Volkswagen verändert den Entwicklungsprozess für die kommende Serienversion des Elektro-Kleinstwagens ID. Every1. Der Hersteller setzt erstmals fast ausschließlich auf Simulationen und verzichtet vor dem Start der Vorserienproduktion auf einen Gesamtprototyp des Fahrzeugs, berichtet das Portal Elektroauto-News.Net.
Die geplante Entwicklungszeit reduziert sich demnach von 36 auf 24 Monate. Dies geschieht trotz technischer Neuerungen wie einer neuen Plattform, einem neuen Antrieb, einer neuen Batterie sowie der Einführung der zonalen Elektronikarchitektur, die gemeinsam mit dem US-Elektroautobauer Rivian entwickelt wird.
Der Zeitgewinn resultiert laut Chef-Ingenieur Tomas Kamla aus der durchgehenden Simulation und einer angepassten Arbeitsorganisation. Durch die Zusammenlegung von Aerodynamikern, Designern und Konstrukteuren in einem Team konnten die Konstruktionsschleifen demnach von vier auf zwei reduziert werden.
Zwar gibt es keinen Gesamtprototypen, jedoch wurden einzelne Komponenten wie Batterie, Antrieb und Thermomanagement bereits physisch in umgebauten Exemplaren des elektrischen VW-Kompaktwagens ID.3 getestet. Auch der Fertigungsprozess wurde virtuell ausgelegt. Im Rahmen der Simulationen kamen über 100 neue Entwicklungsmethoden zum Einsatz, darunter ein Verfahren zur Bewertung von Spiegelungen in der Frontscheibe.
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) erfolgt derzeit primär bei der Verarbeitung von Text und Bild, etwa zur automatisierten Ableitung von Testfällen aus Anforderungsdokumenten. Der Übergang vom Design zur Konstruktion wird weiterhin durch Menschen durchgeführt. Die Entwicklung wird laut Kamla nicht vollständig virtuell werden, da Kunden bei einem physischen Produkt Haptik und Qualität erwarten.
Grenzen setzt die Simulation derzeit bei regulatorisch vorgeschriebenen Crashtests sowie der Digitalisierung der Wintererprobung. Ziel ist es jedoch laut Ingenieur Kamla, KI-Tools so zu entwickeln, dass sie künftig mithilfe historischer Daten erste Konstruktionen inklusive Berechnungen erstellen können.

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