedingungen erproben. Das System nutzt ein KI-Modell, um Transportauftrag, Wetter, Topografie und Verkehr „kontextbezogen vorauszudenken“. Rein technologisch halte er vollständig fahrerlose Lkw auf Level 4 in drei Jahren für machbar, so Liu. „Bis aber die Regulatorik und die gesellschaftliche Akzeptanz so weit sind, konzentrieren wir uns auf Truck-Brain-gestützte L2+-Systeme, die Autobahnfahrten und Spurwechsel für Fahrer noch sicherer und entspannter machen.“


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