Bosch rechnet durch die Elektromobilität mit sinkendem Umsatzpotenzial im Servicegeschäft. „E-Autos sind weit weniger wartungsintensiv als Verbrenner. Da werden wir dementsprechend verlieren“, sagt Rupert Hoellbacher, Vorsitzender von Bosch Mobility Aftermarket, der Automobilwoche. Das heutige Ertragsniveau werde deshalb nicht zu halten sein. Unternehmen müssten zusätzliche Ertragsquellen und Geschäftsmodelle entwickeln.
Gleichzeitig sieht Bosch neue Arbeitsfelder rund um Elektrofahrzeuge. Dazu zählen Batteriediagnose, Hochvolt-Service, Thermomanagement sowie Diagnose und Schulung. Der Autozulieferer- und Technologiekonzern will dabei nicht nur einzelne Bauteile anbieten, sondern Teile, Diagnose und Schulungen zu einem umfassenden Konzept verbinden.
Besondere Bedeutung hat die Hochvoltbatterie bei älteren elektrischen Fahrzeugen. Fällt die Batterie eines sechs bis acht Jahre alten Autos aus, handelt es sich Hoellbacher zufolge derzeit meistens um einen Totalschaden. Entscheidend sei deshalb, ob sich Batterien wirtschaftlich reparieren oder ersetzen lassen.
Gelingt es nicht, Batteriereparatur oder Batterietausch finanziell attraktiver zu machen, erwartet Hoellbacher eine sinkende Lebensdauer von Fahrzeugen. Das wäre nicht nur ein Verlust an Aftermarket-Potenzial, „sondern auch ein erheblicher Rückschritt für nachhaltiges Wirtschaften, weil viele Fahrzeugkomponenten auf eine deutlich längere Lebensdauer ausgelegt sind“. Bosch bietet bereits Reparaturlösungen für Hochvoltbatterien an und hat zudem eine Kooperation mit dem Unternehmen PreZero geschlossen, um funktionsfähige Bauteile aus Altfahrzeugen weiterzuverwenden oder Rohstoffe zurückzugewinnen.
Hoellbacher setzt insbesondere auf die Reparatur von Batterien. Bosch verfügt seinen Angaben nach über ein Konzept, mit dem sich Batteriezellen in bestimmten Hybriden vergleichsweise preiswert ersetzen lassen. Die Verbreitung solcher Reparaturlösungen hänge davon ab, dass sie technisch verfügbar, wirtschaftlich sinnvoll und für Kunden sowie Werkstätten verlässlich planbar seien.
Auch bei reinen Elektrofahrzeugen sieht Hoellbacher ein wirtschaftliches Risiko nach Ablauf der Garantie: Ein Neukauf könne derzeit attraktiver erscheinen als eine Reparatur. Für gebrauchte E-Autos soll deshalb der „Health Check“ von Bosch präzise Informationen zum Zustand des Fahrzeugs und seiner Batterie liefern. Der Zustand der Hochvoltbatterie gilt dabei als zentraler Wert- und Entscheidungsfaktor. Zertifikatslösungen sollen Käufern und Verkäufern mehr Sicherheit geben.
Parallel bereitet Bosch sein Teileprogramm auf Veränderungen im Fahrzeugbestand vor. Bei gängigen Serviceteilen sieht sich das Unternehmen bereits gut aufgestellt und arbeitet bei weitergehenden Komponenten auch mit chinesischen Herstellern zusammen. Für das E-Auto-Geschäft bleibt laut Hoellbacher für den Konzern jedoch vor allem entscheidend, praktikable und wirtschaftlich tragfähige Reparaturlösungen für Batterien zu entwickeln.

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